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Lebensmittel Kraft Foods will Cadbury schlucken

07.09.2009 ·  Der amerikanische Lebensmittelgigant Kraft Foods will für 16,7 Milliarden Dollar den britischen Süßwarenhersteller Cadbury übernehmen. Cadbury wies die Offerte am Montag umgehend zurück. Kraft zeigte sich unbeirrt.

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Der weltweit zweitgrößte Lebensmittelkonzern Kraft Foods will sich den britischen Süßwaren-Hersteller Cadbury einverleiben. Doch Cadbury, vor allem bekannt für Schokolade, aber auch Kaugummi oder Bonbons, wehrt sich. Die Führung von Cadbury habe das 10,2 Milliarden Pfund (11,7 Milliarden Euro) schwere Kaufangebot zurückgewiesen, teilte Kraft am Montag am Firmensitz in Northfield (Illinois) mit. Das Angebot sei zu niedrig, begründete das Cadbury-Management seine ablehnende Haltung. Jetzt gilt eine Aufstockung des Angebotes als wahrscheinlich - Branchenexperten halten aber auch ein Gegenangebot des Schweizer Weltmarktführers Nestle für möglich.

Die Amerikaner, die Marken wie Milka-Schokolade, Jacobs-Kaffee oder Miracoli-Nudeln unterhalten, wollen sich davon aber nicht abschrecken lassen und weiter um die Briten buhlen. Kraft erklärte, man strebe eine Transaktion an, die die Cadbury-Führung unterstützen könne. Mit einer Übernahme von Cadbury würde Kraft auch näher zur Nummer eins unter den Lebensmittelriesen, Nestle, aufrücken, der aber noch weit vorausliegt.

„Es geht um Wachstum“

„Die Transaktion würde einen starken Anbieter von Snacks, Süßwaren und Fertiggerichten schaffen mit einem außergewöhnlichen Portfolio an Kultmarken“, begründete Kraft seinen Ehrgeiz. Die Amerikaner wollen durch die Übernahme ihren Umsatz und Gewinn letztlich deutlich schneller steigern als solo. „Es geht um Wachstum“, sagte Konzernchefin Irene Rosenfeld. Durch die Zusammenlegung insbesondere von Vertrieb, Marketing und Entwicklung will Kraft zudem mindestens 625 Millionen Dollar vor Steuern im Jahr einsparen. Dem stehen erwartete 1,2 Milliarden Dollar an Kosten für die Verschmelzung der zwei Firmen gegenüber.

Zusammen kämen beide Unternehmen auf einen Jahresumsatz von 50 Milliarden Dollar. Der Schweizer Nestle-Konzern setzt binnen eines halben Jahres aber doppelt soviel um. Kraft stuft sich bei einer erfolgten Übernahme allerdings als führend in den wichtigen Schwellenländern China, Indien, Brasilien, Mexiko und Russland ein.

Cadbury zuletzt im Aufwind

Cadbury, früher Cadbury Schweppes, war trotz Wirtschaftskrise zuletzt noch gewachsen und hatte auch mehr verdient. Nach dem Verkauf seiner Getränkesparte hat die britische Traditionsfirma mit mehr als 46.000 Beschäftigten den Gewinn im ersten Halbjahr 2009 fast verdreifacht auf 313 Millionen Pfund (358 Millionen Euro). Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 2,8 Milliarden Pfund (3,2 Milliarden Euro). Der Gewinn von Kraft allein im zweiten Quartal stieg um 11 Prozent auf 827 Millionen Dollar (fast 577 Millionen Euro). Allerdings sank der Umsatz um 5,9 Prozent auf 10,16 Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro). Außer in der Heimat lief es vor allem in Indien und Südafrika rund. Auch Kraft konnte zuletzt über ein florierendes Geschäft berichten.

Gemessen an aktuellen Börsenkursen bot Kraft - zu dessen Schokoladenmarken neben Milka auch Toblerone, Daim, Marabou und Cote d'Or gehören - in seiner Offerte aus Bargeld und eigenen Aktien 745 Pence pro Cadbury-Aktie, was einem Aufschlag von gut 30 Prozent auf den Cadbury-Schlusskurs vom Freitag entspricht. Börsianer spekulierten nach Bekanntgabe des Angebots, dass Cadbury für mehr Geld verkauft werden wird: Die Cadbury-Papiere schossen in London um gut 40 Prozent auf 803 Pence in die Höhe.

Fusionsphantasie in der Lebensmittelbranche angeregt

Die Kraft-Offerte regte die Fusionsphantasie in der gesamten europäischen Lebensmittelbranche an: Die Aktien des Schweizer Rivalen Nestle verteuerten sich um 1,1 Prozent, Unilever kletterten um 2,6 Prozent und Danone in Paris sogar um vier Prozent. Auch die Anteilsscheine der Schokoladenhersteller Lindt und Barry Callebaut legten zu.

Branchenexperten sagten übereinstimmend, Kraft müsse sein Angebot auf mindestens 800 Pence aufstocken, um zum Zuge zu kommen. „Eine Schlüsselfrage ist, ob es ein Gegenangebot geben wird - am ehesten von einem Konsortium unter Nestle-Führung“, erklärte Graham Jones von Panmure Gordon in London. Nestle wollte nicht verraten, ob ein Gegenangebot in Planung ist. „Wir sind immer offen für gute Gelegenheiten, haben aber 2009 und 2010 keine Pläne für größere Übernahmen“, erklärte Nestle-Chef Paul Bulcke.

Branchenexperten halten es jedoch für möglich, dass sich Nestle mit einer anderen Firma - etwa dem amerikanischen Schokoladenhersteller Hershey - zusammentut, um Cadbury zu kaufen und danach aufzuteilen. Dies wäre wohl nötig, da die Kartellbehörden eine alleinigen Übernahme durch Nestle nicht genehmigen dürften. Beide Unternehmen sind unter anderem stark auf dem Schokoladen-Markt in Großbritannien vertreten.

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