13.02.2007 · Durch die Verzögerung beim Großraumflugzeug A380 sind auch viele Zulieferunternehmen der Luftfahrtindustrie in Nöte geraten. Laut Branchenverband fehlen etwa 40 Millionen Euro. Die Bundesregierung will den Betrieben unter die Arme greifen.
Die Bundesregierung ist bereit, Zulieferunternehmen der Luftfahrtindustrie finanziell zu unterstützen, die durch Verzögerungen der Auslieferung des Großraumflugzeugs Airbus A380 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Diese Bereitschaft hat das Bundeswirtschaftsministerium in Gesprächen mit dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) zu erkennen gegeben, wie am Dienstag in Berlin zu hören war. Allerdings könne es keine pauschalen Hilfen geben, hieß es im Ministerium. Aus haushalts- und beihilferechtlichen Gründen sei eine Einzelfallprüfung notwendig.
Schon jetzt gebe es Hilfen des Bundes und der Länder in Form von Bürgschaften oder Liquiditätskrediten, etwa über die KfW-Bank. Neben einer Abfederung finanzieller Engpässe wegen der Verzögerung des A380-Programms will sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) um eine Verstetigung der Forschungszuschüsse bemühen. Im Gespräch sind auch verzinsliche Darlehen für Zulieferer und Ausrüster, die mit eigenem Risiko an der Entwicklung des neuen Modells A350 XWB beteiligt sind.
Finanzbedarf bei rund 40 Millionen Euro
Der Branchenverband beziffert den Finanzbedarf der Unternehmen zur Überbrückung der Engpässe auf rund 40 Millionen Euro. Er hatte kürzlich in einer Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen ermittelt, dass viele Zulieferbetriebe durch die Verzögerung des Airbus A380 sehr unter Druck geraten sind. Einige sehen sich sogar in ihrer Existenz gefährdet, sollte es nicht rasch Hilfe geben. Sie scheuen aber, mit ihren Sorgen an die Öffentlichkeit zu gehen, um nicht noch Aufträge zu verlieren. Für viele dieser Betriebe ist Airbus der einzige oder zumindest der hauptsächliche Auftraggeber.
Der ehemalige Luftfahrt-Koordinator der Bundesregierung, der SPD-Abgeordnete Ditmar Staffelt, warnt den Bund davor, die Verantwortung für die Finanzhilfen auf die Bundesländer abzuwälzen. Wirtschaftsminister Glos müsse alle Beteiligten an einen Tisch bringen; dazu zählten auch die Länder Hamburg, Bremen und Niedersachsen, in denen ein Großteil der Zulieferer angesiedelt sei. Die Regierung in Frankreich habe den französischen Zulieferern, oft Tochtergesellschaften der großen Konzerne, schon Finanzhilfen von 140 Millionen Euro zugesagt. „Wenn uns die Zulieferer in Deutschland wegbrechen, ist das schlecht für den Standort“, sagte Staffelt der F.A. Z.. „Dann fehlen Kapazitäten für Entwicklungen in der Zukunft.“ Als Unterstützung kommen nach Staffelts Ansicht sowohl zinsgünstige Überbrückungskredite als auch Mittel aus dem Luftfahrt-Forschungsprogramm in Frage.
Glos fordert gleichgewichtige Verteilung
Glos pocht derweil auf eine auch in Zukunft gleichgewichtige Verteilung der Airbus-Aufträge auf deutsche und französische Zulieferer. Die Folgen des von Airbus in Aussicht gestellten Sanierungsprogramms „Power 8“, das nächste Woche fertig werden soll, könnte auch für die deutschen Ausrüster gravierende Folgen haben. Airbus erwägt, künftig eher große als mittelständische Lieferanten zu beauftragen. Diese sollen dann technische Verantwortung für ganze Komponenten – statt wie bisher für einzelne Teile – übernehmen und Investitionen mitfinanzieren. Der Präsident des BDLI ist Thomas Enders, der zugleich Ko-Vorstandsvorsitzender von EADS ist. Er hatte schon im vergangenen Jahr die kleineren Ausrüster aufgefordert, sich besser auf die neuen Bedingungen einzustellen.
Der Geschäftsführer des Verbandes, Dietmar Schrick, sagte der F.A.Z., die Zulieferer befänden sich „nicht nur in einer Liquiditäts-, sondern in einer Strukturkrise“. Die zersplitterte, mittelständisch geprägte Branche steht vor einer Konsolidierung, Kooperationen und Fusionen seien unausweichlich. Die „Clusterbildung“ gilt dabei als ein zentrales Mittel der Umstrukturierung. In Deutschland sind bislang Versuche, größere Einheiten von Unternehmen oder auch nur eine einheitliche Vermarktung zu organisieren, gescheitert.
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