01.05.2008 · Edeka hat die Hoffnung auf eine erfolgreiche Übernahme der Discount-Kette Plus noch nicht aufgegeben. Aber der Widerstand des Bundeskartellamts ist groß. In zwei Wochen fällt die Entscheidung.
Edeka hat die Hoffnung auf eine erfolgreiche Übernahme der Discount-Kette Plus noch nicht aufgegeben. Aber der Widerstand des Bundeskartellamts ist groß: „Frau Krüger ist sehr streng mit uns“, sagte Edeka-Vorstandschef Alfons Frenk mit Blick auf die Leiterin der zuständigen Beschlussabteilung des Kartellamtes. Krüger und ihre Mannen hatten Edeka Anfang April untersagt, Plus (2900 Filialen, 7 Milliarden Euro Umsatz) zu übernehmen. Bis zur endgültigen Entscheidung am 16. Mai haben Edeka und der Verkäufer Tengelmann allerdings noch Zeit, die Bedenken der Wettbewerbshüter zu zerstreuen.
Am vergangenen Montag gab es eine Gesprächsrunde im Bundeskartellamt, der weitere folgen sollen. Zum Inhalt der Gespräche sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Frenk. Er räumt aber ein, von dem starken Gegenwind überrascht worden zu sein: „Eine derartige Situation haben wir nicht erwartet.“ Nach Einschätzung der Kartellbehörde hätte die Edeka-Gruppe, die im deutschen Lebensmitteleinzelhandel schon heute einen Marktanteil von 25 Prozent hat, zusammen mit Plus in fast 100 von 350 regionalen Teilmärkten eine marktbeherrschende Stellung. Vermutlich wird Edeka dem Kartellamt anbieten, einige hundert Märkte in den betroffenen Regionen vor oder nach der Transaktion abzugeben. Dies reicht aber womöglich nicht aus.
Denn Krüger hat nicht nur das Filialnetz im Auge, sondern auch die Gefahr der weiter wachsenden Marktmacht in der Warenbeschaffung. Frenk selbst hat zwar den Plus-Deal eingefädelt, mit dessen Gelingen hat er aber nichts mehr zu tun: Von jetzt an wird die Gruppe von seinem bisherigen Finanzvorstand Markus Mosa geführt. Wegen der bloßen Ankündigung der Übernahme habe sich der Wettbewerb hierzulande enorm verschärft: „Die Wettbewerber polieren ihre Märkte auf“, sagte Frenk.
Die genossenschaftlich geprägte Edeka-Gruppe will auch ohne Plus weiter wachsen. 2007 hat sie den Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel um 4,4 Prozent auf 30,5 Milliarden Euro erhöht. Für das laufende Jahr kündigte Mosa ein Wachstum in gleicher Höhe an, wobei der Gewinn proportional zum Umsatz steigen soll. Im vergangenen Jahr sei das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 7 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro gestiegen. Die Edeka Zentrale AG & Co. KG, unter deren Dach unter anderem die Discount-Kette Netto sowie Spar angesiedelt sind, nicht aber die 4700 selbständigen Edeka-Einzelhändler, zeigt bei Umsätzen von 16,8 (Vorjahr: 16,5) Milliarden Euro einen Nettogewinn von 205 (140) Millionen Euro. Allerdings wurde das Ergebnis durch den kräftigen Anstieg der sonstigen betrieblichen Erträge beflügelt, der laut Anhang im Geschäftsbericht im Wesentlichen auf Erträgen aus Stromverkäufen der erstmals einbezogenen Edeka Versorgungsgesellschaft mbH beruht. Das Debakel rund um den Verkauf der verlustreichen Baumarktsparte und der Personalabbau bei Marktkauf schlugen mit einem außerordentlichen Aufwand von 363 Millionen Euro zu Buche. Dem steht ein außerordentlicher Ertrag in gleicher Höhe gegenüber aus der Übertragung der Marktkauf-Warenhäuser auf die sieben Edeka-Regionalgesellschaften.
Mosa hält an der Planung fest, jedes Jahr 200 Edeka-Märkte und 170 Netto-Läden zu eröffnen. Um die unternehmerische Kraft der Gruppe weiter zu stärken, will er die Privatisierungsoffensive fortsetzen: Bis 2010 sollen 400 der derzeit 900 Edeka-Betriebe, die unter zentraler Regie laufen, an selbständige Unternehmer übergeben werden. So soll der Umsatz der selbständigen Edeka-Einzelhändler von 15 Milliarden Euro (2007) auf 20 Milliarden Euro steigen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2480 | −0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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