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Krematorien Am Ende bleiben Rauch, Asche und Zahngold

 ·  Krisenfeste Branche: Alljährlich sterben in Deutschland rund 850.000 Menschen. Immer mehr wählen die Feuerbestattung. Dennoch sind die Krematorien nicht ausgelastet.

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© dpa Vergrößern Feuerbestattung

Die Bestattungsbranche, so weit die gute Nachricht, ist weitgehend krisenfest. Alljährlich sterben in Deutschland rund 850.000 Menschen, die Kundschaft geht also nie aus. Zugleich steigt die Zahl derer, die in einer Urne unter die Erde kommen möchten. Obwohl es keine offizielle Statistik gibt, sind sich die Branchenverbände ziemlich sicher, dass der Anteil der Feuerbestattungen im vergangenen Jahr erstmals größer gewesen ist als der von konventionellen Gräbern. Das erfreut alle, die Verbrennungsstätten betreiben. Weil aber die Tendenz in den vergangenen Jahrzehnten abzusehen war, ist fleißig zugebaut worden. In der Folge ringen die Krematorien nun um Aufträge. Der Service steigt, die Preise bröckeln.

Früher sei die Verbrennung der Verstorbenen eher ein technischer Ablauf gewesen, sagt Rolf Lichtner, der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Bestatter, der auch die Krematorien betreut. Im Schichtbetrieb ohne Beteiligung der Angehörigen wurde der Auftragsbestand abgearbeitet. Heute ist sie Bestandteil der Beisetzung, die Krematorien bietet Trauerhallen und zum Teil auch eigene Friedhöfe an. Etwa 450.000 Feuerbestattungen gab es 2011, zehn Jahre zuvor waren es erst 300.000 gewesen.

Arbeit ohne Verluste

Aber die 148 deutschen Krematorien hätten Platz für beinahe sämtliche Verstorbenen. Dennoch, meint Lichtner, arbeiteten die Einrichtungen regelmäßig ohne Verluste. Wenn in Einzelfällen Krematorien schließen müssten, liege das am Investitionsbedarf; die Runderneuerung alter Anlagen lohne dann nicht. Es gebe allerdings eine Tendenz von den großen Anlagen (bis zu 20.000 Einäscherungen im Jahr) hin zu den kleinen (1500 bis 3000).

Die Verbraucherinitiative Aeternitas sieht das ganz anders. Der Konkurrenzdruck führe dazu, dass einige Krematorien, vor allem kommunale, ihren Betrieb eingestellt hätten, sagt deren Vorsitzender Herrmann Weber und wartet mit einer Reihe von Beispielen auf, darunter die hessische Gemeinde Gießen. Grund sei in solchen Fällen eine längere Strecke mit Verlusten. Öfen würden geschlossen. Im vergangenen Jahrzehnt seien rund ein Drittel der Betriebe neu entstanden. Die privaten Krematorien hätten keine so hohen Investitionskosten, unter anderem, weil sie keine Rücksicht auf historische Altbauten nehmen müssten. Private Anbieter gibt es seit Mitte der neunziger Jahre, es sind zumeist die jüngeren Einrichtungen. Zwei Drittel gehören den Gemeinden. Da alle auf die Dienstleistung Umsatzsteuer erheben müssen und sich die privaten an den öffentlichen Anbietern orientieren, sind die Preise vergleichbar.

Jedenfalls wären sie es, wenn jemand einen Überblick hätte, wie viel die Verbrennung wirklich kostet. Tatsächlich führt der Weg ins Krematorium nur über den örtlichen Bestatter, von dem die Hinterbliebenen hoffen müssen, dass er ihnen die für sie günstigste Lösung einschließlich Sarg, Kleidung und manchmal auch Transport anbietet. In der Branche wird gemunkelt, dass er außerdem auch noch eine Provision vom Betreiber der Verbrennungsstätte einstreicht.

Günstiger als ein Reihengrab

Aeternitas ärgert die wenig transparente Branche gern mit Markterhebungen und hat jetzt eine Befragung unter 93 städtischen Krematorien ausgewertet. Demnach ergibt sich ein Durchschnittspreis von 311 Euro mit einer Spannbreite von 200 bis 450 Euro und einer Handvoll Ausreißer nach unten (in Ostdeutschland) und nach oben (im Süden). Der Gesamtumsatz wird auf 140 Millionen Euro geschätzt. Infolge des Wettbewerbsdrucks seien Preissenkungen zu erwarten, sagt Weber. Die Urnenbestattung, die ohnedies wegen des geringeren Platzverbrauchs oft günstiger ist als ein Reihengrab, wird damit noch attraktiver.

Bei der steigenden Zahl der Feuerbestattungen trifft es sich gut, dass die Umwelttechnik große Fortschritte gemacht hat. Sämtliche Krematorien lägen mit ihren Emissionen bei einem Fünftel der zulässigen Werte, sagt Lichtner. Schadstoffe wie Dioxine und Furane können von den mitverbrannten Materialien kommen, zum Beispiel vom Lack des Sarges, Medikamentenrückständen, Herzschrittmachern und anderen Implantaten. Das meiste sollte allerdings durch die Verbrennungstemperatur von mindestens 850 Grad unschädlich gemacht sein. Quecksilber aus Zahnfüllungen wird ebenfalls herausgefiltert. Die Asche wird anschließend fein gemahlen.

Verklumptes Zahngold

Die Verbrennungstemperatur ist freilich nicht hoch genug, um Metalle zu schmelzen, wie sie in der Orthopädie verwendet werden, etwa Nägel aus Titan. Sie werden vor dem Mahlen aussortiert. Der Ofen erreicht indessen etwa den Schmelzpunkt von Goldlegierungen, so dass Zahngold verklumpt zurückbleibt. Da die echten Zähne vor der Kremation nicht entfernt werden, kommt so einiges an Rohstoffwerten zusammen. Darüber hat der Bestatterverband im vergangenen Jahr eine Studie anfertigen lassen, deren Ergebnis selbst die Auftraggeber überraschte. Demnach finden sich in der Asche neben Gold (durchschnittlich 2,5 Gramm Feingold) auch Reste von Silber (0,8 Gramm), Palladium und Platin. Der Wert der Edelmetalle liegt damit bei mehr als 80 Euro je Verbrennung. Insgesamt kommt so in den Krematorien ein Betrag von etwa 35 Millionen Euro im Jahr zusammen, der nirgends ausgewiesen wird.

Kein Wunder, dass eine rege Diskussion darüber entstanden ist, wem der Erlös aus den Edelmetallen zukommt. In den nach Landesrecht etwas unterschiedlichen Bestattungsgesetzen ist das nicht geregelt. Lichtner verweist auf die Richtlinie seines Verbands. Die Auftraggeber der Kremation müssten unterschreiben, dass die Einnahmen aus dem Verkauf der Wertstoffe gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden. Vertreter der Kommunen beziffern den Wert je Verbrennung auf rund 30 Euro, sagt Aeternitas. Dass alles dem guten Zweck zugutekommt, muss man schließlich einfach glauben.

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