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Kommentar : Grüner Traum

Baden-Württembergs Verkehrsminister kann nicht ernstlich erwarten, dass die Autoindustrie zahlt, um Diesel-Autos nachzurüsten. Zumindest nicht alleine.

          Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann versucht es mit Schmeicheln. Man sei doch im Land der Erfinder, da müsse man doch eine Lösung für das Problem finden, umwirbt der grüne Politiker die Autoindustrie.

          Seine Idealvorstellung: Den cleveren Ingenieuren fällt über Nacht ein Maschinchen ein, das Feinstaub und Stickoxide aus den Dieselmotoren wie von Geisterhand verschwinden lässt. Das Wunderding sollte in alle älteren Autos eingebaut werden, natürlich auf Kosten der Autoindustrie. Von 5 bis 10 Milliarden Euro ist die Rede.

          Doch das ist ein Traum. Erstens wird es technisch nicht so einfach sein, die Emissionen zu tilgen, zumindest nicht, ohne dass andere Nachteile entstehen wie höherer Spritverbrauch (den gerade grüne Politiker auch nicht wollen). Sonst hätte die Autoindustrie längst ihre Kunden damit umgarnt.

          Zweitens kann Hermann auch nicht ernstlich erwarten, dass die Autoindustrie zahlt, zumindest nicht allein, denn Politik und Behörden haben das Vorgehen der Hersteller sehenden Auges geduldet. Vielleicht wäre es besser, Hermann mit seinem Traum nicht allein zu lassen, sondern das Problem auf Bundesebene anzugehen. Es ist nicht nur ein Stuttgarter Thema.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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