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Konzern in der Krise Arcandor stellt Thomas Cook jetzt doch in Frage

25.09.2008 ·  Der Arcandor-Konzern steckt noch tiefer in der Krise als es sich bisher abgezeichnet hat. Die Banken zahlen Karstadt das Geld für das Weihnachtsgeschäft nur noch unter Bedingungen. Und entgegen früherer Beteuerungen muss jetzt die gesamte Konzernstruktur überprüft werden.

Von Brigitte Koch, Düsseldorf
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Der Essener Arcandor-Konzern steckt noch tiefer in der Krise als es sich bisher abgezeichnet hat. Wie der Handels- und Touristikkonzern am Mittwochabend in einer Ad-hoc-Mitteilung klarstellte, wird das Unternehmen im Rahmen des mit den Hausbanken erarbeiteten Refinanzierungskonzeptes die Struktur der Holding überprüfen.

Das könne auch die Reduzierung der Beteiligung an der Karstadt Warenhaus GmbH und dem britischen Touristikkonzern Thomas Cook plc beinhalten, heißt es in der Meldung weiter. Gesicherte Informationen dieser Zeitung, dass der Arcandor-Vorstand von den Banken gedrängt wurde, die 53 Prozent ausmachende Thomas-Cook-Beteiligung zur Deckung seiner Schulden heranzuziehen (Siehe auch: Banken setzen Arcandor unter Druck) hatte das Unternehmen noch am Vormittag entschieden dementiert.

Arcandor würde auf weniger als die Hälfte zu schrumpfen

Die Konzernholding steht heute auf drei Säulen, dem Touristikgeschäft, dem Warenhausgeschäft und dem unter dem Namen Primondo zusammengefassten Versandhandel mit der Hauptmarke Quelle. Der britische Touristikkonzern wird bisher voll konsolidiert und prägt entscheidend den Konzern. So trägt er 60 Prozent des Umsatzes und ist der einzige nachhaltige Gewinnbringer. Sollte die Beteilung unter 50 Prozent fallen, müsste Thomas Cook entkonsolidiert werden.

Der Arcandor-Konzern würde auf weniger als die Hälfte des heutigen Umsatzes zusammenschrumpfen. Überlegungen, das defizitäre Warenhausgeschäft in Partnerschaften einzubringen, hegt der Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff seit langem. Dabei hat er auch die Rückführung auf eine Minderheit nicht ausgeschlossen. Offenbar schon recht weit fortgeschrittene Kooperationsgespräche mit dem britischen Kaufhausunternehmen Debenhams haben aber zu keinem Erfolg geführt, wie er jüngst eingeräumt hat. Offen ist nun, ob schon in naher Zukunft mit einem Abbau der auf den Prüfstand gestellten Beteiligungen zu rechnen ist (Siehe auch: Kommentar: Middelhoff blamiert sich).

Die Einigung bedeutet im Prinzip einen Befreiungsschlag

Am Morgen hatte die Börse noch mit großer Erleichterung auf die Einigung von Arcandor mit den Kredit gebenden Banken reagiert. Zu diesem Konsortium gehören die Bayerische Landesbank, die Dresdner Bank und die Commerzbank sowie die Royal Bank of Scotland. Die Aktie, deren Kurs sich fast im freien Fall bewegt hat, gewann zum Handelsauftakt bis zu 20 Prozent und schaffte es für kurze Zeit wieder über die 4-Euro-Schwelle.

Auch im weiteren Verlauf zählte sie noch zu den Gewinnern im Börsensegment M-Dax. Denn die Einigung bedeutet im Prinzip einen Befreiungsschlag für das laufende Geschäft in den Karstadt-Warenhäusern und dem Versandhandel. Auch die Warenkreditversicherer Atradius, Coface, Euler Hermes und Zurich haben dem Management zugesichert, dass sie begleitend zu der Finanzierung der Hausbanken dem Unternehmen die notwendigen Kreditlinien zur Verfügung stellen. Damit ist sichergestellt, dass die Lieferanten ihr Geld erhalten und ausreichend Ware für das wichtige bevorstehende Weihnachtsgeschäft in die Filialen fließt.

Bei Arcandor wurde eine Stellungnahme abgelehnt

Mit der Entscheidung, angesichts der laufenden Kreditverhandlungen die Garantiesumme für die Warenlieferungen zu deckeln, hatte Euler Hermes vor zwei Wochen für Irritationen gesorgt. Denn zum einen hatte das Assoziationen zu den Schieflagen der ehemaligen Tochtergesellschaften Hertie, Sinn Leffers und Wehmeyer geweckt. Zum anderen wurde befürchtet, es könnte zu Engpässen in der Warenversorgung kommen.

Bei Arcandor wurde am Mittwoch eine Stellungnahme zu den Konditionen der Einigung abgelehnt. Zu hören ist aber, dass die Banken das Unternehmen noch enger an die Kandare nehmen werden, was die Überprüfung der Zielerfüllung der Geschäftspläne anbelangt. Die Zustimmung hing wohl entscheidend an den Zugeständnissen hinsichtlich Thomas Cook. An der Börse wird dieses Beteiligungspaket mit 1,6 Milliarden Euro bewertet. Die Beteiligung ist damit bedeutend mehr wert als Arcandor selbst. Denn die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei unter 800 Millionen Euro.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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