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Lichtindustrie Strahlende Geschäfte

21.08.2006 ·  Energiesparen wird zu einem wichtigen Thema. Das Geschäft mit Kommunen gewinnt an Bedeutung. Denn die öffentliche Beleuchtung basiert zum großen Teil noch auf der Technik aus den sechziger Jahren.

Von Rüdiger Köhn
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Der Eiffelturm in Paris erstrahlt seit mehr als zwei Jahren in völlig neuem Licht. Obwohl das Bauwerk heller denn je in den Nachthimmel ragt, wurde der Energieverbrauch gegenüber der vorherigen Licht-Ausstattung um ein Drittel gesenkt. Das Münchener Fußballstadion, das schon tagsüber mit seiner weißen Hülle futuristisch anmutet, wandelt sich abends dank spezieller Lichteffekte zu einem roten oder blauen Luftkissen - je nachdem, ob der FC Bayern oder 1860 München spielt. Edel sieht es in weißer Beleuchtung aus, wenn wie bei der Fußball-WM Länderspiele stattfinden.

Das Pariser Monument ist von Philips effektvoll in Szene gesetzt. Die „Lichtschau“ in München ist Osram zu verdanken. Die Namen beider Unternehmen stehen für die Lichtindustrie. Philips gilt mit 4,8 Milliarden Euro Umsatz als Marktführer für Lampen und Leuchten, gefolgt von Osram mit 4,3 Milliarden Euro. Natürlich darf auch der amerikanische Konzern General Electric (GE) nicht fehlen, der im internationalen Vergleich als Nummer drei gilt, dessen Schwerpunkt des Geschäftes aber immer noch in Amerika liegt, dem größten Lichtmarkt überhaupt. In Europa ist GE, die keinen Umsatz für die Beleuchtung nennt, relativ schwach vertreten.

Funktionale Designobjekte

Doch so einfach ist die Branche nicht gestrickt. Zum einen haben die drei Unternehmen unterschiedliche Schwerpunkte. Osram ist vor allem im Lampengeschäft tätig und mit der Zukunftstechnologie der Leuchtdioden (LED) weiter als Philips. Die Niederländer wiederum haben ihre Stärken mehr im Leuchten- als im Lampenbereich, während GE noch sehr mit traditionellen Lampen verbunden ist.

Lampen und Leuchten - was ist der Unterschied? Lampen sind Lichtquellen, zu denen die traditionelle Glühbirne ebenso wie Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen oder eben die LED gehören. Leuchten sind Systeme um die Lampe herum, die mit Steuerungstechnik ausgestattet etwa Büros, Wohnräume oder öffentliche Plätze ausleuchtet. Sie stehen auch für Ästhetik. Eiffelturm und Münchener Fußballstadion sind nicht nur einfach beleuchtet. Sie sind zu Designobjekten geworden.

Überschaubare Konkurrenz

In Deutschland gibt es nur eine Handvoll von Lampenanbietern; mit Osram als größtem Hersteller, der auch die Leuchtenhersteller mit Lampen beliefert. Das kleine Unternehmen Heraeus Noblelight - eine Sparte des Edelmetall- und Technologieunternehmens Heraeus - zählt mit seinen Speziallichtquellen wie Infrarot- und Ultraviolettstrahlern ebenso zu dieser Kategorie.

Daten über den Lampenmarkt sind wegen der überschaubaren Konkurrenz kaum erhältlich. Unter den rund 230 Unternehmen finden sich laut Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) in dieser Sparte nur 16 Hersteller. Ganz anders ist das Leuchtengeschäft. Neben großen Namen sind dort viele mittlere und kleinere Unternehmen vertreten, zu denen Trilux oder die Vossloh Schwabe Optoelectronics gehören.

