19.09.2008 · Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers trifft mehrere der sieben noch selbstständigen deutschen Landesbanken offenbar hart. Die Bayern LB scheint am stärksten involviert.
Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers lässt Sparkassenverbandspräsident Heinrich Haasis weitere Belastungen für die an den Kapitalmärkten stark engagierten deutschen Landesbanken befürchten. „Wir gehen aber im Augenblick davon aus, dass jedes Haus das selber verkraften kann. Die Lage ist nicht vergleichbar mit dem, was wir am Anfang der Immobilienkrise gesehen haben. Deshalb ist im Augenblick kein Anlass zu der Frage, ob es zu Stützungsaktionen kommt“, sagte Haasis im Deutschlandfunk.
Die Institute hätten Forderungen gegen das Investmenthaus in Höhe von insgesamt 1,7 Milliarden Euro, berichtete das ARD-Hauptstadtstudio und berief sich dabei auf „hochrangige Quellen“. Die Verlustrisiken beliefen sich insgesamt auf eine halbe Milliarde Euro. Betroffen seien vor allem die BayernLB, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die HSH Nordbank und in geringerem Umfang die nordrhein-westfälische WestLB. Der Sparkassenverband DSGV wollte die Summe der Belastungen auf Anfrage nicht bestätigen.
Im August 2007 hatte die Sparkassenorganisation die Sachsen LB mit 17 Milliarden Euro an Liquiditätshilfen stützen müssen, und als Eigner von West LB und Bayern LB hatten die Sparkassen in den Regionen in diesem Jahr schon Rettungsschirme über 5 Milliarden und 4,8 Milliarden Euro für diese Zentralbanken aufspannen müssen. Durch die Insolvenz von Lehman seien die Landesbanken unterschiedlich stark betroffen, unterstrich Haasis.
Bayern LB am stärksten engagiert
Wie berichtet, scheint die Bayern LB am stärksten engagiert. Sie rechnet durch die Insolvenz von Lehman Brothers mit Ausfallrisiken von bis zu 300 Millionen Euro. „Wie viele weltweit agierende Banken stand auch unser Haus in langjähriger Geschäftsbeziehung mit Lehman Brothers“, schreibt Vorstandschef Michael Kemmer in einem Brief an die Mitarbeiter.
Die Bayern LB sei bei Lehman sowohl Gläubiger als auch Schuldner. Deshalb würden derzeit die Verlustrisiken kalkuliert. Nach derzeitigem Stand ergebe sich die Summe von bis zu 300 Millionen Euro. Die ARD berichtete von einem Engagement der BayernLB bei Lehman Brothers im Gesamtvolumen von über 650 Millionen Euro. Die Landesbank Baden-Württemberg ist offenbar auch nennenswert engagiert, sie hält ihre Gewinnprognose für dieses Jahr nicht länger aufrecht.
Die West LB hat als einzige Landesbank von sich aus bekanntgegeben, wie ihre Geschäftsbeziehung mit Lehman aussieht.Demnach bestehen keine Kreditlinien für Lehman, und von Lehman begebene strukturierte Wertpapiere hält die West LB in Höhe eines niedrigen einstelligen Millionenbetrags. „Der Antrag von Lehman auf Gläubigerschutz hat nur geringfügige Auswirkungen auf die West LB“, formuliert die Pressestelle und sucht damit in ungewohnter Offenheit Bedenken über eine neue Schieflage gar nicht erst aufkommen zu lassen.
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