20.08.2007 · Mehl und Pflanzenöl wird teurer. Davon gehen die deutschen Bauern aus. Hintergrund sind Ernteeinbußen durch den heißen Frühling und den verregneten Sommer. Obst, Gemüse und Wein werden vermutlich billiger.
Von Konrad MrusekDer Deutsche Bauernverband hat die Bürger auf weiter steigende Preise bei Lebensmitteln vorbereitet, weil die diesjährigen Ernteerträge einiger Feldfrüchte geringer ausfallen. Nach Schätzungen des Verbandes wird man dieses Jahr mit 40 Millionen Tonnen knapp 9 Prozent weniger Getreide einbringen als im bereits schwachen Erntejahr 2006. Auch bei Raps ist der Ertrag deutlich kleiner.
„Die teilweise enttäuschende Ernte führt zu einer Aufwärtsentwicklung bei den Preisen von Getreide und Raps und damit auch bei Mehl und Pflanzenöl“, sagte Helmut Born, der Generalsekretär des Bauernverbandes, in Berlin. Bei Kartoffeln, Obst, Gemüse und Wein können die Verbraucher dagegen auf sinkende Preise hoffen, weil die Ernte gut war oder noch zu werden verspricht. Auch für Fleisch fallen die Erzeugerpreise.
Preisschwankungen zu erwarten
Als wichtigsten Grund für die geringere Ernte nannte Born die ungewöhnliche Witterung, also die Mischung aus einem trocken-heißen Frühling und einem verregneten Sommer. „Die Ackerbauern müssen sich wohl darauf einstellen, dass wegen des Klimawandels ein ungewöhnlicher Witterungsverlauf häufiger Produktion und Ernte bestimmt.“ Einbußen hatten vor allem die Bauern im Norden, während die Bayern sogar eine bessere Ernte in die Scheuer fuhren.
Der Bauernverband wehrte sich gegen Vorwürfe, er überfordere die Verbraucher, weil er auch für Milch weitere Preiserhöhungen verlangt. Die Molkereien dürften im zweiten Halbjahr zwischen 33 und 36 Cent je Liter zahlen, was fast 30 Prozent mehr wären als 2006. „ Wenn jetzt Getreide, Ölsaaten und auch Milchprodukte für Schlagzeilen sorgen, dann vor allem deshalb, weil es über Jahre nur Preissenkungen zu vermelden gab“, sagte Born. Die Bürger müssten sich auf ein Auf und Ab der Preise einstellen, weil die EU sich für eine Öffnung zum Weltmarkt entschieden habe. Und im Vergleich zu den europäischen Nachbarn gäben die Deutschen nur 11 Prozent des Einkommens für Nahrungsmittel aus, während es in Italien und Frankreich 14 Prozent seien.
Einbußen in Europa, aber weltweites Plus
Trotz der Ernteeinbußen in Europa rechnet der Bauernverband auf dem Weltmarkt mit insgesamt höheren Erträgen. Eine Ursache dafür ist, dass in Nordamerika die Bauern mehr Getreide einbringen. Gleichwohl dürfte auf dem Weltmarkt der Verbrauch höher sein als die Produktion, so dass der Lagerbestand weiter sinkt. „Grundsätzlich ist also auch weiterhin von einem festen Getreidepreis auszugehen“, sagte Born. Die deutschen Bauern bekommen gegenwärtig etwa 20 Euro für den Doppelzentner, was etwa ein Drittel über dem Wert des Vorjahrs liegt.
Eine Ursache für die höheren Preise ist, dass mit Ausnahme von Roggen die Anbaufläche für andere Getreidesorten in Deutschland vermindert wurde und dafür nun mehr Mais und Raps gepflanzt werden. Entweder werden die Pflanzen zu Bioethanol verarbeitet, oder der Mais geht an Biogasanlagen, deren Strom über höhere Einspeisevergütungen staatlich subventioniert wird. Der Bauernverband will dennoch in Deutschland noch keinen direkten Zusammenhang zwischen höheren Getreidepreisen und steigender Produktion von Bio-Energie sehen. Nur 1,5 Prozent der Ernte seien in den ersten fünf Monaten dieses Jahres zu Bioethanol verarbeitet worden, sagte Born. Und die größere Anbaufläche für Mais habe erst wieder das Niveau von 1997 erreicht.
Einkommen der Bauern steigt
Weil die Preise steigen, werden die Bauern trotz der schlechteren Ernte ihr Einkommen im Erntejahr 2006/07 (das jeweils im Juni endet) erhöhen können. Der Verband rechnet mit einer Steigerung um 5 bis 10 Prozent. Damit dürfte der durchschnittliche Lohn erstmals über 2000 Euro steigen. Bei den Milchbauern, behauptete Born, seien es bisher 1600 Euro brutto gewesen, was er als „Hungerlohn“ bezeichnete. Das rechtfertige weitere Preiserhöhungen.
Preise für Landwirtschaftsprodukte
Franz-Josef Wilwertz (wilwertz)
- 20.08.2007, 21:18 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2480 | −0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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