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Kursverluste Den Banken glaubt fast niemand mehr

Banken und Versicherer beteuern, dass sie offen mit den Risiken der Kreditkrise umgehen. Doch die Anleger misstrauen ihnen und verkaufen ihre Aktien.

© AFP Vergrößern Der Kurs der „Hypo Real Estate” ist abermals drastisch eingebrochen

Sieben Monate nach dem Beginn der Finanzkrise erleiden die Aktienmärkte abermals erhebliche Kursverluste. Auf der ganzen Welt sind am Montag vor allem die Aktien von Banken und Versicherern unter Verkaufsdruck geraten. Der Kurs der Allianz sank um bis zu 10 Prozent, nachdem er am Freitag schon um mehr als 5 Prozent nachgegeben hatte. Die Allianz ist Eigentümerin der Dresdner Bank. Die Aktien von Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank verloren am Montag zwischen 7 und 9 Prozent an Wert, die der Hypo Real Estate bis zu 19 Prozent.

Derartig große Kurseinbußen sind bei Werten, die im Deutschen Aktienindex Dax vertreten sind, selten. Beobachter führen die Verluste auf die große Verunsicherung der Anleger zurück. "Solange es keine testierten Abschlüsse für das Jahr 2007 gibt, wird es bei dieser Unsicherheit bleiben", sagte Ralf Dibbern, Versicherungsanalyst bei M.M. Warburg. Anlagestrategen vergleichen die Finanzkrise mit einer Virusinfektion. Dass Banken und Versicherer infiziert seien, sei bekannt. Die mit unerwartet großen Verlusten verbundenen Investitionen in bonitätsschwache Hypotheken und Übernahmekredite haben fast alle Finanzdienstleister getätigt. Die Frage ist nur, wie stark die Belastung der einzelnen Gesellschaft ist und wie die Epidemie für das Finanzsystem und die Volkswirtschaft verlaufen wird.

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Zeifel am Wissen der Banken

Selbst den Optimisten unter den Anlegern ist klargeworden, dass die Finanzkrise die Wirtschaft belasten und in eine Rezession drücken kann. In der vergangenen Woche warnte der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, die Krise sei nicht ausgestanden und werde auf die Gesamtwirtschaft übergreifen. Der "Kollaps" der Marktpreise werde sich fortsetzen. In den vergangenen Tagen hat selbst die Aussicht auf Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Fed um mindestens 0,5 Prozentpunkte und auf ein Konjunkturprogramm der amerikanischen Regierung über rund 150 Milliarden Dollar die Stimmung auf den Märkten nicht mehr beruhigt.

Infografik / Finanzdienstleister Kredite Kreditversicherungen / Das Vertrauen ist weg © F.A.Z. Vergrößern

Dass es nun die Aktienkurse der Banken und Versicherer besonders heftig trifft, hat mit Unwissenheit zu tun. Kein Anleger kann von außen abschätzen, welche der hochkomplizierten Finanzinstrumente bei den Unternehmen noch zu Verlusten führen wird. Noch schlimmer ist der Verdacht, dass es die Banken und Versicherer selbst nicht zu wissen scheinen. In der vergangenen Woche hat der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Abschreibungen von rund 400 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem amerikanischen Hypothekenmarkt zugegeben und so einen Kursverlust der eigenen Aktie um ein Drittel ausgelöst. Furchteinflößend war nicht die Höhe der Abschreibung, sondern dass die Bank vorher derartige Risiken ausgeschlossen hatte.

Krise der Anleiheversicherer

Nun fragen sich viele Anleger, was die Banken und Versicherer - einen ähnlichen Fall gab es auch bei der Swiss Re - noch alles zu beichten haben. Mit der Beichte beginnen nun offenbar auch die chinesischen Banken. Bank of China werde für das vierte Quartal 2007 deutliche Abschreibungen vornehmen müssen, berichtete die "South China Morning Post" am Montag. Die Bankenaufsicht habe die Regierung entsprechend informiert. Betroffen von Abschreibungen könnten auch zwei weitere Banken sein, berichtete das Blatt, allerdings ohne die Quellen zu nennen. Die Abschreibungen könnten den Gewinn der Bank of China für das Gesamtjahr aufzehren oder sogar zu einem Verlust führen.

Ein weiterer belastender Faktor in der allgemeinen Verunsicherung ist die Krise der Anleiheversicherer. Jahrelang war die kleine Branche völlig unbeachtet, weil die Spezialversicherer ihre Garantien nur für amerikanische Kommunalanleihen ausgesprochen haben. Doch in jüngerer Zeit haben die sogenannten Monoliner ihr Geschäft auf strukturierte Finanzprodukte ausgeweitet, aus denen ihnen nun riesige Verluste drohen. Die Bonität des ersten amerikanische Anleihenversicherer ist bereits herabgestuft. Für die Investoren - das sind auch Banken und Versicherer - bedeutet das, dass die einst als vollkommen sicher eingestuften Verbriefungen in ihren Portefeuilles heute wie ein Mühlstein hängen. Die Marktwerte sind stark gefallen, und nun kommt auch noch hinzu, dass die von den Anleihenversicherern gegebenen Garantien wertlos sein könnten. Einige Investmentbanken haben deshalb bereits damit begonnen, ihre Forderungen gegenüber einigen Kreditversicherern abzuschreiben. Zu noch größeren Verwerfungen könnte es kommen, wenn der mehrere tausend Milliarden Dollar umfassende Markt der handelbaren Kreditversicherungen - im Fachjargon Credit Default Swaps genannt - in Bedrängnis kommen sollte. Bisher konnten sich die Sicherungsnehmer darauf verlassen, dass sie eine Zahlung erhalten, wenn ihre versicherte Forderung ausfällt. Sollten nun die Ausfallraten in einem wirtschaftlichen Abschwung rasch steigen, würden ebenso rasch Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Sicherungsgeber aufkommen.

Bisher scheint dieser Markt allerdings noch zu funktionieren. Für Beobachter der Finanzkrise dient er als Indikator für die Risikoscheu der Anleger. In den vergangenen Tagen hat sich dabei gezeigt, wie sehr sich die Lage zugespitzt hat. Die Risikoprämie für die Absicherung einer Forderung über 10 Millionen Euro gegenüber der Allianz hat sich zum Beispiel seit Beginn des Jahres von einer Jahresprämie von rund 50.000 Euro auf 67.000 Euro erhöht. Ebenso viel müssen Investoren zahlen, wenn sie ihre Forderung gegenüber der Deutschen Bank absichern wollen. Für die Gläubiger beider Gesellschaften haben damit die Absicherungskosten ein Rekordhoch erreicht und sind etwa siebenmal so hoch wie vor dem Beginn der Finanzkrise im Sommer vergangenen Jahres.

Quelle: F.A.Z., 22.01.2008, Nr. 18 / Seite 9

 
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