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Krach bei Thyssen : „Das wird so nichts“

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Detlef Wetzel während einer Kundgebung in Bochum gegen den geplanten Zusammenschluss Thyssens mit Tata Steel. Bild: VOGEL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Gewerkschaften eskalieren den Streit mit der Führung des Stahlkonzerns Thyssen. Es geht um die Fusion mit einem indischen Wettbewerber – und eine Drohung kommt hinterher.

          Im Streit um die Stahlfusion von Thyssen Krupp mit dem indischen Wettbewerber Tata Steel erhöhen die Arbeitnehmervertreter den Druck auf Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Die Gespräche mit dem Management hätten überhaupt keine Klarheit gebracht, kritisierte Detlef Wetzel, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Thyssen Krupp Steel Europe. „Mein Eindruck ist, dass das so nichts wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könnten wir einem Joint Venture nicht zustimmen.“ Der Vorstand müsse sich stark bewegen, um die Forderungen der IG Metall zu erfüllen.

          Seit anderthalb Jahren streiten die Arbeitnehmervertreter mit dem Vorstand über die Pläne Hiesingers. Dieser will Steel Europe mit der europäischen Stahlsparte des indischen Konkurrenten zusammenlegen. Thyssen und Tata wären zusammen der zweitgrößte Stahlkonzern Europas hinter der ebenfalls in Indien beheimateten Marktführer Arcelor Mittal.

          Nahles wird kommen

          Der Betriebsrat befürchtet den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze. An diesem Donnerstag wollen im rheinland-pfälzischen Andernach Tausende Stahlkocher gegen die Pläne demonstrieren; Thyssen Krupp betreibt dort ein Weißblechwerk. Während der Kundgebung soll auch die SPD-Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles sprechen. Parallel legt Hiesinger in Essen die Bilanz für das zu Ende gehende Thyssen-Geschäftsjahr vor.

          Thyssen Krupp wollte die Kritik nicht näher kommentieren. Ein Sprecher verwies auf die anstehende Bilanz-Pressekonferenz und Aussagen von Personalchef Oliver Burkhard. Dieser hatte den Forderungskatalog als weiteren wichtigen Schritt und Basis für Verhandlungen in der Arbeitsgruppe bezeichnet. Bei deren letzten Treffen sei bereits begonnen worden, sich darüber auszutauschen, hatte der Konzern erklärt.

          „Wir erwarten einen weiten Zeithorizont der Sicherheit für die Beschäftigten“, machte Wetzel deutlich. Die IG Metall fordert unter anderem Garantien für die Beschäftigten und die Standorte sowie Investitionszusagen und eine ausreichende finanzielle Ausstattung des Gemeinschaftsunternehmens. Bei einem Nein der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat müsste das Management die Pläne in einer Kampfabstimmung durchsetzen. Hiesinger hofft auf eine Einigung Anfang des kommenden Jahres 2018.

          „Wir lassen uns zeitlich nicht unter Druck setzen. Wir verhandeln solange, wie es notwendig ist“, sagte der IG-Metall-Sekretär Markus Grolms, der Vizechef des Konzern-Aufsichtsrats ist. Eine Einigung im Januar sei unwahrscheinlich. „Wir sind notfalls bereit, das Ding auch vor die Wand zu fahren. Der Vorstand muss dass endlich begreifen, aber der Vorstand hat es auch in der Hand, das zu verhindern.“

          Sorge bereitet den Arbeitnehmervertretern zudem eine Regelung in der Grundsatzvereinbarung mit Tata. Danach könne die indische Tata-Muttergesellschaft bis zu 2,5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr in das Gemeinschaftsunternehmen oder in den europäischen Markt liefern. „Das ist sehr ungewöhnlich und beunruhigt uns enorm. Diese Lieferungen dürfen nicht bei uns zu einem Kapazitätsabbau oder einer Stilllegung von Anlagen führen“, betonte Wetzel.

          Quelle: FAZ.NET/Reuters

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