http://www.faz.net/-gqe-76bwk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 05.02.2013, 19:04 Uhr

Kodex für gute Unternehmensführung Konzerne sollen Managergehälter deckeln

Für die Vergütung von Managern soll es künftig Höchstgrenzen geben. Die Kodex-Kommission legte Änderungsvorschläge vor und forderte einen „Belegschaftsfaktor“. Erhöht werden soll zudem die Transparenz.

von , Berlin
© dpa Die Vergütung von Managern soll zukünftig gedeckelt werden

Nach den Debatten etwa um die Rekordvergütung für den VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn sollen Aufsichtsräte künftig Höchstgrenzen für die Vergütung von Managern festsetzen. Eine entsprechende Änderung des Kodex für gute Unternehmensführung hat die Regierungskommission Corporate Governance am Dienstag vorgeschlagen. „Wir wollen die Verantwortung der Aufsichtsräte deutlich stärken“, sagte der Kommissionsvorsitzende Klaus-Peter Müller der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Joachim Jahn Folgen:

Die geplante Regelung umfasst sämtliche Vergütungsbestandteile einschließlich der Altersvorsorge und variabler Elemente; damit geht sie weit über die bisherige Begrenzungsmöglichkeit (Cap) bei unvorhergesehenen Entwicklungen hinaus. Neu ist auch die Vorgabe, dass die Konzernkontrolleure „das Verhältnis der Vorstandsvergütung zur Vergütung des oberen Führungskreises und der relevanten Gesamtbelegschaft“ berücksichtigen sollen - „insbesondere in der zeitlichen Entwicklung“, heißt es.

Mehr zum Thema

“Die Unternehmen sollen aber weiterhin selbst Struktur und Höhe der Vergütung bestimmen können“, sagte das Kommissionsmitglied Manfred Gentz, früher unter anderem Aufsichtsratschef der Deutschen Börse. Eine Arbeitsgruppe unter seiner Führung hat die Vorschläge maßgeblich ausgearbeitet. Die Aufsichtsräte machten sich bislang häufig nicht vorher klar, dass erfolgsbezogene Vergütungsbestandteile unter bestimmten Umständen „durch die Decke schießen“ könnten. Einen konkreten Höchstfaktor für das Verhältnis von Manager- und Belegschaftsgehältern will die Kodex-Kommission jedoch nicht festlegen. Das Durchschnittsgehalt der Mitarbeiter sei beispielsweise deutlich niedriger, wenn sich ein Teil des Konzerns in einem Entwicklungsland befinde, erläuterte Gentz.

Erhöht werden soll zudem die Transparenz der schon jetzt vorgeschriebenen Informationen über die Gesamtvergütung der einzelnen Vorstandsmitglieder. „Bisher sind diese Angaben kaum vergleichbar“, beklagte Müller. Mit Mustertabellen wollen die Kodex-Verfasser deshalb Standards festlegen. Die erforderlichen Zahlen seien bereits jetzt in den Unternehmen vorhanden, sagte er; dennoch wolle man eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2014 einräumen. Auch Musterrechnungen mit Maximalbeträgen müssen veröffentlicht werden. Mit Vorschlägen etwa zur individualisierten Offenlegung hat sich die Kommission allerdings schon in der Vergangenheit als Wegbereiter für den Gesetzgeber erwiesen.

Die Millionengehälter der Konzernchefs © F.A.Z. Bilderstrecke 

Geplant ist außerdem ein Abspecken der Managerfibel: Sechs der freiwilligen „Empfehlungen“ und eine der „Anregungen“ (diese sind so unverbindlich, dass eine Abweichung nicht einmal bekanntgemacht werden muss) werden gestrichen, ebenso einige bloße Wiedergaben der Gesetzeslage. „Schon jetzt ist der Kodex deutlich schlanker als in Nachbarländern“, unterstreicht Müller. Dem Vorschlag des Deutschen Juristentags, sämtliche Erläuterungen des Aktiengesetzes zu streichen, will er dagegen nicht folgen: „Unser Auftrag ist es auch, internationalen Investoren ein Kompendium zu bieten.“

Wie erstmals im vergangenen Jahr will die Regierungskommission ihre Reformvorschläge auch diesmal wieder öffentlich zur Diskussion stellen, bevor sie sie gegebenenfalls verabschiedet. Sie sind im Internet nachlesbar. Bis zum 15. März können alle Interessierten Kommentare abgeben. Im Mai sollen dann die Entscheidungen fallen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Volkswagen Dieselgate hin oder her - Winterkorn kassiert 7,3 Millionen

Der aktuelle Vorstandschef muss sich bei der Jahrespressekonferenz für den Abgasskandal entschuldigen. Der ehemalige Vorstandschef füllt sich ungerührt weiter sein Konto mit Zahlungen aus Wolfsburg. Mehr

28.04.2016, 10:45 Uhr | Wirtschaft
Abgasskandal VW setzt auf Elektromobilität

Mit massiven Investitionen in Elektromobilität, selbstfahrende Autos und digitale Transportdienstleistungen will Volkswagen den Abgas-Skandal hinter sich lassen. Elektroautos sollten zu einem neuen Markenzeichen" von Volkswagen werden, kündigte Vorstandschef Matthias Müller an. Wegen des Skandals um die Manipulation von Abgaswerten bat Müller um Verzeihung. Den Rückruf des VW Golf zieht der Konzern vor. Mehr

28.04.2016, 18:41 Uhr | Wirtschaft
Erfolgsprämien für Manager Immer Ärger mit den Boni

Das Unternehmen ist in der Krise - der Chef sahnt ab: Der Fall Volkswagen erhitzt die Gemüter. Wie hoch sollen Erfolgsprämien für Spitzenmanager sein? Oder gehören die Millionenboni abgeschafft? Mehr Von Sven Astheimer

18.04.2016, 05:24 Uhr | Beruf-Chance
Flüchtlingskrise EU-Kommission legt Optionen für Reform des Asylsystems vor

Angesichts der Flüchtlingskrise will die EU-Kommission das Asylsystem vereinheitlichen. Ziel ist es, dass Menschen nicht mehr die oft lebensbedrohliche Reise Richtung Europa antreten. Mehr

06.04.2016, 16:40 Uhr | Politik
Abgasskandal Sind jetzt alle Autofirmen Betrüger?

Fast die ganze Fahrzeugbranche hat beim Abgas getrickst. Aber nur Volkswagen hat betrogen. Dafür sichern sie sich dort jetzt ordentliche Boni. Das hat System. Mehr Von Rainer Hank und Georg Meck

23.04.2016, 19:58 Uhr | Wirtschaft

Spanische Lust am Untergang

Von Leo Wieland, Madrid

Wenn Spanien Glück hat, gibt es in Madrid vielleicht im Herbst wieder eine Regierung. Die politische Lähmung setzt sich in wirtschaftliche um – obwohl sich bereits eine Linderung abgezeichnet hatte. Mehr 5 12


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Arm und reich vereint Ganz oben, ganz unten

Im Hochhaus leben alle soziale Schichten zusammen: oben der Millionär, unten der Habenichts. Und wenn es ums Geld geht, droht Stillstand. Ein Abbild der Gesellschaft. Ortstermin im Kölner Unicenter. Mehr Von Lisa Nienhaus 1

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“