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Landwirtschaft In Dürrezeiten ist gutes Gerät gefragt

 ·  Die Trockenheit in Amerika setzt den Landwirten zu. Doch viele Höfe sind gegen Ernteausfälle versichert. Und die Farmer verfügen über hohe Rücklagen. Landtechnikkonzerne wie Agco und Deere sorgen sich daher nicht um ihr Geschäft.

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© dapd Erntezeit: in diesem Jahr vielerorts früher als üblich

Die Bilder aus den Dürregebieten des Mittleren Westens in Amerika sind erschreckend. Landwirte stehen verzweifelt vor ihren ausgetrockneten Böden. Doch die Annahme, nun drohe dort ein Hofsterben ungeahnten Ausmaßes, ist genauso falsch wie die Schlussfolgerung, die Dürre könnte auch das Geschäft der Landmaschinenhersteller austrocknen. Ganz im Gegenteil: Traktor- und Ackergerätekonzerne wie Agco Corp. (mit der deutschen Marke Fendt) oder Deere & Company können in diesem Jahr mit Rekorderlösen und -gewinnen rechnen. „Und die Hersteller von Landtechnik werden auch ein gutes Jahr 2013 erleben“, sagt Martin Richenhagen, der Vorstandsvorsitzende von Agco, im Gespräch mit der Zeitung.

Samuel Allen, der Vorstandsvorsitzende des Deere-Konzerns, räumte zur Präsentation der jüngsten Quartalszahlen zwar ein, dass der Ausblick für die kommenden Monate angesichts der Trockenheit in wichtigen Märkten zur Vorsicht mahne. Darüber hinaus könnte die Dürre dem Konzern aber sogar weiterhelfen, weil hochproduktive Maschinen damit noch mehr an Attraktivität für die Bauern gewinnen würden, lautet seine Logik.

Großteil des Ernteausfalls versichert

Tatsächlich sei die Lage der Landwirte in Amerika bei weitem nicht so schlimm, wie sie nun dargestellt werde, erläutert Richenhagen. Zum einen sei ein Großteil des Ernteausfalls versichert, Fachleute sprechen von 85 Prozent der Mais- und Sojaanbauflächen. Zum anderen gehe die Ernte in Amerika insgesamt in diesem Jahr zwar um knapp 20 Prozent zurück, das werde aber die Preise für Nahrungsmittel um mehr als 20 Prozent nach oben treiben. Manche Farmer stünden sogar vor unerwartet hohen Einnahmen, etwa die mittelständischen Heubetriebe.

Weil die Rinderzüchter ihr Futter aufgrund der Dürre vermehrt einkaufen müssen, „sind die Heupreise explodiert“, erläutert der Agco-Chef. „Natürlich wird es böse Einzelschicksale in Amerika und anderswo aufgrund der Trockenheit geben“, ergänzt Bernd Scherer, Geschäftsführer Landtechnik im Maschinenbauverband VDMA. „Aber ein zwanzigprozentiger Ernteausfall ist nicht dramatisch, damit kann die Landwirtschaft umgehen.“

Farmer wollen dieses Jahr früher ernten

Dies gelte insbesondere für die professionell geführten Höfe, heißt es in der Branche. „Dort werden Investitionsentscheidungen nach dem Zyklus der Maschinen getroffen und nicht nach dem Wetter“, sagt Richenhagen. Darüber hinaus bestellen Landwirte ihre neuen Erntegeräte gerne dann, wenn sich die Kassen durch gute Einnahmen in den Vorjahren gefüllt haben. Und genau das ist nicht nur in Deutschland oder Frankreich in den vergangenen Jahren geschehen, sondern nach Angaben von Deere auch in Amerika. In den vergangenen zehn Jahren lag das aufsummierte Nettojahreseinkommen aller Farmer sechs Mal über dem langjährigen Durchschnitt von 80 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr wurde sogar der Rekordwert von knapp 110 Milliarden Dollar erreicht.

Auch in diesem Jahr rechnen die Fachleute trotz der Dürre mit Nettoeinnahmen von rund 92 Milliarden Dollar. Und möglicherweise kommen im amerikanischen Wahlkampf noch einige Millionen Dollar für wirklich bedrohte Farmer dazu. Daher handele es sich zwar um die wahrscheinlich schlimmste Dürre seit 1956, heißt es im Deere-Konzern. „Aber die Farmer sind in das Jahr 2012 mit dem besten Finanzpolster gestartet, das sie je hatten“, sagt Deere-Chefökonom J.B. Penn. Und höhere Erntepreise werden die Nettoeinkommen 2012 und 2013 wohl nach oben treiben, heißt es in der jüngsten Präsentation des Konzerns.

Zwar gab der Deere-Aktienkurs nach Vorlage der jüngsten Quartalszahlen um gut 6 Prozent nach, weil der Branchenprimus seine Prognose kappte: Statt eines Gewinns von 3,35 Milliarden Dollar in 2012 werden jetzt nur noch 3,1 Milliarden Dollar erwartet. An der heimischen Dürre liegt das jedoch nicht. Der Landtechnikkonzern konnte vielmehr einen neuen Mähdrescher nicht rechtzeitig ausliefern. Da viele Farmer nun früher ernten wollen als in anderen Jahren, führte dies unmittelbar zur Stornierung von Bestellungen.

Geschadet hat die Dürre dem Absatz von Deere-Maschinen nur am Schwarzen Meer, wo die Landwirte nicht denselben Versicherungsschutz haben wie in Amerika. Ernteausfälle in einer Region, so schmerzlich sie dort auch sind, werden meist aber von anderen Ländern ausgeglichen. So rechnen die Landtechnikkonzerne zum Beispiel damit, dass neue Anbauflächen in Südamerika oder Kanada entstehen werden. Der Grundtrend, dass die steigende Weltbevölkerung auch eine Ausweitung der Agrarflächen mit sich bringt, gelte weiter. „Und der Umgang mit extremen Klimata wird für den Landwirt immer mehr zu einer Normalität“, resümiert VDMA-Fachmann Scherer.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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