26.02.2008 · Lanxess will in Singapur neue Investoren finden. Gespräche auf höchster politischer Ebene wurden schon geführt. Vorstandschef Axel Heitmann sagte der F.A.Z.: „Ich habe mit dem Premierminister von Singapur über dieses Thema gesprochen.“
Von Christoph HeinDer Chemiekonzern Lanxess AG sucht eine asiatische Staatsholding als Anteilseigner. „Ich habe mit dem Premierminister von Singapur über dieses Thema gesprochen“, sagte Axel Heitmann, der Vorstandsvorsitzende von Lanxess, im Gespräch mit dieser Zeitung. Ministerpräsident Lee Hsien Loong ist stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Staatsholding Government of Singapore Investment Corp (GIC), sein Vater Lee Kuan Yew Verwaltungsratsvorsitzender des Staatsfonds von Singapur, der über ein Portfolio von mehr als 100 Milliarden Dollar verfügt.
Am Dienstagnachmittag folgten weitere Gespräche zwischen Lanxess und dem Management von GIC. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass asiatische Staatsfonds mit hoher Reputation sich bei der Lanxess-Aktie engagieren“, sagte Heitmann. „Entscheidend ist für mich die Qualität des Fonds. Die Größe des individuellen Anteils steht noch nicht im Vordergrund“, sagte der Lanxess-Chef. Auch mit dem Singapurer Industriefonds Temasek Holdings will Heitmann sobald als möglich sprechen. Eine Kapitalerhöhung sei aber keine Option für einen Einstieg. „Wenn einer der beiden Staatsfonds sich bei uns einkauft, muss er sich seine Aktien auf dem freien Markt erwerben“, sagte Heitmann. Nachdem sowohl GIC wie auch Temasek bei ihren Investitionsplänen im Ausland aber immer wieder auf hohe Barrieren gestoßen sind, gehen beide Fonds davon aus, gerade in Deutschland als Investoren nicht willkommen geheißen zu werden.
Ein Imageproblem?
Heitmann indes teilt diese Bedenken, die auch in allen seinen Gesprächen in Singapur aufgekommen seien, nicht. „Ein staatlicher Investor muss nur unsere Regeln der Unternehmensführung (Corporate Governance) akzeptieren. Singapurs GIC und Temasek würden dies tun“, sagte er. Aber brächte eine asiatische Staatsholding als Miteingentümer ein Imageproblem für Lanxess? „Das kann ich beim besten Fall nicht erkennen.“ In den kommenden Wochen wollen sich die Leverkusener um Flankenschutz aus Berlin bemühen und dortige Bedenken abbauen.
Der Zeitpunkt für den Einstieg eines neuen, langfristig engagierten Miteigentümers aus Asien erscheint günstig: Zum einen hat die Lanxess-Aktie zuletzt deutlich an Wert verloren - es gilt deshalb, nicht selbst zum Übernahmekandidaten für die Konkurrenz zu werden. Zum anderen plant Lanxess seine bislang höchste Auslandsinvestition in Singapur, wo man dies mit größter Sympathie verfolgt. So sagte Aw Kah Penk, die stellvertretende Geschäftsführerin der Singapurer Wirtschaftsbehörde, Heitmann sei „der beste Botschafter für den Standort Singapur“.
Chemieindustrie gewinnt für Singapur an Bedeutung
Für den reichen Zwergstaat gewinnt die Chemieindustrie immer weiter an Bedeutung. Die Produktion der Branche hat auf der Tropeninsel ohne eigene Bodenschätze inzwischen mit einem Wert von 82 Milliarden Singapur-Dollar (39,4 Milliarden Euro) denjenigen der traditionell bedeutenden Elektronik schon überholt. Lanxess will nun bis 2011 für etwa 400 Millionen Euro eine Fabrik für die Herstellung von synthetischem Kautschuk für die Reifenindustrie vor allem in China und Indien bauen. Dort liegen die Wachstumsmärkte der Welt. Lanxess erwartet, dass der globale Markt für Butyl-Kautschuk in den nächsten 15 Jahren um durchschnittlich 3 Prozent steigen wird. In China aber dürfte er dank der hohen Nachfrage nach Automobilen um 6 Prozent zulegen, in Indien sogar um 8 Prozent.
Der Standort Singapur, den Lanxess Thailand und Malaysia vorzieht, liegt zwischen diesen beiden Wachstumsmärkten, verfügt über den effizientesten Hafen der Welt und einen hervorragenden Patentschutz. „,Made in Singapore' wird bald den gleichen Qualitätswert verkörpern wie ,Made in Germany'“, sagte Heitmann. Seit der Ausgründung von Lanxess aus dem Chemiegeschäft der Bayer AG 2005 ist der Absatz der Leverkusener in Asien um 45 Prozent gestiegen.
„Wir sind gut in das erste Quartal gestartet“
Lanxess zieht in Singapur auf eine künstliche Insel, auf der die internationalen Größen der Chemieindustrie angesiedelt sind. Ihre Grundstoffe wird die neue Fabrik direkt aus der benachbarten Raffinerie von Shell erhalten. Für die Fertigung allerdings müssen Teile der Fabrik auf 107 Grad unter null gekühlt werden - und dies an einem der heißesten Orte der Welt mit einer Durchschnittstemperatur von 30 Grad. Über eine günstige Zulieferung der benötigten Energie verhandelt Lanxess noch mit dem Staat. Mit einer im ersten Schritt geplanten jährlichen Produktion von 100.000 Tonnen künstlichem Kautschuk wird der Standort Singapur an die Werke im kanadischen Sarnia (150.000 Tonnen) und im belgischen Zwijndrecht (130.000) heranreichen.
Das wachsende Asien-Geschäft soll für Lanxess einen Ausgleich zu Schwächen in anderen Erdteilen bringen. Der niedrige Dollar-Kurs und die drohende Abkühlung in Amerika bereiten Heitmann bislang wenig Sorgen. „Ich habe keinerlei Anzeichen, dass ich meinen Optimismus für 2008 zurücknehmen müsste. Wir sind gut in das erste Quartal gestartet, unsere Auftragsbücher sind sehr gut gefüllt.“ Er gehe davon aus, die angekündigte Erhöhung der Dividende auf bis zu einen Euro auch auf mittlere Sicht halten zu können.
Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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