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Kunststücke des Finanzvorstands Bankhaus Porsche

10.03.2008 ·  Womit verdient Porsche eigentlich sein Geld? Nicht mit dem 911er, sondern mit Spekulationsgeschäften. Unter den Finanzakrobaten zählen die Stuttgarter Manager zu den Könnern.

Von Georg Meck
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Zehn Milliarden Euro fehlen noch zur Mehrheit. So viel muss Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nach aktuellem Kurs zahlen, um 20 Prozent der Stammaktien an Volkswagen zu kaufen. Fragen muss er dazu niemand mehr. Nicht die Porsche-Eigentümer, die haben vorigen Montag seine Pläne im Aufsichtsrat abgenickt. Schon gar keine Bank. Die ist er im Zweifel selber.

Andere Autohersteller wie BMW oder Mercedes haben sich eine Banklizenz gesichert, um mit günstigen Krediten den Autoverkauf anzukurbeln. Porsche mag es kühner. Dort werden die Autos zur Nebensache. Das Geld verdient der Konzern im Stil einer Investmentbank. Mit jedem Hedge-Fonds nehmen es die Drei von der Porsche-Bank auf: Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche als Oberhaupt der Eignerfamilie, Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter. Selbstbewusst, wie sie nun mal sind, attestieren sich die Porsche-Manager kurz und knapp Genialität. Wie auch anders ist zu erklären, dass sie Europas größten Autokonzern unter Kontrolle bringen und damit auch noch Geld verdienen?

Der VW-Coup hat mehr Geld eingespielt als gekostet. So erzählen sie in diesen Tagen ihre Heldentaten. Schon wird deshalb spekuliert, Porsche könnte den VW-Anteil auf 75 Prozent erhöhen, um dann einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag durchzusetzen. Eine verlockende Idee, doch selbst für Porsche nicht auf die Schnelle zu stemmen, wie ein Konzernsprecher sagt: "Holger Härter ist zwar ein sehr erfolgreicher Finanzexperte. Aber noch kann auch er kein Geld drucken."

100.000 Sportwagen fallen kaum noch ins Gewicht

Gewiss, auch Porsche-Manager können nicht zaubern. Unter den Finanzakrobaten zählen sie aber zu den Könnern. Die 100.000 pro Jahr produzierten Sportwagen fallen da kaum noch ins Gewicht. Nach der Übernahme von Volkswagen werden 911er und Cayennes in der Statistik untergehen; angesichts von 6 Millionen Fahrzeugen, welche von dem halben Dutzend VW-Marken verkauft werden.

5,8 Milliarden Euro hat Porsche bisher für die Beteiligung an Volkswagen ausgegeben, nach aktuellem Kurs ist das 30,6-Prozent-Paket an VW mehr als das Doppelte wert. Eine anständige Rendite. Noch hübscher wird die Rechnung, wenn dem Kauf der daraus entstandene finanzielle Nutzen entgegengestellt wird: Der Porsche-Gewinn bläht sich auf, da ihm auf dem Papier anteilsgemäß der VW-Profit zugerechnet wird. Ehrliches Bargeld lacht zudem, wenn die Wolfsburger die Dividende an ihren Großaktionär nach Zuffenhausen überweisen - jetzt schon ein dreistelliger Millionenbetrag im Jahr.

Übertroffen wird dieser Ertrag noch von den Kunststücken des Finanzvorstands. Holger Härter jongliert so geschickt mit Put und Call-Optionen, dass er den VW-Coup fast im Alleingang finanziert hat: 850 Millionen Euro hat er mit seinen Spekulationen auf VW-Aktien allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres eingenommen. 3,6 Milliarden Euro Nettoertrag aus dieser Quelle nennt der Geschäftsbericht 2006/2007, und im Vorjahr - direkt nach dem VW-Einstieg - ist von einem "deutlich dreistelligen" Millionengewinn die Rede.

Wozu braucht es dann noch eine andere Bank? Um dort Kredite aufzunehmen und das Geld dann zu höheren Zinsen anzulegen, lautet die bauernschlaue Antwort aus Zuffenhausen. Zehn Milliarden Euro Kredit hatte sich Porsche gesichert für den letzten Schritt zur VW-Mehrheit. Das Geld brauchen sie frühestens im Sommer, wenn die Kartellbehörden dem Deal zugestimmt haben. Oder auch gar nicht, wenn die Geschäfte weiter laufen wie bisher. Trotzdem hat Holger Härter das Darlehen aufgenommen - und das Geld brav aufs Bankkonto gelegt. Der Zins, den er dort erhält, ist nur um Promille höher als die Darlehenszinsen - bei zehn Milliarden summiert sich das. Einen zweistelligen Millionenbetrag nimmt Porsche auf diesem Weg ein. Nicht viel im Vergleich zum gesamten VW-Abenteuer, doch genug, um das Gehalt des Finanzvorstands zu zahlen.

Das Porsche-Imperium

Die Familien Porsche und Piëch steuern ihre Beteiligungen über die Porsche Automobil Holding S.E. Unter deren Einfluss zu rechnen sind der Sportwagenhersteller Porsche (mit etwa acht Milliarden Euro Umsatz) sowie die Volkswagen AG, Europas größter Autohersteller mit 6 Millionen verkauften Fahrzeugen pro Jahr, mehr als 100 Milliarden Euro Umsatz und einem halben Dutzend Marken: VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Lamborghini. Über VW regiert der Clan zudem bei den LKW-Herstellern MAN und Scania mit.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.03.2008, Nr. 10 / Seite 41
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Jahrgang 1967, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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