07.09.2007 · Die Branche hatte nur auf das Signal von Aldi gewartet. Der Discounter hob in dieser Woche die Preise für 25 Milchprodukte an. Die anderen wollen nachziehen. Die Teuerung beschränkt sich nicht auf Milch. Die nächste Preiserhöhungsrunde bahnt sich bei Getreide-Produkten an.
Von Georg GiersbergIn der kommenden Woche werden weitere Lebensmittelhändler dem Beispiel von Aldi folgen und ihre Preise für Milchprodukte erhöhen. Wie es heißt, stehen die Rewe und Metro (Real) kurz vor Preiserhöhungen, bei Edeka werde noch überlegt, wann man die Preise anhebe.
Die Branche hat eigentlich nur auf das Signal von Aldi gewartet. Der Discounter hat in dieser Woche die Preise für 25 Milchprodukte angehoben. Was sich bei Milch schon in den vergangenen Wochen abzeichnete, folgt jetzt auch für die Milchprodukte vom Quark bis zum Käse. Gerade bei Milchprodukten setzt der Discounter die Eckpreise für die gesamte Branche. Spüren werden die Preiserhöhungen vor allem jene Verbraucher, die im Niedrigpreisbereich einkaufen. Dort wird der Liter Milch auf 62 Cent steigen oder die Butter von 0,79 auf 1,19 Euro. Wobei Preisexperten darauf hinweisen, dass sich der Preis für 250 Gramm Butter seit mehr als zehn Jahren nicht verändert hat. Er lag Anfang der neunziger Jahre bei 1,99 Mark und bis jetzt bei 0,79 Euro. Im mittleren und oberen Bereich werden die Preissteigerungen geringer ausfallen als im Einstiegsbereich.
Brot, Kuchen, Nudeln, Müsli
Milchprodukte sind aber erst der Anfang der Preiserhöhungen. Das hängt mit dem Auslaufen der Milchkontrakte zur Jahresmitte zusammen. In diesem Jahr haben die Molkereien den Landwirten höhere Milchpreise geboten, weil sie die Milch sehr gut als Milchpulver nach Asien verkaufen können. Der Preis für Milchpulver ist binnen eines Jahres von 1400 auf 4000 Euro je Tonne gestiegen. Diese Entwicklung wird nach Ansicht von Experten auch anhalten, weil zur Zeit der Nachfragesteigerung von 3 Prozent im Jahr nur eine Angebotssteigerung von 1 Prozent gegenübersteht. Verschärft wurde die Situation in diesem Jahr durch die Dürre in Australien und Neuseeland (siehe dazu auch: Warum steigen die Milchpreise?).
Aber nicht nur Milch ist teurer geworden. Die nächste Preiserhöhungsrunde bahnt sich bei allen Lebensmitteln an, die auf Getreide basieren. Das wird von Brot über Kuchen bis zu Nudeln, Müsli und selbst bis zu Tiefkühlpizzen reichen. Darüber werden allerdings erst in den kommenden Wochen die Gespräche geführt. Traditionell werden im Herbst zwischen Handel und Industrie die Verträge für das kommende Jahr geschlossen. Aber alle Hersteller versuchen derzeit, Preiserhöhungen durchzusetzen. Die Forderungen bewegen sich nach Handelsangaben zwischen 10 und 30 Prozent. Neben berechtigten Preisforderungen gebe es auch zahlreiche Trittbrettfahrer, die selbst für Waschmittel höhere Preise forderten. „Preiserhöhungen aufgrund von Energiepreissteigerungen akzeptieren wir aber nicht“, gibt sich ein großer Filialist kampfbereit.
Markenartikel auch betroffen?
Für das laufende Jahr erwartet die Branche keine größeren Preisanhebungen mehr. Die Artikel für das Weihnachtsgeschäft seien langfristig vereinbart worden. Da könne nur die Vogelgrippe noch einen Strich durch die Rechnung machen und die Weihnachtsgans verteuern. Die Vogelgrippe habe schon dazu geführt, dass Putenfleisch relativ teuer sei. Ob und wann die Getreidepreiserhöhungen über die Futtermittel auch auf das Fleisch durchschlagen, sei noch offen, heißt es.
Offen ist zudem, wie weit die Preiserhöhungen auch Markenartikel betreffen. Die großen Lieferanten wie Danone, Nestlé oder Unilever hielten sich mit ihren Preisforderungen bisher noch bedeckt. Diese Unternehmen können sich Zeit lassen, weil sie über eine starke Verhandlungsmacht verfügen. Andererseits verweist der Handel auch auf die hohen Renditen der Industrie, die oft im zweistelligen Bereich liegen, während der Handel nach Steuern noch nicht einmal 2 Prozent vom Umsatz verdient.
Wof führt das hin und welche Aufgabe hat der Staat?
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gut so
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Georg Giersberg Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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