Home
http://www.faz.net/-gqe-720nz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Kriselnde Autobauer GM will Opel-Werk mit Peugeot-Autos auslasten

Opel und Peugeot verhandeln über einen engen Produktionsverbund. Geplant ist eine gemeinsame Mittelklasselimousine, die federführend bei General Motors in Detroit konstruiert wird. Dies und weitere Details zeigen interne Unterlagen. Darin steckt noch mehr Zündstoff.

© REUTERS Vergrößern Blickfang für China: Mit neuen Modellen will PSA seinen Verkauf im Reich der Mitte auf Touren bringen.

Die Pläne für einen Produktionsverbund zwischen Opel und dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën sind schon wesentlich verbindlicher und weiter gediehen, als die beiden Unternehmen öffentlich zugeben. Zumindest auf der Seite des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) werden französische Autos fest zur Auslastung der eigenen Werke eingeplant, obwohl die Verhandlungen noch laufen. GM ist seit März mit 7 Prozent an PSA beteiligt. Die Absatzkrise auf dem europäischen Markt zwingt die beiden Hersteller - denen Milliardenverluste, Stellenabbau und Werksschließungen bevorstehen - schneller und enger zusammenzuarbeiten als zu Beginn beabsichtigt. Über die schon begonnene Kooperation in Einkauf, Entwicklung und Logistik hinaus sollen in wenigen Jahren auch bedeutende Teile der Produktion zusammengelegt werden. Das geht aus einem internen Produktionsanlaufplan des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) hervor, der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

„Sammelsurium aus Spekulationen und Unwahrheiten“

In dem als vertraulich („confidential“) eingestuften Papier mit Stand Ende Juni sind Modellanläufe und Produktionsstandorte für das Europa-Geschäft von GM mit den Marken Opel und Chevrolet detailliert verzeichnet. Die Liste reicht bis zum Jahr 2020. Nicht alle Inhalte dürften in Frankreich auf Gegenliebe stoßen. So wird bei GM geplant, das legendäre Citroën-Modell DS5 - einst als „Göttin“ (Französisch „déesse“) bekannt - schon von 2015 an in einer Version als Mittelklasselimousine in Rüsselsheim vom Band laufen zu lassen. Im Februar 2015 geht es laut Planungspapier mit einer Stufenheckvariante los, im August folgt die Kombiversion. Darüber hinaus soll die Produktion der Mittelklasselimousine Peugeot 508 ab 2016 nach Rüsselsheim verlegt werden.

Mehr zum Thema

Ein Konzernsprecher von Peugeot in Paris räumte grundsätzlich die Erwägung eines Produktionsverbunds ein, verwies aber darauf, dass die Verhandlungen über die Ausgestaltung der Allianz noch bis zum Jahresende dauern könnten. Ein Opel-Sprecher dagegen wies den Inhalt der Planungsunterlage als „Sammelsurium aus Spekulationen und Unwahrheiten“ zurück. Schon vor einigen Wochen hatte jedoch der Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, Armin Schild, der F.A.Z. bestätigt: „Es gibt ein solches Szenario, über das derzeit ernsthaft mit den Franzosen verhandelt wird.“ Schild ist Mitglied im Aufsichtsrat der Adam Opel AG.

Viel Zündstoff

Aus dem Szenario scheint Realität zu werden. Und in den Planungen steckt so viel Zündstoff, dass daraus sogar ein Politikum werden könnte. Schließlich hat schon der bisher geplante Stellenabbau bei Peugeot für einen öffentlichen Aufschrei in Frankreich gesorgt. Selbst Staatspräsident François Hollande mischte sich ein, bezeichnete die harte Sanierung als unakzeptabel und ließ auf die Schnelle ein kleines Hilfsprogramm mit Kaufanreizen für Autos der französischen Hersteller auflegen.

Auf der Seite von General Motors hat Vizechef Stephen Girsky, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender bei Opel, die Führung bei den Verhandlungen mit dem Peugeot-Konzern, an dem GM seit März mit 7 Prozent beteiligt ist. Bei den Franzosen kümmert sich vor allem Strategiechef Jean-Christophe Quemard um die Allianz. Auf beiden Seiten liegen seit Wochen die Nerven blank - wegen der Angst, dass eine zu frühe Veröffentlichung der Pläne die für die Kostensenkung existentiell wichtigen Vorhaben torpedieren könnte.

Jeden Monat 200 Millionen Euro Verlust

In der Tat ist der Produktionsverbund für einen Teil der Beschäftigten an den beiden betroffenen französischen Standorten - der Fabrik im bretonischen Rennes und dem Peugeot-Stammwerk in Sochaux - eine schlechte Nachricht. Der PSA-Konzern ist wegen der Absatzkrise ohnehin schon gezwungen, rund 14.000 der gut 100.000 Arbeitsplätze in Frankreich abzubauen und schließt das Werk Aulnay in der Nähe von Paris. Europas zweitgrößter Autohersteller kämpft mit hohen Verlusten, weil der Absatz schrumpft und die Kunden mit Preisnachlässen angelockt werden müssen. Monat für Monat verbrennen die Franzosen 200 Millionen Euro.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Arbeitgeber Opel Aus der Lehrwerkstatt bis in die Chefetage

Seit 150 Jahren bildet Opel Lehrlinge aus. Einige der Nachwuchskräfte haben es im Betrieb ganz nach oben geschafft. Michael Eiermann zählt zu ihnen. Mehr Von Thorsten Winter, Rüsselsheim

15.05.2015, 14:01 Uhr | Rhein-Main
Legendäres Segelschiff Frankreichs Hermione segelt nach Amerika

235 Jahre, nachdem der französische General Lafayette an Bord der Fregatte Hermione" über den Atlantik gesegelt ist, um die amerikanischen Revolutionstruppen im Kampf gegen die Engländer zu unterstützen, ist ein Nachbau des legendären Schiffes von Frankreich aus in Richtung USA in See gestochen. Das Schiff wurde in jahrelanger Arbeit nach historischem Vorbild zusammengebaut. Mehr

20.04.2015, 07:29 Uhr | Gesellschaft
Automobilindustrie Toyota und Mazda vereinbaren Kooperation

Die japanischen Automobilhersteller haben eine Kooperation beschlossen. Toyota und Mazda wollen künftig Technologie vor allem im Bereich Sicherheit und Umwelt austauschen. Mehr Von Holger Appel

13.05.2015, 16:43 Uhr | Wirtschaft
Fahrbericht Peugeot 308 SW

Für die europäische Kombikultur sorgt Peugeot seit vielen Jahrzehnten. Auch der neue 308 SW leistet dafür mit alten Qualitäten und neuen Tugenden Beiträge. Allerdings nicht nur schöne. Mehr

31.03.2015, 15:32 Uhr | Technik-Motor
Defekte Zündschlösser General Motors droht Rekordstrafe

Wegen des Skandals um defekte Zündschlösser muss der amerikanische Autobauer GM wohl eine Milliarden-Geldbuße an das Justizministerium zahlen. Zu Ende wäre die Sache aber selbst dann nicht. Mehr

23.05.2015, 10:54 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.08.2012, 16:38 Uhr

Schütze sich, wer kann

Von Corinna Budras

Der Staat versagt bei der Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen. Die Polizei ist überfordert, die Aufklärungsstatistik dementsprechend traurig zu lesen – goldene Zeiten für osteuropäische Räuberbanden. Mehr 75 41


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --