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Kleinwagen Ein Frontantrieb ist für BMW kein Tabu mehr

17.03.2010 ·  Schon 2014 wollen die Münchner Kleinwagen auf den Markt bringen. Dabei schrecken sie vor einem Tabubruch nicht zurück: So wird es einen BMW mit Frontantrieb geben. Und auch Kooperationen sind wieder ein Thema.

Von Henning Peitsmeier
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In wenigen Tagen kommt die neue Limousine der Fünfer-Reihe zu den Händlern, doch die etwas fernere Zukunft stellt sich BMW ein paar Nummern kleiner vor: Eine Architektur für Fahrzeuge zwischen 3,80 und 4,30 Meter Länge, mit Front- und Allradantrieb sowohl für die Marke Mini als auch für BMW. Schon 2014 sollen die ersten Exponate auf dieser neuen Plattform auf den Markt kommen. "Das Premiumsegment für Kleinwagen wird jedes Jahr um 4 bis 6 Prozent wachsen", begründete Vorstandschef Norbert Reithofer in der Bilanzpressekonferenz den Ausflug seines Unternehmens in untere Gefilde.

Ein BMW mit Frontantrieb ist ein Tabubruch. Bisher hatte die weiß-blaue Marke ihren stets heckgetriebenen Autos sportlichere Fahreigenschaften zugeschrieben. Doch das Kleinwagensegment erfordere, wie Reithofer sagte, "bekanntermaßen andere Kostenstrukturen als große Fahrzeugklassen". Deshalb schließt der Vorstand auch nicht aus, die neue Kleinwagenarchitektur für Kooperationspartner zu öffnen. In Frage käme zum Beispiel der französische PSA-Konzern, mit dem die Bayern schon 4-Zylinder-Motoren für die Einser-Reihe von BMW sowie sämtliche Mini-Varianten bauen.

Konkurrent Audi hat das Premium-Kleinwagensegment schon früher entdeckt und kann, anders als BMW, auf den Baukasten der Konzernmuttergesellschaft Volkswagen zurückgreifen. Im Mai bringen die Ingolstädter den A1, der auf dem VW Polo basiert - ein Vorsprung von mindestens vier Jahren. BMW will es allerdings nicht bei einem einzigen Modell belassen. "Von sportlichen Fahrzeugen bis zu raumfunktionalen Konzepten kann man sich viel vorstellen", sagte Entwicklungsvorstand Klaus Draeger. Die Kleinwagenfamilie Mini erweitert der Konzern in diesem Jahr um die allradgetriebene Version Countryman und im kommenden Jahr um einen Roadster und ein Coupé.

Mit all diesen Derivaten und zusätzlichen Elektrofahrzeugen wie dem in Leipzig gebauten Megacity-Vehicle will Reithofer den Absatz erheblich steigern: "Im Jahr 2020 wollen wir mehr als 2 Millionen Autos verkaufen." Schon in diesem Jahr soll es wieder aufwärtsgehen. Ausgehend von zuletzt 1,29 Millionen Fahrzeugen will der Konzern im "soliden einstelligen Prozentbereich" wachsen, nachdem die Verkaufszahlen im Krisenjahr 2009 um 10,4 Prozent gesunken waren.

Dieser Volumenrückgang und die gleichzeitig gewährten Rabatte haben das Ergebnis nach Angaben von Finanzvorstand Friedrich Eichiner zu gleichen Teilen um 3,3 Milliarden Euro belastet. Doch auch auf der Ertragsseite plant der Konzern mit Steigerungsraten. Bis 2012, wenn BMW insgesamt 1,6 Millionen Autos verkaufen will, soll im Automobilsegment eine operative Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 8 bis 10 Prozent erreicht werden. Zuletzt war sie negativ, weil ein Segmentverlust von 265 Millionen Euro angefallen war. Erst im vierten Quartal 2009 war das Autogeschäft von BMW wieder profitabel. Das erste Quartal des neuen Jahres dürfte saisonbedingt nicht so gut ausfallen, sagte Eichiner, auch weil der Nachfolger der volumen- und ertragsstarken Fünfer-Reihe noch nicht in das Zahlenwerk eingeht. Mit einem Verlust ist Eichiner zufolge jedoch nicht zu rechnen.

BMW hatte schon vergangene Woche die Geschäftszahlen für 2009 veröffentlicht und über einen Gewinnrückgang von 36 Prozent auf 210 Millionen Euro sowie ein Umsatzminus von 5 Prozent auf 50,7 Milliarden Euro berichtet (siehe BMW hält sich besser als befürchtet).

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