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Kommentar : Cryan hat geliefert

Neuaufstellung in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: AFP

Der neue starke Mann der Deutschen Bank hat ein Zeichen gesetzt, Deutschlands größtes Kreditinstitut baut Vorstand und Struktur radikal um. Dafür verdient John Cryan Anerkennung – aber es reicht noch nicht. Ein Kommentar.

          Jedem Anfang wohne ein Zauber inne, schrieb der Dichter Hermann Hesse. John Cryan ist mutmaßlich kein Zauberer, aber der neue starke Mann der Deutschen Bank hat am Wochenende ein Zeichen gesetzt, das für die Bank einen neuen Aufbruch bedeutet. Das betrifft nicht nur die Personalien. Natürlich ist es eine wichtige Botschaft für die Belegschaft, dass der Wille zur Erneuerung nicht vor den Führungsebenen Halt macht. Betroffen sind vor allem Personen aus der ersten und zweiten Reihe, deren beste Zeit vorbei ist oder die in irgendeiner Weise mit unerfreulichen Episoden aus der jüngeren Vergangenheit verbunden sein mögen. Zudem haben neue Mächtige wie Cryan einen leicht verständlichen Anreiz, alte Seilschaften zu zerschlagen.

          Mindestens ebenso wichtig ist der neue Zuschnitt der Geschäftsbereiche und hier vor allem die Zerschlagung des bisherigen Investmentbankings. Es hat in den vergangenen Jahren zum Wohl wie zum Wehe der Bank erheblich beigetragen und vor allem auch in machtpolitischer Hinsicht eine wesentliche Rolle gespielt, mit der es nun vorbei sein sollte. Kapitalmarktgeschäfte mit Unternehmenskunden gehören seit der Gründung der Deutschen Bank zu ihrem Kerngeschäft, und daran dürfte sich auch nichts ändern. Mit der Abtrennung des Handelsgeschäfts eröffnet sich hingegen eine interessante Perspektive. Die Deutsche Bank wird künftig in der Lage sein, diese Sparte bei Bedarf zu verkaufen oder in eine Partnerschaft zu bringen, ohne das sehr wichtige Kapitalmarktgeschäft mit Unternehmen zu beschädigen. Dies ist von erheblicher strategischer Bedeutung.

          Eine klare Botschaft lässt auch die Aufwertung der Privatkundensparte durch die Angliederung des Geschäfts mit sehr vermögenden Privatkunden erkennen. Auch damit setzt die Bank ein klares Zeichen, dass für sie die Betreuung privater Kunden in Zeiten großer Herausforderungen durch Digitalisierung und Niedrigzins ein Kerngeschäft bleibt. Mit dem im Vorstand zuständigen Christian Sewing erhält ein noch junger und unverbrauchter Mann eine große Verantwortung – und vielleicht auch einen Marschallstab für seinen Tornister.

          Cryan hat mit den am Sonntag veröffentlichten Veränderungen geliefert. Das verdient Anerkennung, aber es reicht noch nicht. Die Bank muss erheblich profitabler werden, wenn sie im internationalen Wettbewerb bestehen will. Dies wird auch mit einer klarer strukturierten und erneuerten Führung nicht ohne Einschnitte zu schaffen sein – nicht zuletzt beim Personal.

          Frankfurt : Deutsche Bank mit Rekordverlust

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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          Quelle: F.A.Z.

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