Home
http://www.faz.net/-gqi-vy7m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Landesbanken Helaba wird neuer Wunschpartner der West LB

12.12.2007 ·  Über die Neuausrichtung der angeschlagenen WestLB wird seit Monaten heftig gestritten. Jetzt plädieren die Anteilseigner für einen Zusammenschluss mit der Landesbank Hessen-Thüringen.

Von Manfred Köhler
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Nachdem monatelang von einer Übernahme der angeschlagenen West LB durch die Landesbank Baden-Württemberg die Rede war, ist jetzt mit einem Mal die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) als Partner des Düsseldorfer Kreditinstituts im Gespräch. Die Anteilseigner der West LB - das sind, vereinfacht gesagt, neben dem Land Nordrhein-Westfalen die dortigen Sparkassen - ließen wissen, sie befürworteten „die Aufnahme detaillierter Gespräche für einen Zusammenschluss“ der beiden Häuser.

„Ein solcher Zusammenschluss würde das Geschäftsmodell des kombinierten Instituts stärken und die Standortinteressen der beteiligten Länder angemessen berücksichtigen“, hieß es weiter. Mehr noch: „Darüber hinaus würde ein zukunftsorientiertes Gravitationszentrum mit Sitz in Düsseldorf und Frankfurt am Main die Basis einer weiteren Landesbankenkonsolidierung sein.“

Gesprächsangebot aus Düsseldorf

Von der Helaba hieß es, man sei bereit, in Abstimmung mit den eigenen Trägern das Gesprächsangebot anzunehmen. Auch in der Erklärung des Frankfurter Kreditinstituts wird angedeutet, dass ein Zusammenschluss dieser beiden Häuser die Grundlage zu einer weiteren Konsolidierung der Landesbanken-Landschaft sein könne: Die Gespräche böten die Chance, „im öffentlich-rechtlichen Bankensektor zukunftsfähige Strukturen zu schaffen“.

Die Mehrheit an der Helaba hält der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen, außerdem sind diese beiden Bundesländer selbst an dem Konzern beteiligt. Der Vorstand des Sparkassenverbands hielt fest, er habe das Gesprächsangebot aus Düsseldorf zur Kenntnis genommen und stehe Gesprächen mit anderen Landesbanken und damit auch mit der West LB offen gegenüber.

Helaba wie West LB zählen zu den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten. Sie nehmen den örtlichen Sparkassen bestimmte Aufgaben ab, betreiben aber auch eigenes Geschäft, etwa mit Großkunden, mit denen sich eine Sparkasse verheben würde. Die West LB ist größer als die Helaba, doch ist das Düsseldorfer Institut wegen fehlgeschlagener Aktienspekulationen und durch die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt in beträchtliche Schwierigkeiten geraten. Aus der Helaba ist hingegen mehrfach geäußert worden, die Finanzkrise berühre das Haus kaum.

Viertgrößte Bank in Deutschland könnte entstehen

Die angekündigten Gespräche mit dem Frankfurter Kreditinstitut sind nur ein Teil der umfassenden Veränderungen bei der West LB, auf die sich deren Träger verständigt haben. So heißt es, die Anteilseigner seien bereit, jederzeit eine angemessene Kapitalausstattung zu gewähren. Eine Neuausrichtung könne auch die Beteiligung privater Investoren einschließen. In der Stellungnahme der Helaba heißt es, Grundlage der Gespräche werde sein, dass Ergebnisse der West LB für das Geschäftsjahr 2007 vorlägen und Klarheit über das künftige Geschäftsmodell bestehe.

„Sämtliche Risiken müssen transparent, kalkulierbar und beherrschbar sein. Eine Verbindung muss nachhaltig betriebswirtschaftliche Vorteile für die Beteiligten bringen.“ Neben der Frage, welche Risiken bei der West LB schlummern und wie das Geschäftsmodell eines fusionierten Instituts aussehen soll, wird es in den Verhandlungen auch um die Frage gehen, was an den beiden Standorten aus den Arbeitsplätzen wird. Anders als bei einem Zusammengehen mit der Landesbank Baden-Württemberg wäre die West LB bei einer Fusion mit der Helaba der größere Partner. Das Kalkül könnte lauten, dass sich dadurch mehr Stellen in Düsseldorf sichern lassen.

Käme es zu einem Zusammenschluss beider Kreditinstitute, so wäre dies nach der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Dresdner Bank die viertgrößte in Deutschland. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der selbständigen Landesbanken schon Schritt für Schritt reduziert. So wurde die Landesbank Rheinland-Pfalz von der Landesbank Baden-Württemberg übernommen. Nachdem auch die Sachsen LB an das Stuttgarter Kreditinstitut verkauft wurde, gibt es noch sieben unabhängige Landesbanken in Deutschland. Wiederholt war von einer Annäherung der Landesbanken in Stuttgart, München und Frankfurt die Rede, doch wurde nichts daraus. Allerdings übernahm die Helaba die Frankfurter Sparkasse, womit auch das Privatkundengeschäft zu ihren Tätigkeitsfeldern zählt.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 9 8

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2477 −0,09%
Rohöl Brent Crude 106,34 $ −0,48%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.