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Liquiditätskrise EZB pumpt wieder Geld in den Bankenmarkt

21.08.2007 ·  Die Europäische Zentralbank tritt der Liquiditätskrise entschlossen entgegen. Am Dienstag erhielten die Banken wieder großzügig Liquidität. Auf Dauer ist die Situation nicht tragbar, klagen Experten.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Banken der Euro-Zone beim regulären wöchentlichen Refinanzierungsgeschäft am Dienstag wieder mehr Geld zugeteilt, als sie zur Erfüllung der Mindestreserve benötigen. Weiter angespannt blieb die Lage bei Termingeldern - also Interbankenkrediten mit längeren Laufzeiten.

Die EZB teilte 275 Milliarden Euro zu. Das sind 46 Milliarden Euro mehr, als die Banken nach ihren Berechnungen eigentlich gebraucht hätten. Dabei drosselte sie aber die Zufuhr gegenüber voriger Woche, als die Mehrzuteilung noch bei 73,5 Milliarden Euro gelegen hatte. Die EZB hatte die Mehrzuteilung schon am Vorabend angekündigt. Sie will damit eine weitere Normalisierung der Lage am Geldmarkt erreichen. Bereits in der ersten Augusthälfte hatte die EZB mehrfach Tagesgeld für Banken bereitgestellt, um ein drohendes Austrocknen der lebenswichtigen Liquidität über Nacht zu verhindern. Die Notenbanken in Amerika, Australien und Japan hatten sich ihr angeschlossen.

Banken horten weiter ihr Geld

Die Banken der Euro-Zone müssen bei der EZB Mindestreserven vorhalten, die von der EZB monatlich für vier Wochen festgelegt werden. Haben die Banken zum Ende der Reserveperiode zu wenig Guthaben, müssen sie sich teures Geld leihen. Haben sie zu viel, drohen ihnen Einbußen. Händler rechnen daher damit, dass die EZB zum Ende der Mindestreserveperiode am 11. September das überschüssige Geld wieder einsammeln wird.

Viele Banken horteten derweil weiter ihre Geldbestände, um bei einer Ausweitung der Kreditkrise genügend flüssige Mittel zu haben. Am Termingeldmarkt können daher inzwischen laut Händlern kaum noch Kurse gestellt werden. „Nur ganz vereinzelt gibt es überhaupt Anbieter“, klagte ein Händler.

„Die Situation ist nicht tragbar“

„Auf Dauer ist die Situation sicherlich nicht tragbar. Aber das ist eine Frage des Vertrauens und der Kreditlinien“, fügte ein weiterer hinzu.“Jede Bank will sicher sein, dass keiner Leichen im Keller hat“, erläuterte ein Geldmarktanalyst. Durch den Engpass werden nach Einschätzung von Händlern alle Kredite teurer. „Die Risikoprämien steigen - auch für den kleinen Einzelhändler an der Ecke, der einen Kredit aufnehmen will“, warnte ein Händler.

Die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt sorgt auch bei den Konjunkturerwartungen in Deutschland für Ernüchterung (siehe auch: ZEW-Index sinkt überraschend stark). Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im August im Vergleich zum Vormonat überraschend deutlich um 17,3 Punkte ab und liegt nun bei minus 6,9 Punkten, wie das ZEW am Dienstag in Mannheim mitteilte. Dies ist der tiefste Stand seit Dezember 2006.

Paris fürchtet weitere Turbulenzen

Der französische Ministerpräsident François Fillon hat im Zusammenhang mit der amerikanischen Hypothekenkrise vor weiteren Turbulenzen auf den Finanzmärkten gewarnt. Er sei jedoch sehr zufrieden, wie die amerikanische Notenbank und die Europäische Zentralbank mit der Situation umgegangen seien, sagte Fillon in einem Interview mit der Pariser Tageszeitung „Le Monde“. Er warte nun auf künftige Entscheidungen der EZB. Die Inflation in Europa sei auf einem äußerst niedrigen Niveau, betonte er.

Der Markt für schlechter besicherte Baufinanzierungen ist in den Vereinigten Staaten völlig zusammengebrochen, da viele Hausbesitzer ihre Hypotheken wegen steigender Zinsen und fallender Immobilienpreise nicht mehr bedienen konnten. Die Krise hat weltweit Anleger verunsichert und an den Börsen heftige Kursverluste ausgelöst. Die amerikanische Notenbank reagierte darauf am Freitag mit einer Diskontsatz-Senkung, mit der die Liquidität im Bankensystem verbessert werden soll.

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