Im Gegensatz zu Deutschland haben sich Frankreichs Großbanken Milliardensummen aus einem staatlichen Hilfsfonds besorgt. Die sechs größten Institute des Landes erhalten Kredite in Höhe von 10,5 Milliarden Euro. Die französische Regierung sei bereit, ihnen 2009 die selbe Summe zur Verfügung zu stellen, sagte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Daraufhin schossen die Aktien der Geldhäuser am Dienstag an der Pariser Börse um bis zu zwölf Prozent nach oben. „Nun haben die Banken wieder ein bisschen Luft zum Atmen“, sagte Fondsmanager Christophe Gautier von GSD Gestion.
Die Banken werden Zinsen für die Kredite bezahlen und erhalten eine Reihe von Auflagen. Bei der Kreditvergabe an Einzelhandel, Geschäftskunden und lokale Behörden müssen sie bestimmte Zielvorgaben erfüllen. Präsident Nicolas Sarkozy will ihnen auch Geschäfte mit ausländischen Steuerparadiesen verbieten. Außerdem sollen die Banken Abfindungen für Manager kappen und einen Ausschuss einrichten, der über eine Begrenzung von Managergehälter entscheidet. Eine Obergrenze für Gehälter, die im Rahmen des deutschen Hilfspakets bei 500.000 Euro liegt, gibt es Frankreich hingegen nicht.
40 Milliarden Euro schwerer Staatsfonds
Die Kredite stammen aus einem 40 Milliarden Euro schweren Staatsfonds, mit dem die Regierung die Kapitalreserven heimischer Banken stärken will. Außerdem hat Frankreich - ähnlich wie Deutschland - Garantien für Bankverbindlichkeiten in Höhe von 320 Milliarden Euro abgegeben. „Die Liquiditätshilfen werden es den Banken ermöglichen, der Wirtschaft weiter Finanzmittel zur Verfügung zu stellen“, erklärte der französische Bankenverband. Die Bürger und Firmen des Landes leiden derzeit stark unter der Kreditklemme in Folge der Finanzkrise.
Im Rahmen des Programms erhält Credit Agricole drei Milliarden Euro, BNP Paribas 2,5 Milliarden Euro, Societe Generale 1,7 Milliarden Euro und Credit Mutuel 1,2 Milliarden Euro. Der Sparkasse Caisse d' Epargne greift der Staat mit 1,1 Milliarden Euro unter die Arme, ihrem Fusionspartner Banque Populaire mit 950 Millionen Euro. Die Bank hatte ihre Führung abgesetzt, weil eine Gruppe von Händlern im Geschäft mit Derivaten Verluste von 650 Millionen Euro verursacht hatte.
Kredite auch an die Gemeinden
Die staatliche Interventionsbank CDC wird zudem fünf Milliarden Euro für Kredite an die Gemeinden bereitstellen, davon die Hälfte direkt. Damit sollen öffentliche Investitionen gesichert werden. Einige Gemeinden sind in der Finanzklemme, weil sie sich auf hoch riskante „exotische“ Finanzierungen eingelassen haben. Außerdem musste der Gemeindefinanzierer Dexia kürzlich von Belgien und Frankreich mit Milliardenspritzen gerettet werden.
Die Großbank BNP Paribas betonte am Dienstag, die Maßnahme solle nur das Mindestniveau des Kernkapitals erhöhen. Der Staat werde nicht Aktionär, habe keine Stimmrechte und auch keinen Einfluss auf die Unternehmensführung oder die Dividendenpolitik.
Wettbewerbshilfe für „gesunde“ Banken
Die Kapitalspritze in Frankreich soll vermeiden, dass „gesunde“ französische Banken auf dem Geldmarkt einen Wettbewerbsnachteil gegen angeschlagene angelsächsische Institute haben, die dank der Staatsbeteiligung eine höhere Eigenkapitalquote und Kreditwürdigkeit aufweisen. „Die Banken brauchen (eigentlich) kein Eigenkapital“, sagte der französische Notenbankchef Christian Noyer.
Frankreichs Regierung hat wiederholt betont, dass sich die heimischen Banken in guter Verfassung befänden. Gerade die Aktien von Societe Generale gerieten wegen Gerüchten um Kapitalengpässe zuletzt jedoch wiederholt unter Druck. Analyst Eric Vanpoucke von Sal. Oppenheim begründete dies damit, dass die Kernkapitalquote französischer Banken vermutlich merklich unter dem europäischen Durchschnitt liege. Die französische Zentralbank erklärte dagegen, alle heimischen Banken wiesen eine zufriedenstellende Kapitalbasis auf.