Steigende Rohstoffpreise

In Deutschland als größtem europäischen Markt entwickelte sich der Markt in den zurückliegenden Jahren eher schwach, was auch mit der trüben Baukonjunktur zusammenhängt. Auch wenn sich die Entwicklung in der deutschen Lichtindustrie seit dem zweiten Halbjahr 2005 aufgehellt hat, schwächelt das Inland nach wie vor. Außerdem setzen viele Importeure vor allem aus Asien die Preise im Lampengeschäft unter Druck, wenn es etwa um Massenware in den Regalen der Bau- und Supermärkte geht.

„Es ist aber weniger der Wettbewerb, der uns derzeit Kopfschmerzen macht“, sagt Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbandes Elektroleuchten und Elektrische Lampen. „Sorgen bereiten vielmehr die steigenden Rohstoffpreise.“ Kupfer, Edelstahl, Aluminium und Rohkunststoffe haben sich kräftig verteuert, teilweise um bis zu 60 Prozent. Mitunter gibt es gar Lieferengpässe; besonders für kleinere Spezialanbieter, die wegen geringerer Abnahmemengen manchmal ganz unten auf die Lieferliste gesetzt werden. Waldorf sieht die Gefahr, daß die Gewinne und damit die Investitionsmöglichkeiten geschmälert werden.

Preisdruck auf dem asiatischen Markt

Die deutschen Hersteller suchen ihr Heil somit im Ausland, insbesondere in Fernost und in Osteuropa. „Asien wird nach unseren Schätzungen im Jahr 2015 mehr als 50 Prozent des Weltlichtmarktes ausmachen“, prognostiziert Martin Goetzeler, Vorsitzender der Osram-Geschäftsführung. International können Firmen ihre Position aber nur durch Innovationen ausbauen. Denn Wettbewerb und Preisdruck sind kein deutsches, sondern ein weltweites Phänomen. „Das gilt für die Chinesen genauso“, sagt Waldorf.

Daher entscheidet das Angebot von hochwertigen Lichtsystemen und energiesparenden Produkten über Wettbewerbsvorteile. „Wir werden in den nächsten Jahren eine Welle von neuen Technologien in der Lichtindustrie erleben“, sagt Gerard Kleisterlee, Vorstandschef von Philips. Neben dem Xenon-Licht - bekannt als Frontscheinwerfer für Autos - gilt die Aufmerksamkeit vor allem LED. Die Unternehmen drängen immer stärker in diesen Zukunftsmarkt vor. Die Niederländer haben im vergangenen Jahr den amerikanischen Hersteller Lumileds übernommen, um Schwächen in dieser Technik wettzumachen. Auch die japanische Optioelektronikfirma Nichia dringt auf den Markt vor. Die österreichische Zumtobel treibt als Leuchtenhersteller mit Verve die Entwicklung von LED voran.

Erneuerung wegen Umweltauflagen

Hohe Wachstumsraten erhoffen sich viele von einem Absatzmarkt, der erst im Kommen ist: die kommunale Infrastruktur. Städte und Gemeinden haben einen zunehmenden Ersatzbedarf. Ein Drittel aller Straßen und Autobahnen in Europa etwa ist noch mit alten, stromfressenden Beleuchtungen aus den sechziger Jahren ausgestattet. Experten schätzen, daß die Kommunen in Europa jährlich 600 bis 700 Millionen Euro Betriebskosten sparen könnten, würden sie neue Beleuchtungstechnik einsetzen. Der Druck auf die Erneuerung wächst mit Blick auf strengere Umweltauflagen, die sich zum Beispiel aus dem Kyoto-Protokoll ergeben.

Durch moderne Straßenbeleuchtung könnte der Ausstoß an Kohlendioxid jährlich um 3,5 Millionen Tonnen und der Bedarf an Öl um 14 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Liter) gesenkt werden. Für ZVEI-Geschäftsführer Waldorf würde sich der Einsatz neuer Techniken schon nach drei bis vier Jahren rechnen. Klar scheint das den Kommunen noch nicht zu sein. Die Wechselraten in der Straßenbeleuchtung betragen gerade einmal 3 Prozent im Jahr. Waldorf ist jedoch überzeugt, daß diese in den nächsten Jahren auf 20 Prozent steigen können, womit sich ein lukrativer Markt öffnet.

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Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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