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Lesegeräte aus Deutschland Der E-Reader in der Warteschleife

02.07.2010 ·  Plastic Logic wollte sein in Deutschland gefertigtes Lesegerät „Que“ schon längst auf dem Markt haben. Die Premiere wird aber immer wieder verschoben. Das Geschäft mit Lesegeräten wandelt sich derweil rapide - nicht zuletzt durch das iPad.

Von Roland Lindner, New York
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Im Januar schien die Welt noch in Ordnung. Ein kleines Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley mit einem deutschen Fertigungsstandort in Dresden schickte sich an, auf dem Markt für elektronische Lesegeräte große Adressen wie Amazon und Sony herauszufordern. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas enthüllte Plastic Logic seinen „E-Reader“ Que. Das Gerät unterscheidet sich von Konkurrenzprodukten durch einen biegsamen Kunststoffbildschirm, der viel robuster ist als Glas. Die Bildschirme werden in Dresden hergestellt, wo Plastic Logic 140 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Vorstandsvorsitzende Richard Archuleta grenzte den Que von der Konkurrenz ab, indem er ihn als Produkt für die berufliche Nutzung beschrieb. Das Gerät sei hauptsächlich für die Darstellung und Bearbeitung von Dokumenten gedacht - und erst danach zum Lesen von Büchern. Das Gerät werde für eine „papierlose Aktentasche“ sorgen, sagte Archuleta und versprach die Markteinführung für den April.

Das richtige Produkt für Geschäftsleute

Aber der Que ist bis heute nirgendwo zu kaufen. Im Frühjahr verschob das Unternehmen die Premiere zunächst auf Juni, Ende vergangener Woche wurde die Lieferung der ersten Produkte dann auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Kunden, die einen Que reserviert hatten, wurde per E-Mail mitgeteilt, dass ihre Bestellung erst einmal annulliert worden sei. Vorstandschef Archuleta ließ sich mit den Worten zitieren: „Wir haben entschieden, dass es zu einem besseren Produkt für Sie führen wird, wenn wir das Gerät ein bisschen weiter verschieben.“ In der Zwischenzeit hoffe man, dass der Adressat auf der Kundenliste zu bleiben wünsche.

Die Erklärungen von Plastic Logic für die abermalige Verschiebung sind vage. Das Unternehmen wolle sicherstellen, das richtige Produkt für die Zielgruppe von Geschäftsleuten zu liefern, sagte eine Sprecherin. Plastic Logic werde sein Produkt und seine Technologie weiter verfeinern und sei bemüht, so bald wie möglich auf den Markt zu kommen. Weiter sagte sie: „Der Markt für E-Reader verändert sich rapide.“

Hersteller von E-Readern müssen sich die Sinnfrage stellen

Dies dürfte vielleicht der aufschlussreichste Teil der Erklärung sein, denn tatsächlich hat sich die Dynamik in dem Geschäft mit Lesegeräten seit der Enthüllung des Que im Januar völlig gewandelt. Verantwortlich dafür ist vor allem der im April eingeführte Tablet-Computer iPad von Apple, der unter anderem auch als Lesegerät genutzt werden kann, daneben aber eine Vielzahl anderer Einsatzmöglichkeiten hat. Das iPad hat einen gelungenen Start hingelegt, der die Erwartungen weit übertraf. Seit April sind mehr als drei Millionen Stück verkauft worden.

Offenbar verwenden iPad-Besitzer ihr Gerät sehr gern als E-Reader: Wie der Apple-Vorstandsvorsitzende Steve Jobs vor einigen Wochen mitteilte, sind mehr als fünf Millionen elektronische Bücher für iPads heruntergeladen worden. Auf einmal müssen sich die Hersteller spezialisierter E-Reader die Sinnfrage stellen: Brechen jetzt die Argumente für den Kauf eines Kindle von Amazon oder auch des Que von Plastic Logic weg, wenn das iPad das Gleiche kann, aber außerdem noch viel mehr?

Keine Niedrigpreisstrategie bei Plastic Logic

Der Handlungsdruck wurde in der vergangenen Woche offenkundig, als die Preise für zwei der bekanntesten E-Reader drastisch gesenkt wurden: Amazon reduzierte die Preise für das Einstiegsmodell des Kindle von 259 auf 189 Dollar und für die teurere Version von 489 auf 379 Dollar, der Buchhändler Barnes & Noble verkauft seinen E-Reader Nook jetzt für 199 statt 259 Dollar. William Kidd vom Marktforschungsinstitut iSuppli sieht diese Preissenkungen als Antwort auf die neue Konkurrenz durch das iPad. Der Kindle und Nook sind damit weniger als halb so teuer wie das billigste iPad-Modell (499 Dollar), was nach Meinung von iSuppli das Geschäft zumindest kurzfristig ankurbeln könnte.

Plastic Logic wollte sich dagegen gerade nicht auf eine Niedrigpreisstrategie einlassen. So sorgte es schon bei Enthüllung des Que im Januar für Erstaunen, als das Unternehmen den Verkaufspreis auf mindestens 649 Dollar festsetzte. Dieser Preis scheint nach der Einführung des iPad umso ambitionierter. Die Sprecherin von Plastic Logic wollte jedoch nicht sagen, ob das Unternehmen über eine neue Preisstrategie nachdenkt.

Investoren aus der Industrie

E-Reader haben gegenüber Tablet-Computern durchaus Vorteile. So mag es zwar einerseits von Nutzern als Defizit empfunden werden, dass Lesegeräte wie der Kindle oder der ursprünglich vorgestellte Que anders als das iPad keinen Farbbildschirm haben. Sie sind aber besser bei Tageslicht zu nutzen, weil die von ihnen verwendete schwarzweiße elektronische Tinte einen hohen Kontrast erlaubt und ohne Hintergrundbeleuchtung auskommt. E-Reader sind außerdem üblicherweise leichter und haben eine längere Batterielaufzeit.

Ob von Plastic Logic in diesem Jahr überhaupt noch ein Produkt zu erwarten ist, darauf will sich die Sprecherin nicht festlegen. Sie versucht aber, Sorgen zu zerstreuen, wonach das Unternehmen bis zur Einführung eines marktreifen Produkts in einen finanziellen Engpass geraten könnte. Das im Jahr 2000 von Wissenschaftlern im britischen Cambridge gegründete und mittlerweile im kalifornischen Mountain View beheimatete Unternehmen hat zum Aufbau seines Geschäfts 200 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Zu den Geldgebern gehören neben Finanzinvestoren auch prominente Namen aus der Industrie wie Intel, Siemens oder BASF. „Wir sind in der glücklichen Lage, eine engagierte Gruppe von Investoren zu haben, die auf lange Sicht dabei sein wollen“, sagt sie.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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