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Koalitionsvertrag : Deutsche Telekom sortiert Leiharbeiter aus

Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn Bild: dpa

Mit dem Koalitionsvertrag kommt die Gewissheit: Unternehmen dürfen Leiharbeitnehmer nur noch anderthalb Jahre auf derselben Stelle einsetzen. Um dies zu umgehen, tricksen nun viele Arbeitgeber.

          Schon seit Monaten arbeitet die Politik beharrlich an einer Drohkulisse für eine stärkere Regulierung in der Zeitarbeit. Erste Unternehmen haben derweil schon Fakten geschaffen: Der IT-Dienstleister T-Systems Regional Services & Solutions GmbH (T-Systems RSS), der zum Bonner Telekom-Konzern gehört, will Informationen dieser Zeitung zufolge zumindest formal reinen Tisch machen.

          Johannes Pennekamp

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Dafür sollen diejenigen Leiharbeitnehmer der Firma Randstad, die schon seit mehr als einem Jahr in Düsseldorf für T-Systems RSS arbeiten, zunächst entlassen werden. Danach sollen sie ein Angebot eines anderen Personaldienstleisters erhalten, um über das Vehikel des Werksvertrags auf die gleiche Position wieder zurückzukehren. Hintergrund könnte die nun im Koalitionsvertrag geschlossene Vereinbarung sein, dass Unternehmen künftig Leiharbeitnehmer nur noch für maximal eineinhalb Jahre einsetzen dürfen.

          Die neue Regelung soll Missbrauch verhindern

          Damit soll Missbrauch verhindert und dem ursprünglichen Zweck der Leiharbeit wieder mehr Gewicht verliehen werden: der Überbrückung von Auftragsspitzen. Bis 2011 war es Unternehmen dagegen erlaubt, Leiharbeiter dauerhaft einzusetzen. Gewerkschaften kritisierten daraufhin, dass ein immer größerer Teil der Stammbelegschaft durch Leiharbeitnehmer verdrängt werden dürfte.

          Im Fall von T-Systems RSS war ein Systemadministrator mehr als sechs Jahre am Stück vom Personaldienstleister Randstad an T-Systems überlassen worden, bevor ihn Randstad am Montagmorgen mit seiner Kündigung konfrontierte. „Zum 31. Januar 2014 soll Schluss sein“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Einen konkreten Grund für die Kündigung habe ihm Randstad nicht mitgeteilt. Er ist auch in dem Kündigungsschreiben nicht genannt, das dieser Zeitung vorliegt. „Unser Teamleiter hatte uns schon vor zwei Wochen informiert, dass Zeitarbeiter, die länger als ein Jahr hier sind, gehen müssen“, sagt er.

          Weiterbeschäftigung auf der alten Position - mit neuem Arbeitgeber

          Auf den Facharbeiter verzichten wollte gleichwohl niemand: Er solle sich in der Randstad-Niederlassung einige Büros weiter zu einem Gespräch über seine Weiterbeschäftigung einfinden – allerdings nicht mit seinem bisherigen Arbeitgeber Randstad, sondern mit zwei Mitarbeiterinnen des Personaldienstleisters Tecops. „Man sagte mir, ich könnte dort als Werksvertragsarbeiter anfangen und wieder für T-Systems RSS arbeiten“, berichtet er.

          Dieses Argument sei benutzt worden, um ihn zur Unterschrift unter einen Aufhebungsvertrag zu bewegen, der ihm alternativ zur Kündigung angeboten wurde – „um einem möglichen Übergang in ein neues Arbeitsverhältnis nicht im Wege zu stehen“, wie es in einem Schreiben von Randstad heißt. Die beiden Mitarbeiterinnen des Randstad-Konkurrenten Tecops hätten ihm versichert, er könne als Werksvertragsbeschäftigter in seinem alten Team auf seiner alten Position weitermachen.

          „Ich wurde nach meinen Gehaltsvorstellungen gefragt, für Dezember versprach man mir ein schriftliches Angebot“, fügt er hinzu. Es seien mehrere Kollegen in der Düsseldorfer Niederlassung betroffen. Insgesamt arbeiteten bis zu 50 Mitarbeiter dort, nicht alle seien jedoch länger als ein Jahr auf selber Stelle beschäftigt. Auch ein anderer Leiharbeiter hat das Vorgehen bestätigt.

          Die Deutsche Telekom hat den beteiligten Firmen mitgeteilt, dass die Entleihung zum 31. Dezember dieses Jahres nicht verlängert werde, wie der Konzern auf Anfrage bestätigt. Dabei sei auch erläutert worden, dass es weiterhin Auftragsvolumina für Werksverträge geben werde. „Wie und in welcher Form die Werksvertragspartner diese Aufträge personell bestücken, obliegt ihnen.“ Zu den geschilderten Vorgängen bei den beiden Personaldienstleistern lägen der Telekom keine Informationen vor.

          In dem Konzern arbeiten derzeit rund 1.800 Beschäftigte in Leih- und Zeitarbeit, gemessen an den knapp 120.000 festen Beschäftigten in Deutschland eine überschaubare Quote. „Wir nutzen als Konzern das Modell rudimentär“, sagte ein Sprecher. Viele Leiharbeiter werden ihm zufolge ins Haus geholt, weil sie die gerade fehlenden „strategischen Skills“ mitbringen.

          „Kann sich auf dem Arbeitsmarkt absolut sehen lassen“

          Andere springen für zeitlich begrenzte Sonderaufgaben ein oder ersetzen Mitarbeiter, die durch Elternteilzeit oder Langzeiterkrankungen vorübergehend ausfallen. Rund 100 Millionen Euro im Jahr überweist die Telekom an Leih- und Zeitarbeitsfirmen. Obwohl der Konzern jedes Jahr Tausende von Stellen abbaut, will er auf das Instrument nicht verzichten. Üblicherweise „bestellt“ die Telekom Leiharbeiter für sechs Monate. Spätestens nach einem Jahr werde geprüft, ob nicht eine interne Lösung möglich sei.

          Randstad teilte mit, das Unternehmen halte sich „selbstverständlich an alle geltenden rechtlichen und gesetzlichen Bestimmungen“. Grundsätzlich stehe Randstad „in keinem Fall für Umgehungen von rechtlichen Vorgaben (wie zum Beispiel Kettenarbeitnehmerüberlassungen, Drehtüreffekt) zur Verfügung“.

          Von Tecops heißt es, jedem Arbeitnehmer werde ein festes Anstellungsverhältnis mit übertariflicher Bezahlung, bezahlten Überstunden, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und Entwicklungsmöglichkeiten geboten. „Das Gehalt von über 2.000 Euro brutto für eine Tätigkeit, die nicht einmal eine abgeschlossene Berufsausbildung erfordert, sondern bei der auch Quereinsteiger mit IT-Kenntnissen und Arbeitswillen eine Chance haben, kann sich auf dem Arbeitsmarkt absolut sehen lassen.“

          Quelle: F.A.Z.

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