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Lieferservice Krieg der Pizza-Portale

Lieferheld und „Pizza.de“ besorgen online das Abendessen. Die Anbieter liefern sich eine Werbeschlacht ohnegleichen.

© dpa Vergrößern Zwischen den Lieferdiensten herrscht ein erbitterter Konkurrenzkampf.

Früher heftete sich ein jeder das Flugblatt seines lokalen Pizza-Bringdienstes an die Küchen-Korkwand. Der Stadtmensch von heute geht ins Internet, zum Beispiel auf die Seite des mit Abstand größten Anbieters Pizza.de, findet dort eine Auswahl lokaler Restaurants und Bringdienste samt Speisekarte. Man wählt aus, schickt die Bestellung ab und zwanzig Minuten später steht der Pizzabote vor der Tür. Es funktioniert. Der Platzhirsch Pizza.de und die mit Wagniskapital befeuerten Startups Lieferheld, Lieferando und Lieferservice sind harte Konkurrenten im Markt der Speisemakelei. Ihre Internetplattformen bündeln Bestellungen, transferieren sie zu den Pizzabäckern, Sushi-Produzenten, Döner-Grillern.

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Internet riecht nach großem Geld. Es ist aber ein mühseliges Geschäft: Für die Vermittlung gibt es Provisionen zwischen 6 bis 10 Prozent vom Bon, verrät Jochen Grote, Chef und Mitgründer des Marktführers Pizza.de. Die durchschnittliche Rechnung pro Bestellung liegt bei gut 16 Euro, so dass Pizza.de und die Konkurrenz einen Euro oder auch 1,10 Euro pro Bestellung kassiert.

Wahre Reklame-Riesen

Die vier Anbieter teilen eine Erkenntnis. Der Markt ist nicht groß genug für alle, mindestens zwei verschwinden. So kämpfen alle vier mit allem, was sie haben. Das wichtigste Mittel ist Marketing. Obwohl die Speisemakler zusammen vielleicht gerade 500 Leute in Deutschland beschäftigen, sind sie wahre Reklame-Riesen. Grote schätzt, dass er und seine Konkurrenten in den letzten Jahr rund 100 Millionen Euro für Werbung ausgegeben haben. Einen fetten Batzen davon sackt Google ein, rund ein halbe Million kostet es Pizza.de im Monat, bei der Suchanfrage oben zu stehen.

Konkurrent Lieferheld versucht, sich vor allem durch TV-Werbung bekannt zu machen. Das Unternehmen selbst gab an, die Listenpreise dafür beliefen sich in Deutschland monatlich auf einen mittleren, einstelligen Millionenbetrag. Allerdings konnte Lieferheld die TV-Sendergruppe ProSiebenSat1 überreden, als Zahlungsmittel Anteile am Unternehmen statt Geld zu nehmen. Grote schätzt die monatlichen Kosten für sich und seine Konkurrenz auf 1,5 bis 1,8 Millionen Euro. Was sie demgegenüber einnehmen ist weniger klar. Lieferheld verrät auf seiner Website, im März 600.000 Essen vermittelt zu haben, das entspricht einem Umsatz von geschätzt 600.000 Euro. Man produziert Verluste, heißt das.

Exit statt Gewinn

Doch von Gewinn ist auch gar nicht Rede in den Mitteilungen der Firmen. Lieferheld brüstet sich mit Wachstum („Wir sind eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt“, wird Co- Chef Fabian Siegel in der eigenen Mitteilung zitiert.) oder Finanzierungsrunden. 80 Millionen Euro von renommierten Venture Capital-Finanziers warb Lieferheld ein. Damit werden neben Verwaltung die Auslandsexpansion, das Marketing und ein paar Juristen bezahlt. Denn die Anbieter verklagen sich gegenseitig in ziemlich kurzen Abständen.

Lieferheld gehört wie Lieferando zur pulsierenden Berliner Start-up-Szene, die die alten New Economy-Regeln verinnerlicht hat. „Hier redet niemand von Gewinn, sondern von Exit“, verrät ein Insider. Nur Pizza.de nicht. Das Unternehmen macht Gewinn und sucht keinen Käufer.

Quelle: F.A.S.

 
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