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Kult um die 3 Fragezeichen Lauter große Kinder

35 Millionen verkaufte Tonträger und volle Konzerthallen. Die Jugendkrimi-Reihe „Die 3 Fragezeichen“ ist zumerfolgreichsten Hörspiel der Welt geworden. Vermutlich weniger, weil so viele Kinder begeisterte Fans sind, sondern wegen der vielen erwachsenen Anhänger.

© Unternehmen Vergrößern Sind zum Kult geworden: Die drei Fragezeichen

Den Abend in Münster wird Johannes Hugger so schnell nicht vergessen. „Die wurden gefeiert wie Rockstars“, wundert sich der Musikmanager von Sony Music. Die – das sind drei Mittvierziger mit mehr oder weniger schütterem Haupthaar, die ein rund 30 Jahre altes Kinderhörspiel live auf der Bühne vortragen – vor Tausenden Zuschauern. Doch Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich sind eben nicht irgendwer. Sie sind die Stimmen der „3 Fragezeichen“, der Kindheits-Soundtrack einer ganzen Generation.

Marcus Theurer Folgen:  

Wer heute zwischen Anfang dreißig und Mitte vierzig ist, hat mit Sicherheit als Kind den Europa-Musikkassetten mit den Abenteuern der drei Kinder-Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, alias die 3 Fragezeichen, gelauscht. Viele tun es heute noch. Regelmäßig bringt das zu Sony gehörende Europa-Label neue Folgen mit Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich auf den Markt. Die erfolgreichste Hörspielreihe der Welt, von der in Deutschland bisher 35 Millionen Tonträger verkauft wurden, ist ein Phänomen. Am Samstagabend treten Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich in der Hamburger Color-Line-Arena auf, einer Halle mit Platz für 16.000 Zuschauer.

Bis Mitte November sind sie noch mit der Live-Version des 3-FragezeichenKlassikers „Der seltsame Wecker“ auf Deutschland-Tournee. Am Ende werden gut 100.000 Fans in 18 Städten sie gesehen haben, und die meisten davon sind Erwachsene auf der Suche nach ein bisschen Kindheits-Nostalgie. Es ist die erste große Tour der Hörspiel-Helden.

Eine „starke Marke“

Für Johannes Hugger, der sich für Sony Music um Konzerte und neue Geschäftsfelder kümmert, ist der Kult um die 3 Fragezeichen gutes Geld wert. „Das ist eine starke Marke“, sagt er. Viele Zuschauer kommen im Fragezeichen-T-Shirt, und nach jedem Auftritt lässt Hugger Live-Mitschnitte des Abends auf USB-Stick verkaufen. Eigentlich steckt die Musikbranche in einer schweren Krise. Der deutsche Tonträgermarkt ist in den vergangenen Jahren um 40 Prozent geschrumpft. Doch der Markt der 3 Fragezeichen folgt eigenen Gesetzen.

Das Europa-Label veröffentlicht jedes Jahr sechs neue Folgen, und meist werden davon jeweils zwischen 80 000 und 100 000 Stück verkauft. Das würde locker für einen Platz unter den Top Ten der deutschen Album-Charts reichen, wenn Hörspiele dafür zugelassen wären. Kurios: Auch im iPod-Zeitalter halten die Fans die Musikkassette hoch. Noch immer werden 30 Prozent der Hörspiele in Deutschland auf dem alten Tonträger gekauft, zehnmal so viel wie im gesamten Musikmarkt. Heikedine Körting kann gar nicht genau sagen, wie viele hundert goldene Schallplatten sie in den vergangenen drei Jahrzehnten angehäuft hat. Die 64 Jahre alte Hörspiel-Spezialistin hat auch „TKKG“ und „Fünf Freunde“ aufgenommen. Vor allem aber ist sie die Mutter der 3 Fragezeichen. 1979 hat die Musikproduzentin in ihrem Hamburger Studio das erste Fragezeichen-Hörspiel hergestellt. „Wir wollten es damals mal mit zwei oder drei Folgen probieren“, erinnert sie sich. Es sollte anders kommen: Zurzeit bereitet Körting Nummer 139 aus der Reihe vor.

Die Nachfrage ist ungebrochen

Während die Geburtenrate in Deutschland sinkt, ist die Nachfrage nach dem Hörspiel-Klassiker offenbar ungebrochen. Es wird angenommen, dass der Großteil der Hörer heute keine Kinder mehr, sondern Erwachsene sind. „Unsere Neuveröffentlichungen verkaufen sich besser als vor 20 Jahren“, sagt Körting. Damals sah es nicht gut aus für die drei Detektive. Computerspiele und das Privatfernsehen ließen die Verkaufszahlen bröckeln. Den Fragezeichen drohte die Verbannung aus den Kinderzimmern, und auch die Produzentin stellte sich auf das nahende Ende der Reihe ein.

Dann brach die Nostalgiewelle los. Für Körting begann sie mit einem Anruf. Es war Ende der neunziger Jahre, als sich die Hamburger Hip-Hop-Band „Fettes Brot“ bei ihr meldete: Sie seien große Fragezeichen-Fans. Körting weiß noch, wie sie vorbeikamen: „Die hatten alle ihre Köfferchen mit den Kassetten dabei, das waren Sammler.“ Seither haben viele Prominente, von Dirk Bach bis Nick Heidfeld, als Gastsprecher bei den Fragezeichen mitgemacht und dabei mitgeholfen, der Serie eine neue Popularität bei Erwachsenen zu verschaffen. Der Qualitätsmaßstab ist für Körting aber immer noch derselbe wie bei der ersten Folge: „Ich mache die Augen zu und die Ohren auf, und dann muss in meinem Kopf beim Hören ein Film ablaufen“, sagt die Fragezeichen-Mutter.

Quelle: F.A.Z.

 
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