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Ledvance : Zwei ehemalige Osram-Werke machen dicht

1300 Stellen werden gestrichen. Bild: dpa

Erst vor wenigen Monaten ist ein chinesischer Investor beim Lampenhersteller Ledvance eingestiegen. Jetzt passiert, was viele befürchtet haben.

          Mit dem Abbau von 1300 Arbeitsplätzen wird der Lampenhersteller Ledvance, der bis März zu Osram gehörte, mehr als jede zweite Stelle in Deutschland streichen. Die Werke in Augsburg und Berlin schließen Ende 2018. Die Standorte Eichstätt und Wipperfürth bleiben zwar erhalten, doch droht dort ein Kahlschlag. Damit fallen auch für diese beiden Standorte die langfristigen Perspektiven düster aus. Etwa 2400 der insgesamt 8800 Ledvance-Mitarbeiter sind hierzulande noch tätig.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Mit diesen Hiobsbotschaften wurden am Montag die Beschäftigten des Unternehmens konfrontiert, das Anfang März von Osram an ein chinesisches Konsortium verkauft worden ist. Wie die F.A.Z. berichtete, steht mit dem Auslaufen der Betriebsvereinbarungen Ende 2018 das Werk in Augsburg mit knapp 700 Mitarbeitern ebenso vor dem Aus wie die Produktion in Berlin mit etwas mehr als 200 Beschäftigten. Der Maschinenbau in Augsburg wird Ende 2019 geschlossen. Weitere 250 von insgesamt 450 Stellen sind bis 2021 in Eichstätt in Gefahr, 50 von 200 Arbeitsplätzen in Wipperfürth. Die Maßnahmen an diesen beiden Standorten dienten dazu, deren Profitabilität sicherzustellen, heißt es in einer Pressemitteilung von Ledvance. In der Zentrale in Garching bei München sind 100 Arbeitsplätze gefährdet.

          Ledvance, die mit einem Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro hohe Verluste schreibt, reagiert auf die Umbrüche im Markt für Lampen und Leuchten. Das Geschäft mit traditionellen Glüh-, Halogen-, Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren wird durch die Leuchtdiodentechnologien (LED) ersetzt. Ledvance ist mit Produkten im Einzelhandel wie Bau- und Supermärkten vertreten. Die Auslastung der Werke erreiche nur 20 bis 40 Prozent; bis 2025 gehe das traditionelle Geschäft um 90 Prozent zurück, hieß es. All das war bekannt, als Osram die defizitäre Lampensparte im Juli 2016 für 500 Millionen Euro an die chinesischen Finanzinvestoren IDG Capital Partners und Yiwu State-Owned Assets sowie das Lichtunternehmen MLS verkauft hat. MLS mit 525 Millionen Euro Umsatz hält in dem Konsortium als Hersteller von LED-Lampen nur eine Minderheitsposition und galt damals eher als Feigenblatt für die Finanzinvestoren.

          Niemand zweifelte zum Zeitpunkt des Verkaufs an den düsteren Aussichten besonders der deutschen Standorte, selbst auf der Arbeitnehmerseite. Inzwischen wird die damalige Aussage des Osram-Vorstandsvorsitzenden Olaf Berlien als Hohn empfunden: „Wir haben den besten Eigentümer für Ledvance gesucht und ihn gefunden.“ Der Verdacht drängt sich auf, dass es die Chinesen auf den Zugang zu westlichen Märkten für die LED-Produkte von MLS abgesehen haben, zumal sie sich immerhin die Markenrechte von Osram wohl über zehn Jahre gesichert haben; die Deutschen sprachen immer nur von „langfristig“. Auch erhalte sie Zugang zu Lizenzen und Patenten.

          Viel zu spät, so der Vorwurf der Gewerkschaften, habe Osram mit Strategien auf den Wandel regiert. Seit 2011 schrumpfte das Produktionsnetz in der Lampensparte von 43 auf 17 Standorte. Das Werk Augsburg beschäftigte in der Spitze einmal 2000 Mitarbeiter.

          Quelle: FAZ.NET

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