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Kommentar : Das Post-Desaster

Das Frankfurter Briefzentrum der Deutschen Post. Bild: Wolfgang Eilmes

Wunschdenken oder grobe Fehleinschätzung? Post-Chef Appel muss bei der Gewinnprognose zurückrudern – und um seine Glaubwürdigkeit bangen.

          Dass es im Briefgeschäft der Deutschen Post heftig klemmt, hatte sich schon bei dem Gewinnrutsch im ersten Vierteljahr angedeutet. Aber Vorstandschef Frank Appel tat die miese Zwischenbilanz noch als Ausrutscher ab und bestätigte ausdrücklich die Gewinnprognose für 2018. Exakt vier Wochen später entpuppt sich seine Aussage als Wunschdenken oder grobe Fehleinschätzung.

          Wie aus heiterem Himmel kassiert der erfolgsverwöhnte Post-Chef sein Gewinnziel, und zwar so, dass es an der Börse richtig kracht: Die Post wird 2018 eine satte Milliarde Euro weniger verdienen als ursprünglich erwartet. Damit wird sie nicht einmal das Vorjahresergebnis erreichen. Viele Anleger hat es auf dem linken Fuß erwischt.

          Das Desaster wirft Fragen auf. Wie kann es sein, dass Appel noch vor wenigen Wochen die heile Welt beschwor? Hat man oben im Posttower erst jetzt eingesehen, wie katastrophal die Lage wirklich ist? Dagegen spricht schon der überraschende Wechsel von Jürgen Gerdes: Lange Jahre Herr der Briefe und Pakete, darf oder muss er sich inzwischen ganz auf das Elektrofahrzeug Streetscooter konzentrieren.

          Nun weiß man endgültig, warum. Nur: Gerdes hat seinen Posten schon Anfang April geräumt. War das Ausmaß der Schwierigkeiten also damals schon absehbar? Nicht nur die Aktie hat Schaden genommen, sondern auch Appels Glaubwürdigkeit.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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