30.11.2009 · Der Branchenverband der Maschinenbauer beklagt rüde Methoden der Banken bei Kreditverhandlungen. Dem VDMA zufolge werden die Unternehmen bisweilen direkt zu Entlassungen aufgefordert. Auch laut der neuesten Ifo-Umfrage kommen die Industriebetriebe wieder schlechter an Kredite. Die Banken weisen die Kritik zurück.
Von Holger PaulDas große Firmensterben ist im Maschinenbau trotz starker Auftrags- und Umsatzrückgänge bislang ausgeblieben. Im Branchenverband VDMA wächst angesichts der Schilderungen vieler Mitglieder, wie Kreditverhandlungen in diesen Tagen ablaufen, jedoch die Sorge, dass die Banken diesen Ausleseprozess nun über Gebühr herbeiführen könnten. Zwar sei es völlig akzeptabel, dass die Kreditinstitute jeden einzelnen Kreditantrag genau prüften, sagt der VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Aber die Banken gingen dabei mit teilweise sehr rüden Methoden vor und forderten die Unternehmen in den Verhandlungen zum Beispiel direkt zu Entlassungen auf.
Es gebe auch die „merkwürdige Tendenz“, dass hochverschuldete Unternehmen zwar gestützt würden, damit keine zu großen Kreditausfälle entstehen. Maschinenbauern mit weniger hohem Verschuldungsgrad sei aber schon angedeutet worden, dass es günstiger für die Bank sein könnte, das Unternehmen fallenzulassen. „Manche Institute scheinen den Maschinenbau auf einer schwarzen Liste zu haben und wollen ihr Kreditportfolio in diesem Bereich nun mit allen Mitteln abbauen“, sagt Hesse.
Banken weisen Kritik zurück
Von den Banken wird diese Kritik zurückgewiesen. Die Vergabe von Krediten gehöre zum Kerngeschäft, heißt es bei der Commerzbank. Vielmehr führe die Wirtschaftskrise zu einer Zurückhaltung der Betriebe. „Unternehmen verschieben überwiegend Investitionen und fragen weniger Kredite nach.“ Aktuell habe die Bank im gesamten Unternehmenssegment Kreditlinien von mehr als 130 Milliarden Euro eingeräumt. „Rund ein Drittel der zugesagten Linien ist noch nicht gezogen“, heißt es. Auch die Hypo-Vereinsbank (HVB) kann die Kritik der Maschinenbauer nicht nachvollziehen. Die Bank strebe keine generelle Kürzung der ausgereichten Kreditvolumina an - auch nicht in speziellen Branchen. Aktuell versorge man den deutschen Maschinenbau mit Krediten von mehr als 5 Milliarden Euro und sei damit „einer der wichtigsten Finanzpartner dieser Branche“.
Gerade HVB und die Commerzbank werden vom Maschinenbauverband jedoch als besondere Problemfälle genannt. Die HVB habe einigen Maschinenbauern die Kreditlinien jetzt extrem kurzfristig zum Jahresende gekürzt und setze auch die Neukonditionen für Darlehen besonders hart an, sagt Hauptgeschäftsführer Hesse. Die Bank erklärt dazu, bislang sei nur „bei einigen wenigen Maschinenbaufirmen eine Kürzung bestehender Kreditlinien oder eine Änderung der Kreditstruktur erfolgt - ohne die Unternehmen dabei in ihrer Existenz zu gefährden“.
Maschinenbauer fürchten Engpässe im Aufschwung
Die Commerzbank gehe weniger radikal vor, fährt Hesse fort. Allerdings habe die Bank im Zuge der Fusion mit der Dresdner Bank einer stattlichen Zahl von Maschinenbauern, die zuvor bei beiden Instituten Kredite hatten, die Linien gekürzt. Bei der Commerzbank heißt es, dass nach der Fusion im Grundsatz keine Kreditlinien gekürzt wurden. Allerdings habe sich auch bei einzelnen Maschinenbauern aufgrund der Wirtschaftskrise eine Verschlechterung des Ratings ergeben: „Dies führte in Einzelfällen zu einer Reduzierung von Kreditlinien.“
Unterschiedliche Erfahrungen gebe es mit der Deutschen Bank sowie den Sparkassen und Volksbanken, berichtet der Verbandsvertreter weiter. Für die Zukunft treibt den VDMA die große Sorge um, dass es im nächsten Aufschwung zu großen Engpässen bei den benötigten Finanzierungsmitteln kommen wird. „Finanzierungen werden der entscheidende Wettbewerbsfaktor sein, Anzahlungen und Akkreditivgeschäfte werden spürbar abnehmen“, sagt Hesse. Die Maschinenbauer benötigen aber genügend Mittel, um die zum Teil sehr langfristigen Aufträge abarbeiten zu können. „Leider ist unsere Erfahrung aus vergangenen Krisen, dass die Banken auch an sich gut aufgestellte Unternehmen gerade in dieser Aufschwungphase im Stich lassen und neue Kredite verweigern.“ Hesse fordert die Banken auf, ihren Ermessensspielraum zu nutzen, den sie auch unter dem Basel-II-Regelwerk noch hätten. Bei den kommenden Verhandlungen dürften nicht nur die im Vergleich zu 2008 schlechten Unternehmensbilanzen des Jahres 2009 die tragende Rolle spielen, sondern auch die Zukunftsfähigkeit jeder einzelnen Firma.
Laut Commerzbank erfolgt ohnehin eine solche Abwägung. Dazu sei eigens ein zusätzliches Analysemodell eingeführt worden. „Wir prüfen neuerdings verstärkt unter Einbezug unseres Zukunfts-Scorings, ob ein Geschäftsmodell zukunftsfähig ist.“ Man schaue nicht nur auf vergangenheitsbezogene Daten, sondern könne auch positive Entwicklungen und Rahmenbedingungen mit einbeziehen. So könnten auch in der Krise nachhaltige Geschäftsmodelle finanziert werden.
Unternehmen klagen über restriktivere Kreditvergabe
Die deutschen Unternehmen klagen wieder häufiger über einen erschwerten Zugang zu Krediten. 42,9 Prozent warfen den Banken eine restriktive Kreditvergabe vor, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner November-Umfrage unter 4000 Firmen mitteilte. Im Oktober teilten nur 41,7 Prozent diese Einschätzung. „Die Finanzierungssituation der Unternehmen ist weiterhin kritisch und stellt ein Risiko für die Konjunkturerholung dar“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Sowohl in der Industrie als auch in der Baubranche und im Handel nahmen die Klagen zu. (Reuters)
Vielmehr führe die Wirtschaftskrise zu einer Zurückhaltung der Betriebe.
Ralf Sträter (Ralf1969)
- 30.11.2009, 14:59 Uhr
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Michael Bohnert (Bohnert)
- 30.11.2009, 15:13 Uhr
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- 30.11.2009, 17:26 Uhr
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Heinz Keller (frustrierterUnternehmer)
- 01.12.2009, 01:03 Uhr
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