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Kommentar : VWs doppeltes Gesicht

Die VW-Manager bekommen ihre üppigen Gehälter weiter, die Arbeitnehmer machen ebenfalls keine Zugeständnisse - das zeigt: Die alten Seilschaften funktionieren immer noch. Bitter.

          Japaner, heißt es, hätten ein doppeltes Gesicht. Wenn das stimmt, dann hat Volkswagen seinen Konkurrenten Toyota um Längen geschlagen. Auf der einen Seite mahnt Konzernchef Müller zu höheren Renditen und zum Mut zur Veränderung. Auf der anderen Seite zeigt die überraschend schnelle Einigung von VW und der IG Metall, wie tragfähig die alten VW-Seilschaften noch sind - in denen Management, der Porsche-Clan, Gewerkschaft und das Land Niedersachsen ihre Interessen austarieren.

          Welches Gesicht soll VW in Zukunft haben? Nachdem sich die Manager vehement gegen jede Kürzung ihrer üppigen Zahlungen gewehrt haben und ihnen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nicht widersprochen haben, ist es keine Überraschung, dass nun trotz Abgasskandal und notwendiger Milliardeninvestitionen in die Digitalisierung auch die Beschäftigten keine Zugeständnisse machen. Die alten Strukturen funktionieren.

          Kein Wunder, denn schließlich sind auch die neuen Herren bei VW in ihnen groß geworden. Quereinsteiger und Störenfriede stören da. VW-Markenchef Herbert Diess, der von BMW kam, um VW profitabler und effizienter zu machen, bekam das schnell zu spüren. Er verkörpert das zweite Gesicht von VW. Das eine sagen, das andere tun - genau so funktioniert das doppelte Gesicht. Und VW zeigt Toyota, wie man es richtig macht.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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