21.08.2008 · Für John Grayken gibt es nichts Schöneres als Finanzkrisen. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende des texanischen Finanzinvestors Lone Star ist dann in seinem Element, wenn er angeschlagene Unternehmen sieht. Jetzt hat sein Unternehmen die IKB gekauft.
Von Roland LindnerFür John Grayken gibt es nichts Schöneres als Finanzkrisen. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende des texanischen Finanzinvestors Lone Star ist dann in seinem Element, wenn er angeschlagene Unternehmen sieht. Am liebsten kauft er notleidende Objekte, die andere Investoren nicht einmal mit den spitzen Fingern anfassen würden. Denn inmitten des Elends lauern nach seiner Auffassung die besten Schnäppchen. So kam er Anfang der neunziger Jahre zu Reichtum, als er aus der Sparkassenkrise in Amerika Profit schlug. Jetzt macht er die Immobilienkrise zur Party: Der Kauf der darniederliegenden deutschen Mittelstandsbank IKB ist die jüngste in einer Serie von Investitionen bei Unternehmen, die wegen der derzeitigen Verwerfungen an den Finanzmärkten in eine Schieflage geraten sind.
Das Kalkül des 52 Jahre alten Grayken ist einfach: Er wittert Verzweiflung bei krisengeschüttelten Unternehmen, verhandelt mit entsprechend harten Bandagen und engagiert sich zu Spottpreisen. Ein Paradebeispiel dafür war die geradezu virtuose Transaktion, die er vor ein paar Wochen mit der Investmentbank Merrill Lynch eingefädelt hat. Merrill Lynch stand unter massivem Druck, notleidende Hypotheken-Anleihen aus den eigenen Büchern auszuradieren. Lone Star kaufte die Papiere mit einem Nennwert von 30,6 Milliarden Dollar für 6,7 Milliarden Dollar, zahlte also gerade einmal 22 Cent je Dollar Nennwert. Damit nicht genug: Lone Star brachte Merrill Lynch dazu, den größten Teil des Risikos für weitere Wertverluste bei den Papieren zu behalten. Werden die Anleihen aber wertvoller, streicht vor allem Lone Star die Erträge ein. Grayken konnte sogar aushandeln, dass drei Viertel des Kaufpreises über einen Kredit finanziert werden, der vom Verkäufer Merrill Lynch kommt.
Die IKB ist nicht die erste Investition in Deutschland
John Grayken ist in der Nähe von Boston aufgewachsen und hat an der Eliteuniversität Harvard ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen. Danach stieg er direkt in die Finanzbranche ein und machte Immobiliengeschäfte für die Investmentbank Morgan Stanley. Anfang der neunziger Jahre tat er sich mit dem texanischen Milliardär Robert Bass zusammen, um in den Trümmern der Sparkassenkrise nach renditeträchtigen Investitionen zu suchen. Hunderte von Sparkassen waren damals zusammengebrochen, und die amerikanische Regierung sah sich zu einer massiven Kapitalspritze gezwungen, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Grayken und sein Partner kauften notleidende Kredite auf und konnten sie später mit deutlichem Gewinn wieder abstoßen. Im Jahr 1995 rief Grayken seine eigene Beteiligungsgesellschaft Lone Star ins Leben. Eine seiner ersten Investitionen war eine angeschlagene Restaurantkette, die er aufpäppelte und nach einigen Jahren mit Gewinn wieder verkaufte.
Der bisherige Mehrheitseigner KfW verkaufte seine Anteile an den Investor Lone Star. Dieser kündigte an, dass die IKB sich wieder auf ihr Kerngeschäft Mittelstandsfinanzierung konzentrieren werde.
Mittlerweile sieht sich Grayken international nach Unternehmen und Finanzprodukten um, die billig zu haben sind. Lone Star hat zwar seine Zentrale im texanischen Dallas, daneben aber auch Niederlassungen in vielen anderen Ländern. In Japan kaufte er Banken ebenso wie Hotels und Golfplätze. Auch in Deutschland ist die IKB nicht seine erste Investition: Im Jahr 2005 übernahm er die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR), die sich mit Zinsgeschäften verspekuliert hatte und in eine schwere Schieflage geraten war. Lone Star hat die Bank restrukturiert und in Corealcredit umbenannt, heute macht sie wieder Gewinn.
Auch umstrittene Engagements
Nicht jedes Engagement von Grayken ist unumstritten: So kaufte Lone Star im Jahr 2003 den koreanischen Finanzdienstleister Korean Exchange Bank. Bald geriet die Beteiligungsgesellschaft aber ins Visier der südkoreanischen Justiz, die Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation beim Kauf der Bank aufnahm. Die Beteiligungsgesellschaft soll Gerüchte gestreut haben, um den Aktienkurs der Bank zu drücken und sie damit zu einem niedrigeren Preis kaufen zu können. Ein Mitarbeiter wurde in diesem Zusammenhang zunächst zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, die Entscheidung wurde aber kürzlich in einem Berufungsverfahren vorerst aufgehoben.
John Grayken hat mit Lone Star in den vergangenen Jahren jeweils deutlich zweistellige Renditen eingefahren. Entsprechend kann er sich vor Investoren kaum retten. Lone Star hat kürzlich zwei neue Fonds aufgelegt und wollte dafür 6,5 Milliarden Dollar bei Investoren einsammeln. Am Ende kamen 10 Milliarden Dollar zusammen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.740,25 | +0,71% |
| FAZ-INDEX | 1.503,53 | +0,56% |
| TecDAX | 772,71 | +0,37% |
| MDAX | 10.303,90 | +0,53% |
| SDAX | 4.999,67 | +0,29% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.497,97 | +0,69% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,65 | +0,80% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3276 | +0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 118,22 $ | +0,27% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 137,88 € | −0,53% |