14.12.2007 · Mit speziellen Zweckgesellschaften haben zahlreiche Banken in den vergangenen Jahren hohe Erträge erwirtschaftet, ohne die Risiken transparent zu machen. Jetzt will die amerikanische Großbank Citigroup doch sieben angeschlagene Gesellschaften in die eigenen Bücher nehmen - es geht um 49 Milliarden Dollar.
Nur zwei Tage nach ihrem Führungswechsel versucht die Citigroup Transparenz in ihrer Bilanz zu schaffen. Die größte amerikanische Bank nahm Zweckgesellschaften im Volumen von 49 Milliarden Dollar auf die eigenen Bücher, um einen unkontrollierten Verkauf von Vermögenswerten zu verhindern. Wegen der Finanzkrise kämpft die Bank seit Monaten mit Abschreibungen in Milliardenhöhe. Die Maßnahme wird nach Einschätzung von Analysten die Kapitalbasis des Geldhauses weiter schwächen. Darüber hinaus kündigte das Kreditinstitut einen weiteren Wechsel in der Führungsebene an.
Am Mittwoch hatte die Bank Vikram Pandit zum neuen Chef ernannt. Die Eingliederung der Zweckgesellschaften habe keine Auswirkungen auf den mit anderen Finanzinstituten geplanten Kreditkrisenfonds zur Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte, teilte die Citigroup am Donnerstag mit. Das Institut folgt mit dem Schritt der größten europäischen Bank HSBC und der niederländischen Rabobank, die kürzlich milliardenschwere Zweckgesellschaften in die eigenen Bücher nahmen.
Kehrtwende in der Bilanzpolitik
Mit der Entscheidung, die Zweckgesellschaften in die Bilanz aufzunehmen, hat der neue Citigroup- Vorstandschef eine Kehrtwende bei dem Finanzdienstleister durchgeführt. Noch am 5. November erklärte die Citigroup in einer Pflichtmitteilung, sie werde nichts tun, was die Gesellschaft zwinge, Zweckgesellschaften in der Bilanz zu konsolidieren.
Die Fonds sind doppelt von der aktuellen Krise an den Kreditmärkten betroffen: Sie investieren in langfristige Anleihen, die oftmals mit Hypothekenkrediten oder anderen Vermögenswerten besichert sind. Diese Papiere haben seit Ausbruch der Krise dramatisch an Wert verloren. Im Gegenzug refinanzieren sie sich mit der Ausgabe kurzfristiger Anleihen, für die sich derzeit ebenfalls kaum Abnehmer finden.
Einem Medienbericht zufolge hatte die Citigroup das Volumen ihrer Zweckgesellschaften (SIV) in den vergangenen zwei Monaten auf 66 Milliarden Dollar von über 80 Milliarden Dollar per Ende September verringert. Anfang des Jahres waren es noch 100 Milliarden Dollar. Die amerikanische Großbank verfügt über sieben außerbilanziell geführte Zweckgesellschaften. Die 49 Milliarden Dollar, die nun in die Bilanz sollen, machen etwas mehr als zwei Prozent des gesamten Vermögens der Bank aus.
Moody's senkt Rating
Die Ratingagentur Moody's senkte am Donnerstag ihre Bonitätsnote für die Verbindlichkeiten Citigroup. Niedrigere Schuldenratings ziehen in der Regel höhere Kosten für die Kreditaufnahme nach sich. Moody's nahm das Rating um eine Stufe auf Aa3 mit der Begründung herunter, dass die amerikanische Bank ihre Kapitalbasis wohl so bald nicht wieder stärken könne.
Der für die operativen Geschäfte zuständige Vorstand Robert Druskin wird die Citigroup nach Reuters-Informationen zum Jahresende verlassen. Es gebe zwar nie einen perfekten Zeitpunkt für einen Absprung, da die Firma aber in eine neue Phase trete, sei nun die passende Gelegenheit dazu, erklärte Druskin in einem internen Schreiben an die Citi-Mitarbeiter, das Reuters vorlag.
Der frühere Citi-Chef Charles Prince war Anfang November zurückgetreten, nachdem die Bank wegen der Kreditmarktkrise mehrere Milliarden Dollar abgeschrieben hatte. Als Nachfolger wurde zeitweise auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gehandelt, der den Chefposten einem Zeitungsbericht zufolge aber ausschlug. Pandit hatte zuletzt die Investment-Sparte bei der Citigroup geleitet und gilt unter Branchenkennern nicht als Idealbesetzung.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2477 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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