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Risikoabsicherung

Lockvogelangebote Im Möbelhandel grassiert die „Rabattitis“

Bei den Möbel-Schnäppchen handelt es sich oft nur um vermeintlich billige Lockvogelangebote. Dem Verbraucher bleibt nur übrig, genau hinzuschauen und Angebote verschiedener Möbelhäuser zu vergleichen.

© Setzer, Claus Vergrößern Preisknüller: bei Segmüller ein Dauerversprechen

Wer kennt sie nicht: die Werbebroschüren der großen Möbelhändler, die regelmäßig in den Briefkasten flattern und und von geradezu gigantischen Schnäppchen künden. Wer die Rabattangebote der Discounter wie Höffner, XXX-Lutz oder Porta studiert, der bekommt den Eindruck, man könne Möbel zurzeit quasi umsonst mit nach Hause nehmen. Von 60 oder 70 Prozent, manchmal sogar 80 Prozent Preisnachlass ist da die Rede.

„Hinter diesen Rabatten verbergen sich manchmal tatsächlich extrem gute Angebote“, sagt Timo Renz, Fachmann für die Möbelbranche bei der Münchener Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner. So gebe es etwa Polstergarnituren, die der Händler für 630 Euro beim Hersteller einkauft und für nur 480 Euro an die Endkunden weitergebe. „Das sind Lockvogelangebote“, sagt Renz. Es gehe schlicht um den „Wow-Effekt“, den alle großen Discounter zu erzeugen suchten, um die Kunden zunächst einmal auf ihre Ausstellungsflächen zu lotsen.

„Rabattitis hat sich eingebürgert“

Leider gibt es jedoch mindestens genauso oft den Fall, dass die Hersteller und Händler zuerst die offiziellen Listenpreise erhöhen, um danach den gewährten Rabatt um so höher aussehen zu lassen. Auch beziehen sich die Preisnachlässe meist nur auf einzelne Stücke, eine begrenzte Menge oder stark eingegrenzte Zeiträume. Einer der ersten großen Möbelhändler, die auf ständige Rabatte setzten, war Segmüller, der damit sehr viel Erfolg hatte.

„Inzwischen mussten alle Händler die Erfahrung machen, dass ihre Möbelhäuser leer bleiben, wenn sie nicht immer wieder mit hohen Rabatten werben. Die Kunden haben sich eben daran gewöhnt und glauben, ein Händler habe keine günstigen Preise, wenn er keine Rabatte gewährt“, erklärt Renz das Phänomen. „Das ist eine Rabattitis, die sich da dauerhaft im Möbelhandel eingebürgert hat - noch stärker als bei anderen Produkten wie etwa Autos.“ Die einzige Ausnahme sei Ikea. Der schwedische Möbelkonzern versuche, für jede Art von Möbelstück eine billigste Version anzubieten.

Rabatte sind für Hersteller ein Ärgernis

Dem Verbraucher bleibt so als einzige Möglichkeit, genau hinzuschauen. Denn oft werden sonst vermeintlich sehr preiswerte Möbel oder Kücheneinrichtungen doch noch teuer, weil jeder kleinste individuelle Ausstattungswunsch zu hohen Aufschlägen führt, die die vorher angekündigten Rabatte wieder aufheben. „Dem Verbraucher bleibt gar nichts anderes übrig, als sich verschiedene Preisangebote für dasselbe Produkt einzuholen“, rät Renz. Nur so könne er sicher sein, einen wirklich günstigen Preis zu zahlen - und keiner Täuschung zu unterliegen.

Während Rabatte für Händler und Kunden ihre guten Seiten haben, sind sie für die Hersteller nur ein Ärgernis. Auch ohne die ausufernden Preisnachlässe müssen sich die deutschen Hersteller schon längst mit der billigen Importkonkurrenz aus China und Polen herumschlagen. Da wird der Würgegriff der großen Möbelhändler, die immer niedrigere Preise bei ihren Lieferanten durchzudrücken suchen, oft zur existentiellen Bedrohung.

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