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Kommentar Gewinn ist das Ziel

04.02.2005 ·  Den politischen Sprengstoff hat die Deutsche Bank nicht gesehen. Sonst hätte sie nicht einen Tag nach der amtlichen Schreckensmeldung über mehr als fünf Millionen Arbeitslose stolz ihre Gewinnverdopplung auf 4,1 Milliarden Euro vor Steuern verkündet.

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Den politischen Sprengstoff hat die Deutsche Bank nicht gesehen. Sonst hätte sie nicht einen Tag nach der amtlichen Schreckensmeldung über mehr als fünf Millionen Arbeitslose stolz ihre Gewinnverdopplung auf 4,1 Milliarden Euro vor Steuern verkündet. Diese erfreuliche Nachricht hat die Bank allerdings noch mit der Meldung über den Abbau von netto 5200 Arbeitsplätzen gewürzt - um endlich auf eine Rendite von 25 Prozent zu kommen.

Der Widerhall kommt prompt. Nach Abzug der gespielten Empörung professioneller Betroffenheitspolitiker bleiben berechtigte Fragen: Wie viel muß die Deutsche Bank verdienen, damit auf Entlassungen verzichtet wird? Können die Gewinne nicht besser verwendet werden, als das Geld den Aktionären zu geben? Nein, denn Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, ist ein Getriebener der Kapitalmärkte. Er muß hohe Gewinne machen, damit die Deutsche Bank die verbleibenden Arbeitsplätze sichern kann und auch, um die Unabhängigkeit zu erhalten.

Doch wer verbirgt sich hinter der Chiffre Kapitalmarkt? Nicht Ackermann und auch nicht seine gewinnbeteiligten Investmentbanker legen das Renditeziel fest. Vielmehr sind es ungezählte Arbeiter, Angestellte, Rentner oder Freiberufler, die über Lebensversicherungen, Fonds, Sparpläne oder berufliche Versorgungswerke eine möglichst hohe Rendite erzielen wollen. Selbst gewerkschaftseigene Fonds erklären Rendite zu ihrem Ziel. Das mag man bedauern, doch die Anleger wollen das so. Die Menschen empfinden für sich persönlich eine hohe Rendite nicht als unanständig. Mit welchem Recht will jemand diesen Menschen die Rendite für eine angemessene Altersvorsorge streitig machen, zumal der Staat die versprochene Rente nicht mehr wird zahlen können?

In der Debatte über die Gewinne der Deutschen Bank spiegelt sich auch die Unsicherheit über das richtige Verhältnis von Marktwirtschaft zu Sozialpolitik in einer globalisierten Welt. Jeder weiß, daß nur dann in Arbeitsplätze investiert wird, wenn Gewinne gemacht werden. Und alle Steuerzahler spüren, daß die Abgaben für den deutschen Sozialstaat die Menschen überfordern. Das Dilemma verdeutlicht eine aktuelle Zahl. Deutschland gibt jedes Jahr 700 Milliarden Euro für Sozialleistungen aus. Deren Quelle sind auch die vermeintlich unmoralischen privaten Gewinne.

Quelle: hst., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2005, Nr. 30 / Seite 1
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