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Kooperation mit IG Metall Schaeffler führt die Mitbestimmung ein

24.02.2009 ·  Die IG Metall soll dem angeschlagenen Zulieferer Schaeffler helfen, in Berlin für Staatshilfen zu trommeln. Dafür sind die Eigentümer bereit, das zuvor Undenkbare zu tun: Mitspracherechte zu gewähren und Anteile zu verkaufen.

Von Rüdiger Köhn und Henrike Roßbach
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Die hochverschuldete Schaeffler-Gruppe hat eingewilligt, in ihrem Unternehmen ein Modell zur Mitbestimmung einzuführen. Auf ein entsprechendes Eckpunktepapier einigten sich die Eigentümer der Gruppe, Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, am Montag mit dem Ersten Vorsitzender der Industriegewerkschaft Metall, Berthold Huber. Im Gegenzug erhoffen sich die Gesellschafter mit den Gewerkschaften im Rücken mehr Erfolg bei ihrer Bitte um Staatshilfen. „Die IG Metall und Schaeffler halten zur Überbrückung der aktuellen Krise ein Engagement der Länder und des Bundes für erforderlich“, sagte Huber in Frankfurt, „ob über Eigenkapitalhilfen, eine Liquiditätssicherung oder eine Bürgschaft.“

Dass Arbeitnehmervertreter im Hause Schaeffler in Zukunft mitreden dürfen, ist der Bruch eines jahrzehntelangen Tabus - und nur eines von mehreren Zugeständnissen der Eigentümer an die Gewerkschaft. So soll es etwa keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Schaefflers kündigten in Frankfurt auch erstmals offiziell an, sich von „wesentlichen“ Anteilen am Unternehmen zu trennen, um ihren Teil zum Schuldenabbau beizutragen. Mehr noch: Aus dem Anteil, den die Familie dann noch halten wird, soll ein Programm zur Mitarbeiterbeteiligung eingerichtet werden. Details dazu wurden am Montag noch nicht genannt.

Mehr Transparenz in der Schaeffler-Gruppe gefordert

Eine Arbeitsgruppe ist mit der Umsetzung der Vereinbarung beauftragt worden. Die IG Metall hat schon länger mehr Transparenz in der Schaeffler-Gruppe gefordert. Erst vor zwei Wochen legten drei Bezirksleiter der Gewerkschaft ein Papier vor, in dem sie die Einführung der paritätischen Mitbestimmung als eine Bedingung für Staatshilfen nannten. Nun soll die Mitbestimmung eingeführt werden, egal welche Rechtsform der Unternehmensverbund aus Schaeffler und Continental künftig haben wird. Was den Verkauf von Anteilen der Familie Schaeffler angeht, betonte Huber, habe die IG Metall ein fundamentales Interesse daran, dass die Gesellschafter der Schaeffler Gruppe im Verbund mit Continental „als entscheidende Ankerinvestoren tätig bleiben“. Das allerdings kann schon für eine Beteiligung von 25 Prozent zutreffen. Jürgen Geißinger, der Vorsitzende der Schaeffler-Geschäftsführung, war am Montag in Frankfurt nicht anwesend. Beobachter werten das als Zeichen, dass die Tage Geißingers als operativer Chef der Gruppe gezählt sind. Er hatte in der Vergangenheit Kostensenkungsprogramme gegen den Widerstand der Arbeitnehmer durchgesetzt und sich damit unbeliebt gemacht.

Georg Schaeffler bezifferte die Eigenkapitallücke des Unternehmens auf 5 bis 6 Milliarden Euro. Die Insolvenzgefahr sei jedoch eher gering. Gefragt, in wie fern die Familie sich daran beteilige, die Milliardenlücke zu schließen, antwortete er: „Es wird nur so gehen, dass Unternehmensanteile verkauft werden“. Das Vermögen der Familie stecke in dem Unternehmen; er persönlich habe in den vergangenen Jahren im Wesentlichen nur Geld entnommen, um seine Steuern zu zahlen. Wie viele Anteile die Familie abgeben wird, ließ er offen. Das hänge von der Unternehmensbewertung ab. Derzeit arbeiten drei Wirtschaftsprüfungsunternehmen an dieser Bewertung und an einem Rettungsplan, der der Bundesregierung vorgelegt werden muss, damit diese über eine Unterstützung entscheiden kann. Dieser Plan werde in Kürze vorgelegt, sagte Maria-Elisabeth Schaeffler am Montag.

Mit mehr als 10 Milliarden Euro verschuldet

Der unerwartete Schulterschluss mit der IG Metall zeigt, unter welchem Druck die Schaeffler-Gruppe steht: Der Konzern hat sich mit dem Kauf der Hannoverschen Continental AG übernommen. Das fränkische Unternehmen mit einem Umsatz von 8,8 Milliarden Euro hat sich mit mehr als 10 Milliarden Euro verschuldet. Angesichts der Absatzkrise in der Autoindustrie kann sie nun ihren Verpflichtungen gegenüber den kreditgebenden Banken nicht mehr nachkommen.

Maria-Elisabeth Schaeffler bedankte sich beim ehemaligen SPD-Vorsitzenden Rudolf Scharping, der im Hintergrund die Zusammenarbeit mit der IG Metall herbeigeführt habe. Interessant ist diese Tatsache vor allem, weil sich führende SPD-Politiker bislang eher ablehnend zu Staatshilfen für die Schaeffler-Conti-Gruppe geäußert hatten. So sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD), man können nicht „im Nerzmantel nach Staatshilfen rufen“. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte, es sei nicht Aufgabe des Staates, in solchen Fällen einzugreifen.

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Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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