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Kreditwürdigkeit Schufa gibt auch über Unternehmen Auskunft

13.07.2010 ·  Bisher hat die Schufa nur Auskünfte über Privatpersonen erteilt. Künftig wird eine neue Datenbank auch die Bonität von Unternehmen prüfen. Das sagte der Leiter der Geschäftsentwicklung Tilo Walter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Von Georg Giersberg
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Schufa-Auskünfte gibt es künftig auch für Unternehmen. Das Kreditbüro Schufa Holding AG in Wiesbaden steigt damit in ein neues Geschäftsfeld ein. Die Schufa hat sich bisher darauf beschränkt, einem Kreditgeber (Bank, Autohaus, Einzelhändler) Auskunft über die Bonität des Kreditnehmers zu gewähren. Das geht in der Regel über eine elektronische Anfrage so schnell, dass der Kunde es kaum merkt und seinen Kredit sofort bekommt.

Dieses Modell hat die Schufa auf Gewerbetreibende und juristische Personen übertragen. Das soll zwar ein Instrument gegen die Kreditklemme sein, ist aber kein Kind der Finanzkrise. „Wir arbeiten am Aufbau der entsprechenden Datenbanken seit dem Jahr 2004“, versichert Tilo Walter, Leiter Business Development der Schufa Business Line. Dabei konnte die Schufa zunächst auf ihren bisherigen Daten aufbauen.

Die meisten deutschen Unternehmen sind Kleinunternehmen, „deren Bonität inhaberbestimmt ist“. Die Bonität der Inhaberperson bestimmt hier also zu einem großen Teil auch die Bonität des Unternehmens. Über die Nachfrage nach dem neuen Produkt macht sich Walter keine Sorgen. Für Banken seien nämlich gerade diese Kunden besonders schwierig. „Ein angestellter Apotheker kann über drei Gehaltsauszüge seine Bonität nachweisen und bekommt 40 000 Euro als Kredit“, sagt Walter. „Macht dieser Mann sich mit einer eigenen Apotheke selbständig, muss er das Geschäftsmodell erklären, Bilanzen für die letzten drei Jahre vorlegen sowie das Wettbewerbsumfeld und seine Zukunftsaussichten beschreiben.“ Da Kleinbetriebe kaum Zahlen veröffentlichen, kann auch der Kreditgeber nicht auf öffentlich zugängliche Daten zurückgreifen. „Hier versuchen dann Auskunfteien, Licht in das Dunkel zu bringen“, sagt Walter. Künftig soll die Bonitätseinstufung der Schufa hier eine erste Einschätzung des Kreditnehmers ermöglichen. Weitere Informationen der Bank kommen dazu wie Beurteilung des regionalen Umfeldes und der Geschäftsbeziehung.

2,8 Millionen Bilanzen stehen in ihren Datenbanken

Gerade Neukunden mussten sich aber eine längere Recherche durch Auskunfteien gefallen lassen. Diese will die Schufa vor allem preislich unterbieten. Die sogenannte Kompaktauskunft (maximal 1,5 Seiten) über die Bonität eines Kleinunternehmens koste 9,50 Euro. Nach Walters Worten hat man sich bei der Preisfestsetzung davon leiten lassen, unter dem Gegenwert von 10 Minuten Arbeitszeit eines Bankmitarbeiters zu bleiben.

Die Schufa habe derzeit 2,8 Millionen Bilanzen in ihren Datenbanken verfügbar, die ständig aktualisiert werden. Nachfragen kann jeder, der ein berechtigtes Interesse hat. Wobei das berechtigte Interesse bei Unternehmen, soweit es sich um juristische Personen wie GmbHs und Aktiengesellschaften handelt, sehr viel weiter reicht als bei Privatpersonen, die durch das Datenschutzgesetz geschützt sind. Berechtigtes Interesse haben daher nicht nur Kreditgeber, Lieferanten oder Kunden, sondern auch Mitarbeiter oder potentielle Mitarbeiter, die wissen möchten, ob ihr künftiger Arbeitgeber wohl auch das Gehalt zahlen kann.

Fast alle Konsumentenkredite werden in Deutschland zurückgezahlt

Gerade für den letzten Fall, dass Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber überprüfen wollen, soll ein eigenes Produkt angeboten werden. Ebenso für die Auskunft über Baufirmen. Allerdings zeigen sich hier auch die Grenzen. „Wir können natürlich nur etwas über das bisherige Zahlungsverhalten eines Bauunternehmens sagen“, gibt Walter zu. Ob dieses Unternehmen gut baut, geht aus den Schufa-Zahlen ebenso wenig hervor wie über die Überlebenschance des Unternehmens. Allerdings kann die Schufa ihre Erfahrungswerte dagegenhalten: Wessen Bonität von der Schufa mit ausgezeichnet, sehr gut oder gut eingestuft wird, ist in der Vergangenheit auch in den nächsten zwölf Monaten zu mehr als 99 Prozent seinen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen. Und dass in Deutschland 97 Prozent aller Konsumentenkredite zurückgezahlt werden, rechnet die Schufa nicht zuletzt ihrer Tätigkeit zu.

Das Dienstleistungsunternehmen Schufa – Eigentümer sind vor allem Banken – hat im vergangenen Jahr 98 Millionen Euro umgesetzt und ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von gut 7 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Unternehmen beschäftigt an 15 Standorten 800 Mitarbeiter und hat 462 Millionen Informationen über 66 Millionen volljährige Personen gespeichert.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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