28.07.2009 · Die Deutsche Bank hat sich von allen großen deutschen Banken in der Finanzkrise am besten geschlagen. Doch sie ist nicht frei von Schwächen. Das widersprüchliche Bild erklärt, warum der Aktienkurs der Bank trotz eines ansehnlichen Gewinns eingebrochen ist.
Von Gerald BraunbergerDie Deutsche Bank hat sich von allen großen deutschen Banken in dieser Finanzkrise mit weitem Abstand am besten geschlagen. Aber auch wenn die Bank sehr gut „läuft“, so ist sie nicht frei von Schwächen, an deren Überwindung ihre Führung arbeiten muss. Dieses etwas widersprüchliche Bild erklärt, warum der Aktienkurs der Deutschen Bank am Dienstag - nach einer starken Hausse in den Vormonaten - ein Stück weit eingebrochen ist, obgleich die Bank für das zweite Quartal 2009 einen mehr als ansehnlichen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro veröffentlicht hat.
Die Deutsche Bank lebt von ihrer starken Marktposition im internationalen Kapitalmarktgeschäft, dem Investmentbanking, in dem sie zu den führenden Adressen in der Welt zählt und in dem sie gute Aussichten besitzt, ihren Marktanteil zu erhöhen. Doch auch wenn das Investmentbanking entgegen einem populären Vorurteil nicht nur aus spekulativen Geschäften mit Kasinocharakter besteht, unterliegt es starken, unvorhersehbaren Schwankungen. Daher hat der Vorstandsvorsitzende Ackermann in der Vergangenheit die Bedeutung ergänzender, sogenannter „stabiler“ Geschäfte - das Filialgeschäft, die Betreuung vermögender Privatkunden, die Vermögensverwaltung - für das langfristige Wohlergehen der Bank hervorgehoben. Doch gerade diese „stabilen“ Geschäfte laufen derzeit schlecht - der Umstand hat zu den Kursverlusten der Aktie beigetragen.
Es ist ein Gemeinplatz, dass jede Krise Chancen bietet. Im weltumspannenden Bankgewerbe werden gerade die Plätze an der Sonne neu verteilt; es gibt mehrere andere und zum Teil deutlich größere Banken, die mindestens so erfolgreich durch die Krise gekommen sind wie Deutschlands führendes Geldhaus. Die Deutsche Bank muss ihre Kräfte anspannen und vereint an ihrer Zukunft arbeiten, wenn sie im globalen Vergleich nicht an Bedeutung verlieren und irgendwann als Juniorpartner in einer Großfusion aufgehen will.
Hierzu bedarf es einer Führung, die an einem Strang zieht und nicht gegeneinander arbeitet. In jüngerer Zeit hat die Spitze der Deutschen Bank diesen Eindruck der Geschlossenheit nicht erweckt. Vorstand und Aufsichtsrat mögen sich nicht innig verbunden fühlen. Aber die Vernunft sollte allen Beteiligten sagen, dass von Dauerstreit nur die Konkurrenz profitiert.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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