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Kriselnde Autobauer GM will Opel-Werk mit Peugeot-Autos auslasten

Opel und Peugeot verhandeln über einen engen Produktionsverbund. Geplant ist eine gemeinsame Mittelklasselimousine, die federführend bei General Motors in Detroit konstruiert wird. Dies und weitere Details zeigen interne Unterlagen. Darin steckt noch mehr Zündstoff.

© REUTERS Blickfang für China: Mit neuen Modellen will PSA seinen Verkauf im Reich der Mitte auf Touren bringen.

Die Pläne für einen Produktionsverbund zwischen Opel und dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën sind schon wesentlich verbindlicher und weiter gediehen, als die beiden Unternehmen öffentlich zugeben. Zumindest auf der Seite des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) werden französische Autos fest zur Auslastung der eigenen Werke eingeplant, obwohl die Verhandlungen noch laufen. GM ist seit März mit 7 Prozent an PSA beteiligt. Die Absatzkrise auf dem europäischen Markt zwingt die beiden Hersteller - denen Milliardenverluste, Stellenabbau und Werksschließungen bevorstehen - schneller und enger zusammenzuarbeiten als zu Beginn beabsichtigt. Über die schon begonnene Kooperation in Einkauf, Entwicklung und Logistik hinaus sollen in wenigen Jahren auch bedeutende Teile der Produktion zusammengelegt werden. Das geht aus einem internen Produktionsanlaufplan des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) hervor, der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

„Sammelsurium aus Spekulationen und Unwahrheiten“

In dem als vertraulich („confidential“) eingestuften Papier mit Stand Ende Juni sind Modellanläufe und Produktionsstandorte für das Europa-Geschäft von GM mit den Marken Opel und Chevrolet detailliert verzeichnet. Die Liste reicht bis zum Jahr 2020. Nicht alle Inhalte dürften in Frankreich auf Gegenliebe stoßen. So wird bei GM geplant, das legendäre Citroën-Modell DS5 - einst als „Göttin“ (Französisch „déesse“) bekannt - schon von 2015 an in einer Version als Mittelklasselimousine in Rüsselsheim vom Band laufen zu lassen. Im Februar 2015 geht es laut Planungspapier mit einer Stufenheckvariante los, im August folgt die Kombiversion. Darüber hinaus soll die Produktion der Mittelklasselimousine Peugeot 508 ab 2016 nach Rüsselsheim verlegt werden.

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Ein Konzernsprecher von Peugeot in Paris räumte grundsätzlich die Erwägung eines Produktionsverbunds ein, verwies aber darauf, dass die Verhandlungen über die Ausgestaltung der Allianz noch bis zum Jahresende dauern könnten. Ein Opel-Sprecher dagegen wies den Inhalt der Planungsunterlage als „Sammelsurium aus Spekulationen und Unwahrheiten“ zurück. Schon vor einigen Wochen hatte jedoch der Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, Armin Schild, der F.A.Z. bestätigt: „Es gibt ein solches Szenario, über das derzeit ernsthaft mit den Franzosen verhandelt wird.“ Schild ist Mitglied im Aufsichtsrat der Adam Opel AG.

Viel Zündstoff

Aus dem Szenario scheint Realität zu werden. Und in den Planungen steckt so viel Zündstoff, dass daraus sogar ein Politikum werden könnte. Schließlich hat schon der bisher geplante Stellenabbau bei Peugeot für einen öffentlichen Aufschrei in Frankreich gesorgt. Selbst Staatspräsident François Hollande mischte sich ein, bezeichnete die harte Sanierung als unakzeptabel und ließ auf die Schnelle ein kleines Hilfsprogramm mit Kaufanreizen für Autos der französischen Hersteller auflegen.

Auf der Seite von General Motors hat Vizechef Stephen Girsky, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender bei Opel, die Führung bei den Verhandlungen mit dem Peugeot-Konzern, an dem GM seit März mit 7 Prozent beteiligt ist. Bei den Franzosen kümmert sich vor allem Strategiechef Jean-Christophe Quemard um die Allianz. Auf beiden Seiten liegen seit Wochen die Nerven blank - wegen der Angst, dass eine zu frühe Veröffentlichung der Pläne die für die Kostensenkung existentiell wichtigen Vorhaben torpedieren könnte.

Jeden Monat 200 Millionen Euro Verlust

In der Tat ist der Produktionsverbund für einen Teil der Beschäftigten an den beiden betroffenen französischen Standorten - der Fabrik im bretonischen Rennes und dem Peugeot-Stammwerk in Sochaux - eine schlechte Nachricht. Der PSA-Konzern ist wegen der Absatzkrise ohnehin schon gezwungen, rund 14.000 der gut 100.000 Arbeitsplätze in Frankreich abzubauen und schließt das Werk Aulnay in der Nähe von Paris. Europas zweitgrößter Autohersteller kämpft mit hohen Verlusten, weil der Absatz schrumpft und die Kunden mit Preisnachlässen angelockt werden müssen. Monat für Monat verbrennen die Franzosen 200 Millionen Euro.

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