18.12.2008 · Stillstand in Detroit: General Motors und Ford machen vorübergehend dicht, Chrysler schließt sogar alle Werke für einen ganzen Monat. Denn die Amerikaner kaufen auch im Dezember kaum noch Neuwagen. Die Regierung prüft derweil die Möglichkeit von Insolvenzverfahren.
Von Henning PeitsmeierNichts geht mehr in der amerikanischen Autoindustrie. General Motors stoppt den Bau seiner Vorzeigefabrik in Michigan und Chrysler legt vom heutigen Freitag an die Produktion in allen seinen 30 Werken still. Auch Ford macht vorübergehend dicht.
Das kündigten die drei Konzerne in Detroit an. Mit der abermaligen Verschärfung ihrer Sparmaßnahmen wollen die einstigen „Big Three“ der drastisch fallenden Nachfrage vor allem auf dem Heimatmarkt begegnen. Der Produktionsstopp soll einen Anstieg der Lagerbestände verhindern. Den Angaben zufolge verkaufen Chrysler-Händler wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten derzeit bis zu 25 Prozent weniger Autos. Und jüngsten Branchenaussagen zufolge hält der steile Absturz des amerikanischen Automarkts von zuletzt 36 Prozent auch im Dezember unvermindert an. (siehe auch: Kommentar: Her mit den Milliarden)
Kein Auto mehr bis Mitte Januar
Das Chrysler-Management um Robert Nardelli hat sich zum härtesten Einschnitt durchgerungen: Mit Ende der Schicht am heutigen Freitag wird bis zum 19. Januar kein einziges Auto mehr gebaut werden. Vier Werke bleiben sogar über diese Vier-Wochen-Frist hinaus geschlossen.
Bei der Opel-Muttergesellschaft General Motors hat Vorstandschef Rick Wagoner die Pläne für den Bau einer neuen Motorenfabrik in Michigan auf Eis gelegt. Dabei gilt das neue Werk als Herzstück für die von Wagoner angekündigte Neuausrichtung hin zu umweltfreundlicheren Autos, dessen Prestigeprojekt das Elektrofahrzeug Chevrolet Volt ist. Ein GM-Sprecher erklärte, dass der für 2010 geplante Start des Volt nicht gefährdet sei. Im neuen Werk in Michigan sollen Motoren für sparsame Kleinwagen sowie Generatoren zur Stromerzeugung im Volt gebaut werden.
Bereits in der vergangenen Woche hatte GM angekündigt, dass 20 Fabriken in Nordamerika vorübergehend stillgelegt werden. Beim Wettbewerber Ford werden im Januar zehn Produktionsstätten für eine zusätzliche Woche geschlossen. Eine Konzernsprecherin begründete die Verlängerung der Werksferien auf drei Wochen am Mittwoch ebenfalls mit dem schleppenden Autoabsatz.
GM dementiert Fusionsläne mit Chrysler
GM, Ford und Chrysler haben die amerikanische Regierung um Milliardenhilfen gebeten und dafür im Gegenzug die zügige Entwicklung sparsamerer Autos versprochen. Ein Rettungspaket von 14 Milliarden Dollar scheiterte allerdings im Senat am Widerstand der Republikaner. Nach einem Bericht der „New York Times“ will die Regierung noch vor Weihnachten ein Rettungspaket für GM und Chrysler schnüren. Finanzminister Henry Paulson plane für beide Konzerne Notkredite von mehr als 14 Milliarden Dollar aus dem zunächst für die Finanzbranche gedachten Rettungspaket. So sollen die beiden insolvenzgefährdeten Autohersteller zumindest über das erste Quartal 2009 hinweg zahlungsfähig bleiben. Andernfalls droht binnen Wochen die Insolvenz. Fachleute gehen davon aus, dass GM und Chrysler geordnet Gläubigerschutz beantragen werden.
Unterdessen hat GM neue Spekulationen über Fusionsverhandlungen mit Chrysler zurückgewiesen. Es gebe eindeutig keine Gespräche über einen Zusammenschluss, sagte ein GM-Sprecher. Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, die beiden angeschlagenen Hersteller hätten ihre vor einigen Wochen abgebrochenen Fusionsgespräche wieder aufgenommen. Zum Neuanlauf soll es auf Initiative von Chrysler-Eigentümer Cerberus gekommen sein, hieß es.
Regierung prüft Insolvenzverfahren
Das Weiße Haus machte am Donnerstag deutlich, dass es auch die Möglichkeit von Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz prüft. „Dies wäre eine der Optionen“, sagte die Sprecherin des WeißenHauses, Dana Perino, in Washington. Auf keinen Fall wolle Präsident George W. Bush einen „ungeordneten Zusammenbruch“ in der Autoindustrie zulassen. Perino kündigte an, eine Entscheidung über das weitere Vorgehen stehe in Kürze bevor.
Ein Insolvenzverfahren nach amerikanischem Recht (Chapter 11) bietet notleidenden Unternehmen grundsätzlich die Chance zur Sanierung. Auf diese Weise warfen etwa fast alle großen Fluggesellschaften in der Vergangenheit viel Ballast ab. Allerdings lehnen die Autokonzerne einen solchen Weg strikt ab, weil sie fürchten, während eines Insolvenzverfahrens noch weniger Autos verkaufen zu können.
Der Sportwagenhersteller Porsche ist voll von der Flaute auf den Automärkten erfasst worden. Wie die Porsche Automobil Holding SE am Donnerstag mitteilte, wurden in den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2008/09 (31. Juli) lediglich noch 25 016 Sportwagen verkauft und damit 19 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz schrumpfte von August bis Ende November um 10 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis habe entsprechend unter dem des Vorjahreszeitraumes gelegen, hieß es. Eine genaue Vorhersage für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres machte Porsche jedoch nicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2477 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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