Home
http://www.faz.net/-gqi-qaig
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Italienische Hoffnung

12.06.2005 ·  Einen weiteren Milliardenverlust wie in den beiden Vorjahren könnte sich die ausgezehrte Hypo-Vereinsbank nicht mehr leisten. Was haben die deutschen HVB-Angestellten nach der Übernahme zu erwarten?

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Auch das ist Europa. Erst kürzlich erhitzten polnische Schlachtarbeiter, die deutsche Metzger arbeitslos machen, die Volksseele. Dahinter leuchtete der Subtext, Deutschland sei Verlierer der wirtschaftlichen Integration Osteuropas in den Westen.

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) ist das Gegenbeispiel für diese These. Die zweitgrößte deutsche Bank, die jetzt von der italienischen Bankengruppe Unicredito übernommen werden soll, hat stark von ihrem umfangreichen und hochprofitablen Osteuropa-Geschäft profitiert. Die Gewinne aus Polen und Tschechien halfen erheblich, die marode HVB-Inlandssparte durchzufüttern - und damit Tausende deutsche Arbeitsplätze zu sichern. Es mutet fast wie Hohn an: Wird die HVB nun tatsächlich nach Italien verkauft, sind vermutlich die Arbeitnehmer in Osteuropa die Hauptverlierer. Dort droht der größte Stellenabbau.

Hauptmotiv Osteuropa

Was haben die deutschen HVB-Angestellten zu erwarten? Hauptmotiv der Italiener ist offensichtlich die Osteuropa-Sparte der HVB. Das risikobeladene Deutschland-Geschäft nimmt Unicredito-Chef Alessandro Profumo dafür eher notgedrungen in Kauf. Trotz einer von Unicredito offenbar gewährten Bestandsgarantie für Deutschland sind das für die Mitarbeiter keine beruhigenden Vorzeichen.

Doch was wäre die Alternative? Es wäre ein hochriskantes Spiel, wollte die HVB ihr Schicksal weiter auf sich allein gestellt meistern. Bei allem Lamentieren über den drohenden Ausverkauf deutscher Großbanken und einen angeblich zu niedrigen Preis gilt es, den Tatsachen ins Auge zu sehen: Einen weiteren Milliardenverlust wie in den beiden Vorjahren könnte sich die ausgezehrte Bank nicht mehr leisten.

Ein neuer Verlust ist aber angesichts der schwachen Inlandskonjunktur und der Milliardenaltlasten nicht auszuschließen. Und was dann? HVB-Chef Dieter Rampl hat verantwortungsvoll gehandelt, die Chance in Italien zu ergreifen. Man mag über sein öffentliches Anbiedern an den kapitalstarken Unicredito die Nase rümpfen. Doch bisher sind die gewiß schwierigen Verhandlungen reibungslos verlaufen. Wer hätte noch vor sechs Wochen darauf gewettet, daß sich die HVB und Unicredito Mitte Juni handelseinig sein würden?

Ein dicker Brocken

Aus Sicht der Italiener mutet der Sprung über die Alpen allerdings kühn an. Schon ein Blick auf die Börsenbewertungen beider Banken zeigt, daß die HVB für Unicredito ein dicker Brocken ist. Hinzu kommt das erhebliche Risiko durch die Immobilienaltlasten der Bayern. Profumo hat mit dem Unicredito Beeindruckendes geleistet, doch er dreht in Deutschland ein großes Rad.

Bislang hält sich die Skepsis des Kapitalmarkts in Grenzen, wie der vergleichsweise moderate Kursrückgang der Unicredito-Aktie seit Bekanntwerden der Pläne zeigt. Doch das muß bis zum endgültigen Vollzug des Geschäfts, der noch Monate dauern wird, nicht so bleiben. Auch könnte ein anderer Bieter ein Gegengebot für die HVB abgeben. Beide Faktoren könnten den Verkauf noch scheitern lassen.

Quelle: theu. / F.A.Z., 13.06.2005, Nr. 134 / Seite 9
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 9 8

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2476 −0,10%
Rohöl Brent Crude 106,32 $ −0,50%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.