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Kreditwirtschaft Der Streit um die Bilanzvorschrift IAS 39 spitzt sich zu

Der Branchenverband Féderation Bancaire Européenne (FBE) hat sich am Freitag gegen die Verabschiedung der geplanten neuen Bilanzierungsregel IAS 39 ausgesprochen.

Der Branchenverband Féderation Bancaire Européenne (FBE) hat sich am Freitag gegen die Verabschiedung der geplanten neuen Bilanzierungsregel IAS 39 ausgesprochen. Sollten sich die EU-Regierungen und die EU-Kommission die Bedenken des Bankenverbands zu eigen machen, könnte sich die Einführung der neuen Bilanzierungsvorschriften International Accounting Standards (IAS), die in Zukunft International Financial Reporting Standards (IFRS) heißen werden, verzögern. Ursprünglich hatte die EU-Kommission angestrebt, daß die rund 7000 börsennotierten Unternehmen in der EU von 2005 an nach den neuen IAS-/IFRS-Regeln bilanzieren sollen. Deshalb drängt die Zeit. Bis auf den Standard IAS 39 gelten alle anderen wichtigen Fragen als geklärt.

Zahlreiche europäische Banken kritisieren den Standard IAS 39, der die Bilanzierung von Absicherungsgeschäften betrifft und damit für das Bankgeschäft von zentraler Bedeutung ist, als "nicht sachgerecht" und "irreführend". Am heutigen Montag werden die EU-Regierungen im EU-Rechnungslegungsausschuß ARC über das weitere Vorgehen beraten. Verschiedenen Quellen zufolge dürfte in diesem Ausschuß eine knappe Mehrheit die Billigung von IAS 39 durch die EU-Kommission befürworten. Viele Banken, allen voran die französischen, wollen dies verhindern und üben deshalb entsprechenden Druck auf ihre Regierungen aus.

Die Banken lehnen einzelne Passagen des geplanten Standards IAS 39 ab, da er manche gängigen Geschäfte zur Absicherung von Zinsrisiken bilanziell nicht anerkennt. Als Konsequenz könnten die Banken in Zukunft gezwungen sein, stark schwankende Erträge auszuweisen, obwohl sie durch die Absicherungsgeschäfte eigentlich ertragsstabil seien, wird kritisiert. Das eigentliche Ziel der Bilanzierung, nämlich ein faires und wahrhaftiges Bild der finanziellen Lage eines Unternehmens zu zeichnen, werde durch diese Vorschriften ins Gegenteil verkehrt. Demgegenüber sträubt sich der Standardsetzer International Accounting Standard Board (IASB) gegen "unsystematische Ausnahmen". Zudem strebt der IASB an, die neuen Regeln nahe an den derzeit gültigen amerikanischen Bilanzierungsvorschriften US-GAAP zu halten, um einer Akzeptanz der eigenen Regeln in Amerika und damit einer echten Internationalisierung der IAS-/IFRS-Standards den Boden zu bereiten.

In der vergangenen Woche ist Bewegung in die Gespräche gekommen. Erstens hat der Basler Ausschuß für Bankenaufsicht empfohlen, bilanzielle Bewertungsgewinne und -verluste aus Absicherungsgeschäften bei der Berechnung des aufsichtsrechtlich erforderlichen Eigenkapitals auszuklammern. Der Basler Ausschuß hat damit eine der Sorgen der Banken zumindest teilweise ausgeräumt. Zweitens hat der Standardsetzer IASB nach Gesprächen mit Branchenvertretern eingelenkt und eine Überarbeitung und mögliche Erweiterung des Standards IAS 39 vorgeschlagen. Der IASB prüft demnach nun einen Vorschlag, den Effekt von Absicherungsgeschäften auf das Eigenkapital einer Bank gesondert auszuweisen und damit bilanziell zu isolieren. Ferner will der IASB einen Vorschlag der FBE überprüfen, ein sogenanntes Zinsmargen-Hedging zuzulassen.

Mit diesen entgegenkommenden Absichtserklärungen will der IASB erreichen, daß EU-Regierungen und EU-Kommission den Standard IAS 39 rasch billigen, womöglich schon an diesem Montag. Demgegenüber appelliert die FBE an den zuständigen EU-Kommissar Frits Bolkestein, die Regeln nicht zu billigen, bevor die offenen Fragen bei IAS 39 nicht geklärt sind. Die Prüfung und Umsetzung der FBE-Vorschläge würden den Zeitplan für die allgemeine Einführung der Regeln nicht wesentlich beeinträchtigen, heißt es. Dem hält der IASB entgegen, daß die FBE-Vorschläge nicht bis Ende des Jahres umgesetzt werden könnten. (bf.)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2004, Nr. 135 / Seite 17

 
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