06.01.2009 · Wechsel an der Spitze des Verlagshauses Gruner + Jahr: Der umstrittene Vorstandschef Bernd Kundrun geht, der bisherige Deutschland-Chef Bernd Buchholz wird sein Nachfolger. Mit dieser Personalie bestätigen die Jahr-Familie und Bertelsmann eigentlich Kundruns Kurs. Sie hielten nur den Steuermann nicht mehr für geeignet.
Von Michael HanfeldDer bisherige Deutschlandchef Bernd Buchholz wird wie erwartet neuer Vorstandsvorsitzender des Verlags Gruner + Jahr, und zwar mit sofortiger Wirkung. Der bisherige Vorstandschef Bernd Kundrun gibt seinen Posten ab. Er habe sein Mandat „wegen unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Strategie von Gruner + Jahr mit sofortiger Wirkung niedergelegt“, teilte der Verlag unverhohlen mit. Zwischen Kundrun und dem Vorstand des Mutterkonzerns Bertelsmann hatte es in den vergangenen Wochen heftige Verstimmungen gegeben.
In Gütersloh hatte man den Eindruck, dass der Gruner + Jahr-Chef mitten in einem schmerzhaften Prozess der Umstrukturierung von Bord gehen wollte. Kundrun war als neuer Vorstandschef der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 im Gespräch. Der Finanzvorstand von Bertelsmann, Thomas Rabe, war für diesen Posten zwar auch angesprochen worden, doch hatte man in Gütersloh offenbar den Eindruck, dass sich Kundrun aktiv absetzen wollte.
Kundrun und der Affront
Gruner + Jahr legt in diesem Frühjahr die Redaktionen seiner Wirtschaftsmagazine „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ mit der „Financial Times Deutschland“ zusammen und entlässt zahlreiche Redakteure. Bei Bertelsmann und der Eigentümerfamilie Jahr fand dieser Kurs zwar grundsätzliche Zustimmung, doch wurde es als Affront verstanden, dass der Verlagschef Kundrun inmitten dieses Prozesses von der Fahne zu gehen schien. Gleichwohl hieß es nun mit der üblichen Floskel, man trenne sich „in gegenseitigem Einvernehmen“ voneinander. Über den Eintritt des neuen Gruner + Jahr-Chefs Buchholz in den Vorstand von Bertelsmann wird später entschieden.
Hartmut Ostrowski, der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Gruner + Jahr und Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, sagte, Bernd Buchholz sei „mit den Herausforderungen des Zeitschriftengeschäfts bestens vertraut“ und deshalb „hervorragend geeignet“, die Position von Gruner + Jahr in Europa weiter auszubauen. Er werde mit „seinem unternehmerischen Mut und seinem ausgeprägten Innovationsverständnis“ neue Impulse setzen.
Mehr als 80 neue Zeitschriften
Der scheidende Gruner + Jahr-Chef Kundrun verabschiedete sich mit der Versicherung, er sei dankbar für 25 „spannende und erfüllte Jahre“, die er in verschiedenen Funktionen bei Bertelsmann verbracht habe. In den acht Jahren seiner Amtszeit wurden bei Gruner + Jahr zwar, wie der Verlag betont, mehr als 80 neue Zeitschriften in über 20 Ländern gegründet, zuletzt aber lief im deutschen Zeitschriftengeschäft nichts mehr rund.
Das Gesellschaftsmagazin „Park Avenue“ wurde eingestellt, die Rettungsaktion für die Wirtschaftsmagazine und die FTD wirkt brachial. Daran beteiligt war in seiner bisherigen Funktion auch der neue Vorstandschef und frühere FDP-Politiker Buchholz. Mit seiner Berufung bestätigen die Jahr-Familie und Bertelsmann gewissermaßen Kundruns Kurs. Sie hielten nur den Steuermann nicht mehr für geeignet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2477 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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