Home
http://www.faz.net/-gqi-11jjt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Staatsbank in Gelb

09.01.2009 ·  Deutschland besitzt de facto eine neue Staatsbank: Es ist die um die Dresdner Bank vergrößerte Commerzbank. Das ist ein unfassbares Debakel. Die Commerzbank finanziert mit Steuergeldern eine Übernahme, die sie sich aus eigener Kraft nicht leisten könnte.

Von Gerald Braunberger
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Deutschland besitzt de facto eine neue Staatsbank: Es ist die um die Dresdner Bank vergrößerte Commerzbank. Das volle Ausmaß des unfassbaren Debakels, das nun zutage getreten ist, lässt sich an ein paar Zahlen ablesen: Der Staat schießt, von sonstigen Garantien abgesehen, insgesamt 18,2 Milliarden Euro in die Commerzbank ein und übernimmt eine Beteiligung von 25 Prozent und einer Aktie. Die Allianz als Verkäufer der Dresdner Bank leistet ebenfalls noch Unterstützung in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Außerdem existieren Staatsgarantien für Anleihen der Commerzbank über 15 Milliarden Euro. Die Börse bewertet die Commerzbank aber nur noch mit rund vier Milliarden Euro - und nimmt an, dass der größte Teil des Geldes der Steuerzahler als Ergebnis fehlgeschlagener Geschäfte verlorengehen dürfte.

Es ist zwar richtig, dass viele Banken im vierten Quartal 2008 schlecht abgeschnitten haben dürften, aber selbst in einem insgesamt schlechten wirtschaftlichen Umfeld erschrecken die Nachrichten aus der Commerzbank.

Eklatantes Managementversagen

Man gelangt zu zwei Befunden: Die Commerzbank finanziert mit Steuergeldern eine Übernahme, die sie sich aus eigener Kraft überhaupt nicht mehr leisten könnte. Der Kauf der Dresdner Bank war von Beginn an ein Wagnis, aber die Folgen der Finanzmarktkrise hat beide Banken hart getroffen. Der Staat zeigt durch seine großzügige Unterstützung, dass er diese Übernahme dennoch nicht scheitern lassen will, weil ihm an der Existenz einer zweiten großen Bank in Deutschland gelegen ist.

Zweitens erwirbt die Commerzbank eine Dresdner Bank, deren Verlustrisiken trotz monatelanger Prüfung grob unterschätzt worden sind. Hier liegt ein eklatantes Managementversagen in beiden Häusern vor, das nicht ohne Konsequenzen bleiben darf, wenn zur Verantwortung von Entscheidungsträgern auch die Haftung für Fehler gehört. Aus der Sicht der privaten Aktionäre trägt die Commerzbank zu große Lasten, um als attraktive Anlage zu gelten. Die Integration der beiden Banken wird lange dauern und nicht ohne Schmerzen zu vollziehen sein. Außerdem kommt die Commerzbank die Unterstützung des Staates teuer zu stehen. Glücklicherweise müssen sich die Kunden der beiden Banken nicht um ihr Geld sorgen: Es ist der Schutzschirm des Staates, der sie ruhig schlafen lassen kann.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 9 8

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2476 −0,10%
Rohöl Brent Crude 106,32 $ −0,50%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.