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Veröffentlicht: 17.02.2017, 16:56 Uhr

Lebensmittelhersteller Kraft Heinz bietet 143 Milliarden Dollar für Unilever

Die Amerikaner greifen nach dem Hersteller von „Knorr“-Suppen und „Magnum“-Eis. Aber Unilever erteilt dem Bieter erst mal eine deutliche Abfuhr.

von , New York und
© dpa Bekanntestes Produkt von Kraft Heinz ist der Ketchup. Jedoch hat der Lebensmittelhersteller noch viele andere Produkte in seinem Sortiment.

In der Konsumgüterindustrie könnte es zu einer gigantischen Übernahme kommen. Der amerikanische Lebensmittelhersteller Kraft Heinz hat dem britisch-niederländischen Unilever-Konzern ein Kaufangebot gemacht. Eine Übernahme würde einige der bekanntesten Marken aus den Supermarktregalen zusammenbringen, und es wäre eine gigantische Transaktion. Nach einer Mitteilung von Unilever haben die Amerikaner 143 Milliarden Dollar in bar und eigenen Aktien geboten. Aber der europäische Konzern hat die Offerte zunächst einmal in deutlichen Worten zurückgewiesen.

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Kraft Heinz habe nur einen Aufschlag von 18 Prozent auf den Aktienkurs von Unilever geboten, womit das Unternehmen „fundamental“ unterbewertet werde. Auch unter strategischen Gesichtspunkten halte es Unilever nicht für sinnvoll, auf das Angebot einzugehen. „Unilever sieht keine Basis für jegliche weitere Diskussionen,“ heißt es weiter. Kraft Heinz will sein Werben aber offenbar nicht so schnell aufgeben. Der Konzern teilte mit, weiter daran arbeiten zu wollen, sich mit Unilever zu einigen.

Gewagtes Manöver

Auch an den Finanzmärkten scheint Unilever nun als Übernahmeobjekt zu gelten. Der Aktienkurs notierte in Amsterdam am Nachmittag rund 9 Prozent über dem Vortagesschluss. Allerdings hatte der Konzern damit schon einen Teil der noch höheren Gewinne unmittelbar nach Bekanntwerden des Übernahmeversuchs verloren. Der Aktienkurs von Kraft Heinz legte am Freitag zeitweise um 5 Prozent zu.

Für Kraft Heinz wäre eine Übernahme von Unilever ein äußerst gewagtes Manöver. Nach Daten von Bloomberg wäre die Transaktion die größte, die es in der Lebensmittelindustrie jemals gab – bisher ist das die Übernahme des Brauereikonzerns SAB-Miller durch den Wettbewerber Inbev. Unilever ist auch der deutlich größere Konzern und macht mehr als doppelt so viel Umsatz wie Kraft Heinz. Die Europäer sind einer der Weltmarktführer in der Lebensmittel-, Reinigungs- und Kosmetikbranche.

Breite Produktpalette

Aus Sicht des Verbrauchers ist die Produktpalette wie der Gang durch den Supermarkt: Ob es in der Lebensmittelabteilung „Knorr“-Suppen oder Margarineprodukte von „Becel“ sind, im Eisfach „Magnum“ und „Ben & Jerry‘s“, in den Körperpflegeabteilungen „Dove“-Seife und „Rexona“-Deodoranten und unter den Waschmitteln das „Omo“: Hinter all diesen Marken steht der britisch-niederländische Großkonzern.

Im vergangenen Jahr sorgte Unilever mit dem eine Milliarde Dollar teuren Kauf des amerikanischen Rasiererversenders Dollar Shave Club für Aufsehen. Das Unternehmen schätzt nach eigenen Angaben, dass jeden Tag zwei Milliarden Menschen eines oder mehrere seiner Produkte nutzen. Unilever ist neben der ebenfalls niederländisch-britischen Shell der am schwersten gewichtete Wert im Amsterdamer Standardwerteindex AEX.

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Kraft Heinz wiederum ist vor allem für seine namensgebenden Käse- und Ketchupmarken bekannt. Zum Portfolio gehören auch „Philadelphia“-Frischkäse und Wurstprodukte der Marke „Oscar Mayer“. Der Konzern ist in seiner heutigen Form aus einer Serie von Transaktionen entstanden. Vor knapp fünf Jahren spaltete sich der frühere Kraft-Konzern in zwei Teile auf. Der größere von beiden enthielt das Snackgeschäft mit Marken wie „Milka“-Schokolade und die Auslandsaktivitäten, er bekam den Namen Mondelez. Bei Kraft verblieb das amerikanische Lebensmittelgeschäft. Vor knapp zwei Jahren schloss sich die verkleinerte Kraft-Gruppe mit dem Ketchup-Hersteller H.J. Heinz zur neuen Kraft Heinz Company zusammen.

Kampf mit Umsatzrückgängen

In dem kombinierten Konzern spielen die brasilianische Beteiligungsgesellschaft 3G Capital und der Investor Warren Buffett eine große Rolle, denen Heinz zuvor gehört hatte. Schon seit einiger Zeit wird spekuliert, dass der Konzern nach weiteren Zukäufen Ausschau hält. Dabei galt auch ein Zusammenschluss mit der früheren Konzernschwester Mondelez als Option. Kraft Heinz kämpft derzeit gerade in Amerika und Europa mit Umsatzrückgängen, wo sich viele Verbraucher von abgepackten Lebensmitteln zugunsten frischer Produkte abwenden.

Auch Unilever ist nicht frei von Sorgen. Zuletzt kämpfte das Unternehmen mit Schwierigkeiten in Indien und Brasilien. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Umsatz sogar leicht, was allerdings vor allem an ungünstigen Währungseffekten lag. Bereinigt um diesen Effekt wäre der Umsatz gestiegen, vor allem weil es das Unternehmen geschafft hat, in Schwellenländern Preiserhöhungen durchzusetzen. Allgemein gilt die Aktie von Unilever unter Investoren als klassisches „defensives“ Papier: also eines, das von Konjunkturzyklen vergleichsweise wenig abhängig ist und relativ verlässliches Wachstum bietet.

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