Home
http://www.faz.net/-gqi-ztnp
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Dienstag, 14. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konzern verlangt Schadenersatz Siemens' langer Marsch aus der Schmiergeldaffäre

30.07.2008 ·  Im größten Schmiergeldskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte fordert Siemens Schadenersatz von ehemaligen Top-Managern. Damit soll die amerikanische Börsenaufsicht milde gestimmt werden. Tatsächlich aber haben die Untersuchungen kaum etwas Greifbares gebracht.

Von Carsten Knop
Artikel Bilder (2) Video Lesermeinungen (5)

Es geht um Untreue, Korruption, um Geldwäsche und Steuerhinterziehung — oder, mit anderen Worten, um den größten Schmiergeldskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte: 1,3 Milliarden Euro sind aus dem Hause Siemens in dunklen Kanälen verschwunden. Staatsanwälte ermitteln schon seit Jahren. Nach einer Razzia Ende 2006 hat der Konzern ganze Heerscharen gutbezahlter, vorwiegend amerikanischer Anwälte auf den Fall angesetzt.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC soll durch die hausinternen Untersuchungen milde gestimmt werden. Die Anwälte wurden noch von zwei Managern beauftragt, denen der Aufsichtsrat des früher von ihnen geführten Unternehmens nun mit einer Klage auf Schadensersatz droht: Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld. Die Forderung nach Schadensersatz richtet sich zudem gegen neun weitere ehemalige Mitglieder des Siemens-Vorstands.

Es bleibt weiter offen, worauf sich die Vorwürfe stützen

Wohlgemerkt: Es handelt sich noch nicht um Klagen. Den Betroffenen wird zunächst Gelegenheit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Auch über die Höhe der Ansprüche wird bisher nichts gesagt.

Damit bleibt weiter offen, was den einstigen Führungskräften konkret vorgeworfen wird, worauf sich der Vorwurf stützt, sie hätten ihre Organisations- und Aufsichtspflichten verletzt. Es mag ja etwas gegen sie vorliegen. Aber nach vielen Monaten der Untersuchungen, der Durchforstung zahlloser Unterlagen und E-Mails und einem abgeschlossenen Gerichtsverfahren bleibt alles weiter im Raum der Spekulationen.

770 Millionen Euro haben die Untersuchungen bislang gekostet

Der Aufsichtsrat um seinen Vorsitzenden Gerhard Cromme hatte stets die Erwartung geweckt, man werde schneller zu greifbaren Ergebnissen kommen – auch öffentlich, etwa auf der jüngsten Hauptversammlung. Tatsächlich aber haben die 770 Millionen Euro, die Siemens schon für die Untersuchungen ausgegeben hat, bisher kaum etwas Greifbares gebracht. Für das viele Geld erhält der Beobachter vorerst nur einen tiefen Einblick in die menschlichen Abgründe der deutschen Manager-Elite.

Siemens sollte nun alles versuchen, um mit den amerikanischen Behörden so schnell wie möglich einen Vergleich zu schließen. Aber auch das kann noch Monate dauern. Woher nimmt nur der amerikanische Konzern Alcoa seine Zuversicht, der ebenfalls unter der Aufsicht der SEC steht? Denn der hat Kleinfeld längst zu seinem neuen Chef gemacht.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

Jüngste Beiträge

Rückzugsgefechte beim Bankgeheimnis

Von Jürgen Dunsch

Viele Staaten verlieren Beißhemmungen gegenüber der Privatsphäre ihrer Bürger. Der Zeitgeist ist mit ihnen. Auch deshalb kann die Schweiz im Steuerstreit immer weniger punkten. Mehr 6 6

14.02.2012 10:42 Uhr
  Vortag
Dax 6.724,63 −0,21%
 OK
14.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.726,70 −0,17%
FAZ-INDEX 1.501,39 −0,17%
TecDAX 778,22 +0,37%
MDAX 10.263,10 −0,26%
SDAX 5.018,69 +0,14%
REX 421,76 +0,17%
Eurostoxx 50 2.485,89 −0,23%
F.A.Z. EURO INDEX 80,33 −0,19%
Dow Jones 12.874,00 0,00%
Nasdaq 100 2.569,49 +0,87%
S&P500 1.351,77 +0,68%
Nikkei225 9.052,07 +0,59%
EUR/USD 1,3179 +0,06%
Rohöl Brent Crude 117,44 $ −0,30%
Gold 1.727,00 $ +0,91%
Bund Future 138,34 € +0,01%