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Lebensmittel Nestlé reagiert auf die küchenlose Wohnung

12.11.2008 ·  In New York werden ganze Wohnhäuser ohne Küchen gebaut, weil es immer mehr Menschen gibt, die in ihrer Wohnung kein Essen mehr zubereiten. Der Trend, sich warmes Essen bringen zu lassen oder außer Haus essen zu gehen, schwappt auch nach Deutschland über. Nestlé reagiert bereits.

Von Georg Giersberg
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In New York werden ganze Wohnhäuser ohne Küchen gebaut, weil es immer mehr Menschen gibt, die in ihrer Wohnung kein Essen mehr zubereiten. Vor allem Ein-Personen-Haushalte lassen sich warmes Essen von einem Gastronomen bringen oder gehen außer Haus essen. Die Entwicklung hin zu mehr Ein-Personen-Haushalten gibt es in Deutschland auch, und die küchenlose Wohnung wird über kurz oder lang auch in Europa Einzug halten. Davon jedenfalls ist Uwe Schneider, Vorsitzender der Geschäftsführung der Nestlé Professional GmbH, überzeugt. Für Schneider ist es daher nachvollziehbar, dass die Führung der internationalen Nestlé im schweizerischen Vevey die Außer-Haus-Verpflegung zu einem der drei Wachstumsfelder für die kommenden Jahre erkoren hat.

Wie ernst Nestlé die Entwicklung hin zu mehr Außer-Haus-Verpflegung ist, erkennt man daran, dass dieser Bereich unter dem Namen Nestlé Professional aus den nationalen Nestlé-Organisationen ausgegliedert und direkt von Vevey aus geleitet wird. So wird auch die deutsche Nestlé Professional GmbH, Frankfurt, vom 1. Januar 2009 an mit ihren 240 Mitarbeitern und 300 Millionen Euro Umsatz nicht mehr an die deutsche Nestlé AG berichten, sondern direkt an die Nestlé Professional in der Schweiz. Deutschland habe auf diesem Gebiet noch Nachholbedarf. International setzt Nestlé schon 7 Milliarden Euro mit der Belieferung der Gastronomie um.

Der Trend kommt bald auch nach Deutschland

Schneider ist sich sicher, dass auch Deutschland hier schnell aufholen werde. Die Voraussetzungen seien sehr gut. Zum einen seien sich alle Politiker einig, dass mehr Kinder in Vorschul- und Schuleinrichtungen eine warme Mahlzeit essen sollen. Wegen der Demographie nehme zweitens der Anteil älterer Menschen zu, die nicht mehr selbst kochen können. Drittens steige die Zahl der Ein-Personen-Haushalte, die immer seltener selbst kochen.

Zurzeit geben die Menschen in Deutschland für Außer-Haus-Verpflegung (ohne alkoholische Getränke) 18 Milliarden Euro aus, davon 10 Milliarden Euro in der öffentlichen Gastronomie (Restaurants, Hotels), 4,4 Milliarden Euro in Betriebsrestaurants und Kantinen und 3,7 Milliarden Euro in Schulen, Heimen und Pflegeeinrichtungen. Nestlé geht davon aus, dass der Gesamtmarkt um 2 bis 3 Prozent im Jahr zulegen und dass er sich wie der Konsumgütermarkt im Einzelhandel in ein Premiumsegment und ein Standardsegment aufspalten wird. Nestlé will vor allem das ertragreichere Premiumsegment bedienen. Hier gebe es heute noch durch eine Vielzahl von Anbietern eine kleinteilige Marktstruktur. Die fünf größten Lebensmittelhersteller hätten in der Außer-Haus-Verpflegung nur einen Marktanteil von insgesamt 3 Prozent. Mit dem Schwerpunkt Außer-Haus-Verpflegung würden künftig auch verstärkt Forschungs- und Entwicklungsgelder in diesen Bereich fließen. Schon bald soll auch hier die Innovationsrate, also der Umsatzanteil von Produkten, die nicht älter als 3 Jahre sind, von heute 12 auf 25 Prozent steigen.

Wachstum auch in den Schwellenländern

Das zweite internationale Wachstumsfeld von Nestlé sind die Schwellenländer mit steigenden Bevölkerungszahlen und zunehmendem Wohlstand. Das dritte Wachstumsfeld ist die Ernährung mit gesundheitlichem Zusatznutzen (Nutrition). Auf diesem Feld der gesundheitsbewussten Ernährung sieht sich die deutsche Nestlé nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Gerhard Berssenbrügge schon heute gut aufgestellt. Viele Produkte werden mit immer weniger Zucker, Salz, Fett, Farb- und Aromastoffen hergestellt. Eine Sauce hollandaise mit nur 9 Prozent Fett ist für den Vorstandsvorsitzenden ein besonders starkes Beispiel dafür, welche Erfolge heute in der Lebensmittelforschung erreicht werden. Nestlé ist mit 1,7 Milliarden Euro Forschungsaufwand weltweit einer der größten Forscher im Lebensmittelbereich.

Diese Arbeit führe dazu, dass heute 25 Prozent des Umsatzes auf Produkte entfallen, die es in dieser Form vor drei Jahren noch nicht gab. Für Berssenbrügge ist die hohe Innovationsgeschwindigkeit auch ein Grund dafür, dass sich Nestlé besser als der Gesamtmarkt entwickelt. In den Monaten Januar bis September hat Nestlé in Deutschland seinen Umsatz um 4,4 Prozent auf 2,02 Milliarden Euro erhöht. Diese Steigerung sei allerdings fast ausschließlich auf Preiserhöhungen zurückzuführen, mit denen man die Preissteigerungen bei den Rohstoffen (Kaffee, Kakao und Öl) sowie bei Verpackungen weitergegeben habe. Aber auch eine stabile Mengenentwicklung im bisherigen Jahresverlauf bedeute auf einem real um gut 2 Prozent schrumpfenden Markt Wachstum, sagt Finanzvorstand Herbert Stücke. So habe Nestlé in diesem Jahr mit den Marken Maggi und Nescafé sowie im Süßwarenbereich (Kitkat, Smarties, After Eight) Marktanteile gewonnen.

Der Export der deutschen Nestlé hat sich mit einem Zuwachs von 12 Prozent sehr positiv entwickelt. Aufgrund weiterer Rationalisierungen, vor allem aber wegen der zurückhaltenden Lohnzuwächse der vergangenen Jahre habe man vor allem in Europa an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen und Fertigungen aus Großbritannien nach Deutschland holen können. Insgesamt setzte die deutsche Nestlé AG in den ersten neun Monaten 2,56 Milliarden Euro um. Berssenbrügge geht davon aus, dass Nestlé Deutschland das Gesamtjahr mit einem Umsatzzuwachs von 5,5 Prozent abschließen wird.

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