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Kriselnder Autohersteller Spekulationen über Staatsbeteiligung an Peugeot

Analysten erwarten, dass der Autobauer Peugeot kommende Woche den größten Verlust der Unternehmensgeschichte bekanntgeben wird. Nun gibt es Spekulationen über einen Einstieg des französischen Staats bei dem Unternehmen.

© REUTERS Schwierige Zeiten für Peugeot

Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat durch die Bekanntgabe von Milliarden-Abschreibungen neue Spekulationen über einen möglichen Verlust seiner Unabhängigkeit ausgelöst. Frankreichs Budgetminister Jérôme Cahuzac bezeichnete einen Einstieg des Staates bei dem schwer angeschlagenen Unternehmen am Freitag als „möglich“ und verwies auf den staatlichen Investitionsfonds FSI. Eine Kapitalbeteiligung stehe allerdings nicht auf der Tagesordnung, hieß es aus dem Wirtschafts- und Finanzministerium.

Der PSA-Konzern hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, in der Bilanz für das Jahr 2012 neue Abschreibungen in Höhe von rund 4,1 Milliarden Euro zu verbuchen. Allein die direkten Vermögenswerte der Autosparte sind demnach mit mehr als drei Milliarden Euro betroffen. Als Hintergrund der voll auf das Nettoergebnis anzurechnenden Wertberichtigungen nannte der PSA-Konzern die Absatzkrise auf dem europäischen Markt. Er betonte allerdings, dass die Belastungen keinerlei Einfluss auf die Stabilität und Zahlungsfähigkeit des Unternehmens hätten.

Höchster Verlust der Unternehmensgeschichte erwartet

Das vollständige Jahresergebnis soll am kommenden Mittwoch vorgestellt werden. Analysten erwarten den höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte. Die PSA-Aktien haben bereits in den vergangenen zwölf Monaten knapp 60 Prozent ihres Wertes verloren. Sie werden mittlerweile nicht einmal mehr im französischen Leitindex CAC40 geführt.

Um aus der Verlustzone zu kommen, will PSA nun mehr als 8000 Arbeitsplätze streichen und ein Werk bei Paris komplett schließen. Die Gewerkschaften laufen allerdings Sturm gegen die Sanierungspläne und haben sogar die Justiz eingeschaltet. Wegen eines Verfahrensfehlers von PSA liegt der Stellenabbau nun vorübergehend auf Eis.

Vorwurf schwerer strategischer Fehlentscheidungen

Die Probleme von PSA gelten als hausgemacht. Arbeitnehmervertreter und auch Regierungsexperten werfen dem Konzern schwere strategische Fehlentscheidungen vor. Im Gegensatz zum deutschen Konkurrenten VW investierte er nur zögerlich in Wachstums- und Schwellenländern. Von der aktuellen Krise auf dem europäischen Heimatmarkt wird PSA deswegen besonders schwer getroffen. 2012 brach der Absatz gegenüber dem Vorjahr um 16,5 Prozent auf 2,97 Millionen Fahrzeuge ein. Eine schwarze Null im operativen Geschäft erwartet PSA derzeit erst 2014.

Beim Kostensparen soll auch eine enge Kooperation mit dem amerikanischen Konzern General Motors (GM) helfen. Dessen deutsche Tochter Opel ist wie PSA schwer angeschlagen. Beide Hersteller wollen nun vier neue Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Die ersten Autos sollen bis Ende 2016 auf den Markt kommen.

Um die Zukunft der auf Fahrzeugkredite spezialisierten Finanzsparte sicherzustellen, muss PSA bereits jetzt auf staatliche Garantien in Höhe von bis zu sieben Milliarden Euro setzen. Als Gegenleistung für die Hilfe akzeptiert PSA einen Dividendenstopp und eine unabhängige Überwachung der Sanierungsbemühungen.

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Quelle: DPA-AFX

 
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