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Länger arbeiten Firmen stellen sich auf Rente mit 67 ein

 ·  Die Rente mit 67 kommt, sagt Arbeitsministerin von der Leyen - und verweist auf den Fachkräftemangel. Auch die deutschen Arbeitgeber halten nichts von einer Änderung: Die Tarifvertragsparteien haben die alternde Gesellschaft als Herausforderung erkannt.

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Die deutschen Arbeitgeber halten nichts vom Vorschlag des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, die „Rente mit 67“ auszusetzen. „Die schrittweise Anhebung des Rentenalters ist dringend erforderlich, damit die Rentenversicherung finanzierbar bleibt. Wir brauchen die Rente mit 67 auch, um den Rückgang des Arbeitskräftepotenzials zu begrenzen“, teilte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) am Dienstag in Berlin mit. Statt die Heraufsetzung der Altersgrenzen auf Eis zu legen, sollten Ausnahmen gestrichen werden. Sie belasteten die Beitragszahler und begünstigten Bezieher hoher Renten.

Die Betriebe selbst stellen sich nach Einschätzung des Verbands auf die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer ein: „Die Tarifvertragsparteien haben die alternde Gesellschaft als Herausforderung erkannt und innovative, branchenspezifische Lösungen für den Umgang mit dem demografischen Wandel entwickelt. So bestehen in der Chemischen Industrie, der Stahlindustrie, im Baugewerbe sowie in der Metall- und Elektroindustrie zahlreiche Rahmenregelungen, beispielsweise zur Gestaltung alters- und leistungsgerechter Arbeitsbedingungen oder zur individuellen betrieblichen Altersvorsorge.“

Wenn Erfahrungswissen mit Weiterbildung gekoppelt werde, sei das eine gute Mischung

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat am Dienstag der Behauptung Gabriels widersprochen, die Situation für Ältere auf dem Arbeitsmarkt sei nach wie vor schlecht. Vielmehr habe in den Unternehmen ein Umdenken eingesetzt, was die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer angehe. „Angesichts der großen Zahl gut ausgebildeter Älterer und des zunehmenden Fachkräftemangels muss man kein Prophet sein, um zu sagen: Dieser deutliche Trend wird anhalten“, sagte von der Leyen der „Rheinischen Post“. Wenn Erfahrungswissen mit Weiterbildung gekoppelt werde, sei das eine gute Mischung.

Nach dem von Union und SPD beschlossenen Gesetz zur Rente mit 67 wird der Arbeitsmarkt in diesem Jahr daraufhin untersucht, ob er eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit verkraften kann. Der Bericht wird voraussichtlich zusammen mit dem Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung im November veröffentlicht. Von der Leyen hatte sich schon zuversichtlich gezeigt, dass die Evaluation ein positives Ergebnis haben werde. Dann könnte 2012 die gesetzliche Altersgrenze um einen Monat steigen, Arbeitnehmer des Geburtsjahrgangs 1947 wären als erste „Neurentner“ betroffen.

Die Älteren seien eindeutig die Gewinner am Arbeitsmarkt

Nach dem Gesetz wird das Rentenalter von 2012 an schrittweise von derzeit 65 auf 67 Jahre angehoben, zunächst in Ein-Monats-Schritten, von 2024 an in Zwei-Monats-Schritten. Die neue Altersgrenze wird vollständig für den Geburtsjahrgang 1964 im Jahr 2029 erreicht. Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, kann auch künftig bei vollen Altersbezügen mit 65 Jahren aufhören zu arbeiten. Auch weiter wird es möglich sein, mit 63 Jahren in Rente zu gehen. Dann muss aber ein Abschlag von 14,4 Prozent hingenommen werden; versicherungsmathematisch ergibt sich je Jahr ein Abschlag von 3,6 Prozent.

Um die gesetzliche Rentenversicherung in der alternden Gesellschaft finanzierbar zu halten, ist die Heraufsetzung der Altersgrenzen zwingend, die wie eine Rentenkürzung wirkt. Der Beitragssatz soll dadurch bis 2020 unter 20 Prozent und bis 2030 unter 22 Prozent des Bruttoeinkommens gehalten werden. Kommt die „Rente mit 67“ nicht oder wird sie aufgeschoben, müssten Steuer- oder Beitragszahler einspringen: Entweder der Beitragssatz müsste stark steigen, oder der Bund müsste seinen Zuschuss aus Steuern erhöhen, um die Renten zahlen zu können. Nach Berechnungen der Rentenversicherer wird der Anstieg des Beitragssatzes um etwa 0,5 Prozentpunkte vermindert. Die Beitragszahler sind ohnehin durch Aufwendungen für die private Altersvorsorge zusätzlich belastet.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind die beruflichen Chancen von Älteren derzeit recht gut. Die Älteren seien in den vergangenen 10 Jahren eindeutig die Gewinner am Arbeitsmarkt, hieß es. Dies liege an politischen Korrekturen der Großen Koalition wie der Einschränkung der Frühverrentung und den Hartz-Reformen.

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Jahrgang 1963, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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