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Klimaschutz Preis für Emissionsrechte steigt auf Rekordniveau

04.07.2005 ·  Der Preis für Emissionsrechte ist an der Strombörse Leipzig auf mehr als 25 Euro je Tonne Kohlendioxyd geklettert. Das ist der höchste Wert seit Aufnahme des Handels. Ökonomen sind ratlos. Eigentlich müßte der Preis viel niedriger sein.

Von Holger Schmidt
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Der Preis für Emissionsrechte (Zertifikate) ist an der Strombörse Leipzig auf mehr als 25 Euro je Tonne Kohlendioxyd geklettert. Das ist der höchste Wert seit Aufnahme des Handels im Rahmen des europäischen Emissionshandelssystems Anfang März, als der erste festgestellte Preis rund 10 Euro betrug. Ökonomen sind von dieser Entwicklung sehr überrascht. "Entgegen allen Erwartungen gehen die steigenden Energiepreise, die wir zur Zeit beobachten, mit höheren Zertifikatepreisen einher. Eigentlich müßten steigende Energiepreise eine sinkende Nachfrage nach Energie auslösen, was den Zertifikatepreis senken müßte", sagte Gernot Klepper, Umwelt- und Energiefachmann am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.

Kohle statt Gas

In fast allen wissenschaftlichen Studien wird ein Zertifikatepreis zwischen 5 und maximal 15 Euro erwartet. Als einen Grund für den unerwartet starken Preisanstieg sieht Klepper die Ersetzung von Gas durch Kohle. "Kohle ist noch vergleichsweise billig zur Zeit. Mit dem Kohle-Einsatz in den Kraftwerken steigen aber die Emissionen überproportional und damit die Preise für die Zertifikate", sagte Klepper.

Für Jochen Diekmann, Energiefachmann am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, ist der hohe Marktpreis jedoch kein Dauerzustand. "Einige Emittenten, die knapp mit Emissionsrechten ausgestattet worden sind, decken sich zur Zeit im Markt ein. Unternehmen mit einer besseren Ausstattung lassen ihre Zertifikate noch in der Schublade. Da die Zertifikate in vielen Ländern großzügig verteilt worden sind, ohne eine wirkliche Reduktion der Emissionen zu erreichen, ist zwischenzeitlich sogar erwartet worden, daß der Zertifikatepreis auf Null sinken könnte. Wir gehen nicht davon aus, daß das momentane Niveau in der gesamten ersten Verpflichtungsperiode zwischen 2005 bis 2007 so hoch bleiben wird."

Klimaschutzprojekte in China sollen helfen

Ein Grund für sinkende Preise sind die Klimaschutzprojekte, die europäische Unternehmen im Ausland finanzieren können, um sich die erreichte Emissionssenkung im Inland anrechnen zu lassen. "Die Projekte sind bisher noch nicht angelaufen. Wenn diese Anrechnungsmöglichkeiten in der zweiten Verpflichtungsperiode zwischen 2008 und 2012 kommen, wird der Preis sinken", erwartet Klepper. In diesen Projekten wird die Ersparnis einer Tonne Kohlendioxyd-Emission nur rund 5 Euro kosten. Das Interesse an diesen Projekten wächst zur Zeit kräftig. "Die Industrie dringt darauf, diese Projekte schneller genehmigen zu lassen", sagt Sven Bode, Emissionshandelsfachmann am Hamburger Wirtschaftsforschungsinstitut HWWA.

Energieversorger haben Interesse an hohen Preisen

Bode hat allerdings noch eine andere Begründung für die hohen Zertifikatepreise. "Die hohen Preise liegen im Interesse der Energieversorger, da sie ihnen die Rechtfertigung für steigende Strompreise liefern, solange die Zertifikate kostenlos verteilt werden." Seine Begründung ist unter Ökonomen unstrittig: Obwohl diese Unternehmen alle Zertifikate geschenkt bekommen haben, beziehen sie den Preis in die Strompreiskalkulation mit ein, weil sie auch die Möglichkeit haben, die Zertifikate zu verkaufen. "Das kann dazu führen, daß die Zertifikatspreise auf die Strompreise zumindest teilweise überwälzt werden. Die Unternehmen könnten - nach unseren Schätzungen - bis zu 1,5 Cent je Kilowattstunde auf den Strompreis überwälzen", schätzt Diekmann. Auch Klepper will diese Möglichkeit nicht ausschließen: "Auf dem deutschen Markt gibt es nur drei oder vier Anbieter. Das sind die großen Energieversorger. Es könnte sein, daß diese Anbieter den Preis treiben, um eine Rechtfertigung für steigende Strompreise zu haben."

Quelle: F.A.Z., 04.07.2005, Nr. 152 / Seite 13
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