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Dramatische Lage Air Berlin : „Heutige Ereignisse pures Gift“

Von Air Berlin bleiben heute viele Flugzeuge am Boden. Bild: dpa

200 Piloten krank gemeldet, 100 Flüge gestrichen: Die Krise von Air Berlin spitzt sich zu. Jetzt ist ein internes Rundschreiben aufgetaucht. Es belegt, wie nervös die Führungsspitze ist.

          Für Air Berlin spitzt sich die wirtschaftliche Lage dramatisch zu. Mitten im Verkaufsprozess muss die insolvente Fluggesellschaft allein an diesem Tag 100 Flüge streichen. Als Grund für die Stornierung werden bis zu 200 Krankmeldungen der Piloten genannt. Vor allem Flugkapitäne hätten heute morgen zeitweise im Minutentakt mitgeteilt, dass sie ihren Dienst im Cockpit nicht antreten, heißt es bei Air Berlin. Im Gegensatz dazu habe es beim Kabinenpersonal keine Ausfälle gegeben.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Vorfälle des heutigen Dienstags führen das ohnehin seit Jahren angeschlagene Unternehmen in eine existenzbedrohende Krise, heißt es in einem internen Rundschreiben an die 8000 Mitarbeiter, das FAZ.NET vorliegt. Der Ausfall der Spitzenkräfte beim fliegenden Personal bedroht nicht nur den Flugbetrieb der verlustreichen Fluggesellschaft, die Mitte August Insolvenz anmelden musste und seitdem händeringend nach Käufern für einzelne Geschäftsteile sucht.

          In dem internen Brandbrief an die Belegschaft bringt der für den Flugbetrieb zuständige Vorstand Oliver Iffert die Brisanz der Lage von Air Berlin auf den Punkt: „Die aktuellen Ereignisse gefährden die Sanierungschancen und die weitere Betriebsfortführung“, heißt es dort mit Verweis auf Hinweis des Generalbevollmächtigten Frank Kebekus und Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Die beiden Insolvenzspezialisten arbeiten seit Wochen mit Hochdruck an der Rettung von Air Berlin. Das bisherige Konzept sieht eine Zerschlagung der Fluggesellschaft und den Verkauf von Geschäftsteilen an Interessenten aus der Luftfahrt vor.

          Weiter schreibt Iffert: „In einem schlechteren Licht kann ein Unternehmen gar nicht dastehen als die airberlin am heutigen Tage.“ Die heutigen Flugausfälle seien “pures Gift“.

          Die zuständige Branchengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) distanzierte sich von den „wilden Streiks“ der Piloten von Air Berlin. Danach seien „Sozialplanverhandlungen über einen geregelten Übergang des Personals der einzige Weg, eine möglichst große Zahl von Arbeitsplätzen zu erhalten“, teilte die Standesorganisation der Flugzeugführer mit. Viele der plötzlich krank gemeldeten Piloten haben angeblich zuvor bei der Ferienfluggesellschaft LTU gearbeitet, die dann vor Jahren von Air Berlin gekauft wurde. 

          Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Interessenten können ihre Angebote bis zum 15. September abgeben. Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline als Ganzes oder Teile davon könnte schon am 21. September fallen.

          Die bisherigen Hiobsbotschaften von Air Berlin hatten entsprechende Folgen für das Verhalten der Kunden. Die Buchungen brachen in jüngster Zeit ein und erhöhten die Verluste im Tagesgeschäft. Zum Wochenauftakt hatte Air Berlin angekündigt, ab dem 25. September sein Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf zu beenden und die Streichung von Flügen in die Vereinigten Staaten vorzuziehen. Grund dafür war, dass ein Leasingunternehmen mehrere A330 Maschinen zurückhaben wollte. Zuvor wurden alle Langstreckenflüge von der Heimatbasis Berlin aus gestrichen.

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