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Konzernumbau Siemens will 3000 Stellen streichen

 ·  Nach dem Umbau des Konzerns kümmert sich Vorstandsvorsitzender Peter Löscher nun um eine Altlast: Mit einem großen Stellenabbau soll Enterprise Networks für einen Verkauf fit gemacht werden.

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Siemens Enterprise Networks plant, sich von bis zur Hälfte der rund 6200 Mitarbeiter in Deutschland zu trennen. Seit mehr als eineinhalb Jahren sucht Siemens einen Käufer für das ausgegliederte Geschäft der Telekommunikationstechnik für Firmenkunden - bisher vergeblich. Schon im vergangenen Sommer berichtete die Arbeitnehmerseite, Verhandlungen mit einem Dutzend Interessenten seien gescheitert.

Jetzt will Siemens nach Informationen der F.A.Z. mit einem tiefen Einschnitt das Geschäftsfeld mit 17.500 Mitarbeitern in der Welt für einen Käufer attraktiver machen. Die genauen Pläne sollen am Dienstag in der kommenden Woche bekanntgegeben werden.

Die Zeit drängt, denn von der Mitte dieses Jahres an müsste Siemens die vor zwei Jahren ausgegliederte Sparte als fortzuführende Aktivität wieder in die Bilanz nehmen. Eine Belastung der Konzernzahlen durch die Verluste von Siemens Enterprise Networks (SEN) wäre die Folge. Im vergangenen Geschäftsjahr musste Siemens den Wert von SEN um 567 Millionen Euro auf einen nicht genannten Betrag verringern. Und im Geschäftsbericht wurde ein Verkauf in der ersten Jahreshälfte 2008 in Aussicht gestellt.

Siemens ist nach Angaben aus dem Konzern vor allem wegen höherer Kosten im Vergleich mit Wettbewerbern wie Cisco, Nortel oder Avaya im Hintertreffen. Die Kosten von SEN lägen 30 bis 40 Prozent über denen der wichtigsten Konkurrenten, heißt es. Ein wesentlicher Nachteil seien die Arbeitskosten. So verdienten die Mitarbeiter von SEN im Durchschnitt 80.000 Euro im Jahr, während in der Branche 60.000 Euro üblich seien.

Branche in Schwierigkeiten

Im August des vergangenen Jahres hatte Siemens angekündigt, 600 der 6200 Stellen von Enterprise Networks in Deutschland zu streichen. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer hatte schon damals gegen die Pläne gewettert und der Unternehmensleitung schwere Managementfehler vorgeworfen. Doch der kleine Lösungsvorschlag reicht offenbar nach Ansicht der neuen Konzernführung um den Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher bei weitem nicht aus.

Wie zu hören ist, soll SEN auch mit der Ausgliederung und dem Verkauf einzelner Unternehmensteile für Interessenten verschlankt und geschmückt werden. Seit Jahren konzentriert sich das Geschäft mit Telekommunikationsanlagen auf Software. Doch SEN beschäftigt dem Vernehmen nach immer noch relativ viele Spezialisten für Geräte und Anlagen (Hardware). Solche Abteilungen sollen samt Mitarbeitern abgegeben werden. Ihre Zahl ist in den rund 3000 Stellen enthalten, von denen sich Siemens trennen will. Ein Verkauf von SEN fällt dem Konzern schwer, weil die Branche ein tiefes Tal durchschreitet. So musste der französisch-amerikanische Telekommunikationsausrüster Alcatel-Lucent im vergangenen Jahr einen Verlust von 3,5 Milliarden Euro hinnehmen - vor allem wegen Abschreibungen im Mobilfunkgeschäft. Angeblich gehört das Unternehmen wie Nortel und Cerberus zu den Interessenten für SEN. "Wir sind in sehr aussichtsreichen Gesprächen mit mehreren Partnern", sagte Löscher am Freitag dem Fernsehsender Bloomberg TV. Er rechne in naher Zukunft mit einem Ergebnis.

Enterprise Networks ist der größte Rest der einst umsatzstärksten Sparte von Siemens, der Telekommunikationstechnik Com. Für einen Verkauf hatte schon Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld einen Zeitplan aufgestellt. Doch er scheiterte damit. Die frühere Sparte Com steht zudem im Mittelpunkt der Korruptionsaffäre.

Quelle: F.A.Z., 23.02.2008, Nr. 46 / Seite 18
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