http://www.faz.net/-gqe-76eb5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.02.2013, 14:06 Uhr

Kriselnder Autohersteller Spekulationen über Staatsbeteiligung an Peugeot

Analysten erwarten, dass der Autobauer Peugeot kommende Woche den größten Verlust der Unternehmensgeschichte bekanntgeben wird. Nun gibt es Spekulationen über einen Einstieg des französischen Staats bei dem Unternehmen.

© REUTERS Schwierige Zeiten für Peugeot

Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat durch die Bekanntgabe von Milliarden-Abschreibungen neue Spekulationen über einen möglichen Verlust seiner Unabhängigkeit ausgelöst. Frankreichs Budgetminister Jérôme Cahuzac bezeichnete einen Einstieg des Staates bei dem schwer angeschlagenen Unternehmen am Freitag als „möglich“ und verwies auf den staatlichen Investitionsfonds FSI. Eine Kapitalbeteiligung stehe allerdings nicht auf der Tagesordnung, hieß es aus dem Wirtschafts- und Finanzministerium.

Der PSA-Konzern hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, in der Bilanz für das Jahr 2012 neue Abschreibungen in Höhe von rund 4,1 Milliarden Euro zu verbuchen. Allein die direkten Vermögenswerte der Autosparte sind demnach mit mehr als drei Milliarden Euro betroffen. Als Hintergrund der voll auf das Nettoergebnis anzurechnenden Wertberichtigungen nannte der PSA-Konzern die Absatzkrise auf dem europäischen Markt. Er betonte allerdings, dass die Belastungen keinerlei Einfluss auf die Stabilität und Zahlungsfähigkeit des Unternehmens hätten.

Höchster Verlust der Unternehmensgeschichte erwartet

Das vollständige Jahresergebnis soll am kommenden Mittwoch vorgestellt werden. Analysten erwarten den höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte. Die PSA-Aktien haben bereits in den vergangenen zwölf Monaten knapp 60 Prozent ihres Wertes verloren. Sie werden mittlerweile nicht einmal mehr im französischen Leitindex CAC40 geführt.

Um aus der Verlustzone zu kommen, will PSA nun mehr als 8000 Arbeitsplätze streichen und ein Werk bei Paris komplett schließen. Die Gewerkschaften laufen allerdings Sturm gegen die Sanierungspläne und haben sogar die Justiz eingeschaltet. Wegen eines Verfahrensfehlers von PSA liegt der Stellenabbau nun vorübergehend auf Eis.

Vorwurf schwerer strategischer Fehlentscheidungen

Die Probleme von PSA gelten als hausgemacht. Arbeitnehmervertreter und auch Regierungsexperten werfen dem Konzern schwere strategische Fehlentscheidungen vor. Im Gegensatz zum deutschen Konkurrenten VW investierte er nur zögerlich in Wachstums- und Schwellenländern. Von der aktuellen Krise auf dem europäischen Heimatmarkt wird PSA deswegen besonders schwer getroffen. 2012 brach der Absatz gegenüber dem Vorjahr um 16,5 Prozent auf 2,97 Millionen Fahrzeuge ein. Eine schwarze Null im operativen Geschäft erwartet PSA derzeit erst 2014.

Beim Kostensparen soll auch eine enge Kooperation mit dem amerikanischen Konzern General Motors (GM) helfen. Dessen deutsche Tochter Opel ist wie PSA schwer angeschlagen. Beide Hersteller wollen nun vier neue Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Die ersten Autos sollen bis Ende 2016 auf den Markt kommen.

Um die Zukunft der auf Fahrzeugkredite spezialisierten Finanzsparte sicherzustellen, muss PSA bereits jetzt auf staatliche Garantien in Höhe von bis zu sieben Milliarden Euro setzen. Als Gegenleistung für die Hilfe akzeptiert PSA einen Dividendenstopp und eine unabhängige Überwachung der Sanierungsbemühungen.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA-AFX

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Abgasaffäre Bostoner Pensionsfonds reicht Sammelklage gegen VW ein

Die Abgasaffäre nimmt für VW kein Ende: Ein Pensionsfonds in den Vereinigten Staaten eine Sammelklage eingereicht. Der Konzern soll seine Anleihegläubiger getäuscht haben. Mehr

21.06.2016, 07:49 Uhr | Wirtschaft
Marketing Wie Opel die sozialen Medien nutzt

Die Opel-Marketingchefin spricht mit Thorsten Winter über die Frage, inwieweit sich Social Media für Opel rechnet. Mehr

31.05.2016, 14:49 Uhr | Rhein-Main
Strategie 2025 Was wird nun aus Volkswagen?

Wie macht Europas größter Autobauer eigentlich weiter? Volkswagen-Chef Matthias Müller will genau das morgen der Öffentlichkeit erklären. Mehr

15.06.2016, 09:58 Uhr | Wirtschaft
Fußball-EM Deutschland will über die Slowakei ins Viertelfinale

Vor dem Spiel gegen die Slowaken bei der Fußball-Europameisterschaft ist der Einsatz von Jerome Boateng ungewiss. Während die meisten Spieler auf dem grünen Rasen in Evian trainierten, saß Innenverteidiger Jerome Boateng auf einem Fahrrad-Ergometer. Mehr

25.06.2016, 11:42 Uhr | Sport
Weitere Nachrichten Merkel findet Niedrigzinsen nicht so dramatisch

Die Grünen wollen die Steuer-Begünstigungen für Diesel sofort streichen. Gewinnmitnahmen vor dem Brexit-Referendum belasten Tokios Börse. Mehr

22.06.2016, 06:53 Uhr | Wirtschaft

Das Herz der EU

Von Holger Steltzner

Der EU-Binnenmarkt ist in Misskredit geraten, viele verteufeln ihn als neoliberal oder verunglimpfen ihn als Machtmittel deutscher Hegemonie. Dabei ist gerade er der wirtschaftliche Motor, der Wachstum und Wohlstand bescherte. Ein Kommentar. Mehr 46 108

Grafik des Tages Ist der Mindestlohn schlimm?

Seit anderthalb Jahren gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn. Immer noch zweifeln viele Firmen, dass er ihre Erträge schmälern wird - besonders in einer Branche. Mehr 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden